Letztlich bleibt das Niveau aber unbefriedigend. Steigende Kosten drücken zusätzlich auf die Ertragslage. Mit dem Blick auf ihre Geschäftszahlen senken derzeit viele Unternehmen aus der IHK-Region Ulm ihre Daumen. Der IHK Lageindikator, der die Differenz zwischen positiven und negativen Einschätzungen zur eigenen wirtschaftlichen Situation der Unternehmen abbildet, hat sich von 13 auf sechs Punkte verringert. Der Abstand zum langfristigen Durchschnitt von 31 Punkten hat zugenommen und bleibt damit markant.
Nachfrageimpulse fehlen
Die Ursachen für diese Entwicklung sind sowohl in den veränderten globalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als auch in den inländischen Strukturdefiziten zu suchen. So muss sich die hiesige Wirtschaft darauf einstellen, dass sie sowohl innerhalb Europas als auch auf Drittmärkten einem verschärften Wettbewerbsdruck ausgesetzt ist, insbesondere durch stark subventionierte Produkte aus China. Gleichzeitig trübt die protektionistische und schwankende Handelspolitik Trumps das US-Geschäft. Hinzu kommen geopolitische Konflikte, die für Verunsicherung sorgen. Während die Industrie mit Absatzrückgängen in China und den USA rechnet, verspricht sie sich kräftige Nachfrageimpulse aus anderen asiatischen Märkten und durchaus auch aus der Europäischen Union. Sie können die Rückgänge in Asien und den USA jedoch nicht gänzlich kompensieren.
Wettbewerbsfähigkeit zunehmend gefährdet
Der Wirtschaft bereiten neben der schwachen Nachfrage vor allem die steigenden Kosten Sorgen. Erstmals nennen mit 68 Prozent mehr Betriebe die Arbeitskosten als Risiko als die Inlandsnachfrage (66 Prozent). Zum einen drückt der gestiegene Mindestlohn das Lohngefüge nach oben. Zum anderen lassen ausbleibende Strukturreformen die Lohnnebenkosten zu einer wachsenden Belastung werden. Zu hohe Energiekosten sowie die Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar erschweren es den hiesigen Betrieben zusätzlich, konkurrenzfähige Preise anbieten zu können. Von der versprochenen Entlastung durch die inländische Wirtschaftspolitik kommt bisher kaum etwas bei den Betrieben an. 37 Prozent aller Betriebe sehen in der Wirtschaftspolitik sogar ein Risiko für die eigenen Geschäfte. Folglich bleibt die Stimmung trotz leichter Aufhellung getrübt. Zwar ist der Anteil der Betriebe mit negativen Erwartungen von 24 auf 21 Prozent zurückgegangen – allerdings nur zugunsten der Unternehmen, die von einer anhaltenden Stagnation ausgehen.
Standorte im Ausland sind attraktiver
Das schlägt sich auch in einer geringen Investitionsbereitschaft nieder. Die Ausgaben für Investitionen in Deutschland dürften auf ihrem bisherigen geringen Niveau stagnieren. Vor allem bleiben Expansionsinvestitionen Mangelware. Hiesige Investitionsstandorte fallen oft auch hinter Standorte im Ausland zurück. Zwar plant derzeit nur ein Viertel der regionalen Industrieunternehmen, im Ausland zu investieren. Bei den meisten von ihnen ersetzt das jedoch Investitionen im Inland. Allerdings hat sich auch die Investitionsdynamik im Ausland abgeschwächt. Die gestiegenen globalen Unsicherheiten könnten zur größeren Zurückhaltung beigetragen haben.
Personalbedarf geht zurück
Die schwächelnde konjunkturelle Entwicklung schlägt zunehmend auch auf den Arbeitsmarkt durch. Nur ein Zehntel aller Unternehmen möchte in den kommenden Monaten zusätzliches Personal einstellen. Hingegen planen 28 Prozent ihre Belegschaften zu verkleinern. Weil der Schuh in der Krise an anderer Stelle stärker drückt, nennen immer weniger Unternehmen den Fachkräftemangel als Risiko für die eigene Geschäftsentwicklung (aktuell 43 Prozent). Der regionalen Wirtschaft ist jedoch bewusst, dass die Engpässe aus Gründen der Demografie nicht verschwinden werden. Die meisten Unternehmen (61 Prozent) versuchen daher weiterhin ihren Personalbestand zu halten. Der Arbeitsmarkt erweist sich auch deshalb weiterhin als robust. Die Arbeitslosenquote lag in der IHK-Region Ulm Ende Dezember 2025 mit 3,2 Prozent nur um 0,1 Prozentpunkte höher als ein Jahr zuvor.