Diversifizierung durch Kooperationen
Deutschland und Europa haben bereits viele Rohstoffpartnerschaften mit ressourcenreichen Ländern geschlossen. Diese sind allerdings kaum mit konkreten Projekten und Investitionen unterlegt. Die deutsche Rohstoffstrategie stößt hier an ihre Grenzen. Die Bundesregierung sollte sich auch in Fragen der Entwicklungszusammenarbeit und Handelspolitik enger mit der Wirtschaft austauschen und Pilotprojekte mit den Partnerländern vorantreiben. Dadurch würde die Versorgungslage hierzulande, aber auch die wirtschaftliche Entwicklung in den Partnerländern vor Ort nachhaltig gefördert. Gleichzeitig ist es wichtig, dass die bestehenden Zielkonflikte hinsichtlich der Sorgfaltspflichten und einer resilienten Rohstoffversorgung gelöst werden: Hohe Bürokratiekosten und rechtliche Unsicherheiten durch EU-Sorgfaltspflichten erschweren es den Unternehmen, neue Bezugsquellen in risikoreichen Ländern aufzubauen und dort zu investieren.
Resilienz durch heimische Rohstoffe
Trotz hoher Importquoten ist Deutschland nicht per se ein rohstoffarmes Land. Initiativen der Bundesregierung und der EU-Kommission, wie der Critical Raw Materials Act, zielen darauf ab, den heimischen Abbau und die Verarbeitung von Rohstoffen im jeweiligen EU-Mitgliedsland zu stärken. Doch es braucht mehr – dringend etwa die Reduzierung bürokratischer Hürden, die Einführung verbindlicher Fristen und die Einrichtung eines zentralen digitalen One-Stop Shops, der Unternehmen durch Digitalisierung und Bündelung von Prozessen den Zugang zu Rohstoffen erleichtert.
Maßnahmen wie eine staatliche Bevorratung sind indes kritisch zu bewerten: Weitere Eingriffe des Staates in ohnehin volatile Märkte würden zu noch stärkeren Verzerrungen führen. Neue Preisspitzen könnten die Versorgungslage für die Betriebe und vor allem für kleine und mittlere Unternehmen am Ende sogar verschlechtern.
Kreislaufwirtschaft fördern
Bis 2030 sollen 25 Prozent des Bedarfs an kritischen Rohstoffen aus Recycling gedeckt werden. Damit Resilienz durch Wiederverwertung von Rohstoffen erhöht wird, müssen die versprochenen beschleunigten Genehmigungsverfahren, aber auch einfachere und transparentere Förderkriterien in die Praxis umgesetzt werden.
Um eine wettbewerbsfähige und skalierbare Kreislaufwirtschaft zu schaffen, sollten zudem die bestehenden Förderund Innovationsprogramme für Rohstoffprojekte geöffnet werden. Deutschland nimmt bereits eine führende Rolle bei der Rohstoffgewinnung aus Halden ein – Potenziale wie diese gilt es stärker auszuschöpfen.
Finanzierungsangebot ausweiten
Resilienz hat ihren Preis. Der Rohstofffonds der Bundesregierung ist ein erster und wichtiger Schritt, um Investitione in eine widerstandsfähige Versorgung zu flankieren. Public-Private-Partnerships sollten als weitere Bausteine genutzt werden. Länder wie Japan haben diesbezüglich bereits funktionierende Strukturen geschaffen, Deutschland und Europa müssen hier jetzt nachziehen. Zudem sollten die Vergabeverfahren des deutschen Rohstofffonds vereinfacht und die Betrauung des Fonds-Managements durch private Spezialisten geprüft werden.