Aus- und Weiterbildung

Fragen und Antworten zur Einstiegsqualifizierung

Einstiegsqualifizierung - was ist das?
Die Einstiegsqualifizierung ist ein Angebot der Wirtschaft an junge Menschen, durch eine Kombination von Arbeiten und Lernen in einem Tätigkeitsfeld in das Berufsleben zu starten. Als Einstiegsqualifizierung werden auch vergleichbare Berufseinstiegsangebote der Wirtschaft in der Berufsausbildungsvorbereitung für lernbeeinträchtigte und sozial benachteiligte Jugendliche im Sinne des § 68 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) gefördert.
Wer kann Einstiegsqualifizierungen anbieten?
Alle bei unserer Handelskammer bereits als Ausbildungsbetriebe gelisteten Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber können jederzeit auch Einstiegsqualifizierungen für die entsprechenden branchenspezifischen Module anbieten. Eine Übersicht der angebotenen Module finden Sie unter dem angegebenen externen Link. Betriebe, die bisher nicht ausgebildet haben, beraten die Ausbildungsberater unserer Handelskammer gerne über die Möglichkeiten, Praktikantenplätze für Einstiegsqualifikanten bereitzustellen.
Welchen Nutzen hat das Unternehmen?
Schulzeugnisse sagen oft nicht viel über die praktischen Begabungen aus. Für Betriebe besteht die Gelegenheit, Bewerber durch eine Einstiegsqualifizierung im Berufsalltag kennen zu lernen und so die Chancen junger Menschen mit stärker ausgeprägten praktischen Fähigkeiten zu erhöhen.
Wer kann sich um Einstiegsqualifizierungsplätze bewerben?
Ausbildungsplatzsuchende, die am 30. September trotz aktiver Teilnahme an den Nachvermittlungsaktionen auf Grund individuell eingeschränkter Vermittlungsperspektiven in keinen Ausbildungsplatz vermittelt werden konnten.
Welche Vorteile bietet die Einstiegsqualifizierung den Einstiegsqualifikanten?
Bewerbern mit eingeschränkten Vermittlungsperspektiven bietet die Einstiegsqualifizierung die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten in der betrieblichen Praxis unter Beweis zu stellen. Da sich die Module der Einstiegsqualifizierungen an den Inhalten anerkannter Ausbildungsberufe orientieren, ist dieses Praktikum gleichzeitig eine Vorbereitung auf eine Berufsausbildung, die sich in der Regel an die Einstiegsqualifizierung anschließen sollte.
Wie lange dauert die Einstiegsqualifizierung?
Einstiegsqualifizierungen dauern mindestens 6 und höchstens 12 Monate, aber immer nur bis zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres.
Wie endet die Einstiegsqualifizierung?
Der Einstiegsqualifikant/die Einstiegsqualifikantin wird zum Abschluss des Praktikums vom Betrieb geprüft und erhält von diesem ein Zeugnis. Unsere Handelskammer stellt nach Ablauf der Einstiegsqualifizierung ein Zertifikat aus, in dem die Inhalte und das Zeugnis bestätigt werden. Eine Anrechnung der Einstiegsqualifizierungszeit (maximal 6 Monate) auf eine anschließende, einschlägige Ausbildung ist auf der Grundlage von § 8 Abs. 1 BBiG möglich.
Gilt während einer Einstiegsqualifizierung die Berufsschulpflicht?
In Hamburg gilt: Wer grundsätzlich berufsschulpflichtig ist, unterliegt dieser Pflicht auch während der Zeit der Einstiegsqualifizierung. Berufsschulpflichtig sind alle, die weniger als 11 Vollschuljahre absolviert haben.
Wie sieht das Vertragsverhältnis zwischen Betrieb und Einstiegsqualifikanten aus?
Die Einstiegsqualifizierung ist so ausgestaltet, dass der Qualifikant nach dem Prinzip "learning by doing" betriebliche Aufgaben ausführt und der Betrieb ihm dabei Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt. Diese entsprechen Teilbereichen eines anerkannten Ausbildungsberufes. Schwerpunkt des Beschäftigungsverhältnisses ist die Vermittlung fachspezifischer und sozialer Kompetenzen. Aus diesem Grund ist § 26 BBiG die rechtliche Basis für ein Vertragsverhältnis im Rahmen der Einstiegsqualifizierung. Der Einstiegsqualifizierungsvertrag wird bei unserer Handelskammer registriert.
Gibt es eine Vergütung für die Einstiegsqualifizierung?
Nach § 26 BBiG ist in Verbindung mit § 17 Abs. 1 BBiG eine angemessene Vergütung zu zahlen. Im Ausbildungspakt ist eine monatliche Vergütung von 247 Euro vereinbart, die von den Betrieben an die Einstiegsqualifikanten gezahlt wird. Auf Antrag werden die Vergütung zzgl. Gesamtsozialversicherungsbeitrag (123 Euro) von der Agentur für Arbeit an die Betriebe erstattet. Ein entsprechendes Formular finden Sie ebenfalls unter dem externen Link. Sach- und Personalkosten für die fachliche Betreuung der Einstiegsqualifikanten sind von den Betrieben zu tragen.
Welche Verbindung besteht zwischen der Berufsausbildungsvorbereitung und der Einstiegsqualifizierung?
Die Berufsausbildungsvorbereitung (§ 68 BBiG) richtet sich an lernbeeinträchtigte oder sozial benachteiligte Personen, deren Entwicklungsstand eine erfolgreiche Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf noch nicht erwarten lässt. Sie ist mit einer sozialpädagogischen Betreuung verknüpft. Sie wird auch von Bildungsträgern durchgeführt, während die Einstiegsqualifizierung ausschließlich im Betrieb stattfindet. Die Berufsausbildungsvorbereitung kann als Teil der Einstiegsqualifizierung angesehen und bei der Festlegung der Dauer für die Einstiegsqualifizierung berücksichtigt werden.
Wann dürfen die Parteien den Vertrag kündigen?
Das Kündigungsrecht ist in § 22 BBiG geregelt und wird im Vertrag genannt. Die Probezeit richtet sich nach der Dauer der Einstiegsqualifizierung und darf für höchstens 2 Monate vereinbart werden. Während der Probezeit kann der Vertrag jederzeit von beiden Parteien ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden.
Nach der Probezeit kann der Vertrag nur gekündigt werden
a) aus einem wichtigen Grund ohne Einhalten einer Kündigungsfrist
b) von Einstiegsqualifikanten mit einer Kündigungsfrist von 4 Wochen, wenn er/sie die Einstiegsqualifizierung aufgeben oder eine andere Beschäftigung aufnehmen will.
Die Kündigung muss schriftlich und nach der Probezeit unter Angabe der Kündigungsgründe erfolgen.
Eine Kündigung aus wichtigem Grund ist unwirksam, wenn die ihr zugrunde liegenden Tatsachen dem zur Kündigung Berechtigten länger als zwei Wochen bekannt sind.
Gibt es eine Altersbegrenzung?
Eine Förderung von Jugendlichen, die älter als 25 Jahre sind, ist nur ausnahmsweise in begründeten Einzelfällen möglich. Bei Geflüchteten bis unter 35 Jahren kann in der Regel vom Vorliegen eines Ausnahmetatbestandes ausgegangen werden.
Darf das Unternehmen den Einstiegsqualifikanten wie eine Hilfskraft einsetzen?
Auf gar keinen Fall! Die Einstiegsqualifizierung unterscheidet sich von einem Arbeitsverhältnis dadurch, dass vom Betrieb Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt werden, die einem Teilbereich einer anerkannten Ausbildung entsprechen. Schwerpunkt des Beschäftigungsverhältnisses ist die Vermittlung von Kompetenzen auf der einen und das Lernen fachspezifischer aber auch sozialer Inhalte auf der anderen Seite. Ein Arbeitsverhältnis ist dagegen anzunehmen, wenn die Leistung von Arbeit auf der einen und die Zahlung von Lohn auf der anderen Seite den Schwerpunkt des Beschäftigungsverhältnisses bilden. Wenn der zu Qualifizierende zwar offiziell eine Einstiegsqualifizierung absolviert, aber trotzdem vom Betrieb als Hilfsarbeiter eingesetzt wird, so läuft der Betrieb Gefahr, den vollen Lohn für die geleistete Tätigkeit bezahlen zu müssen. Darüber hinaus kann die Agentur für Arbeit den Vergütungszuschuss zurückfordern.
Wie ist der Einstiegsqualifikant unfallversichert?
Versicherungsträger ist der für das Unternehmen zuständige Unfallversicherungsträger gemäß §§ 123-129, 133 SGB VII. Das wird in den meisten Fällen die gewerbliche Berufsgenossenschaft sein. Der Versicherungsschutz ergibt sich für die Jugendlichen aus § 2 Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 2 SGB VII.
Kann das Unternehmen den Qualifikanten nach der Einstiegsqualifizierung in ein befristetes Arbeitsverhältnis übernehmen?
Das Teilzeit- und Befristungsgesetz verhindert im Regelfall, dass Arbeitnehmer befristete Verträge erhalten, die bereits zuvor bei demselben Arbeitgeber befristet eingestellt waren - wenn die erste Befristung nicht gemäß § 14 TzBfG sachlich begründet war. Bei einer einjährigen Einstiegsqualifizierung liegt der sachliche Grund darin, dass die Agentur für Arbeit nur diesen Förderzeitraum gewähren. Bei einer anschließenden Übernahme in ein Arbeitsverhältnis wäre eine neue Befristung daher unschädlich. Allerdings gibt es hier viele denkbare Konstellationen, so dass Sie sich vor Abschluss eines anschließenden Arbeitsvertrags über die Konsequenzen erkundigen sollten.
Wie sieht es aus mit ermäßigten Fahrscheinen für den HVV?
Während einer Einstiegsqualifizierung können Ihnen die Fahrtkosten erstattet werden.
Bitte wenden Sie sich dazu an Ihre/n zuständige/n Berufsberater/in in der Jugendberufsagentur Hamburg.