Wer eine ausländische Berufsqualifikation in Deutschland anerkennen lassen möchte, erhält von der zuständigen Stelle – in gewerblichen und kaufmännischen Berufen meist der IHK FOSA – einen Bescheid über die Gleichwertigkeit. Wird nur eine teilweise Gleichwertigkeit festgestellt, bestehen noch Unterschiede zum deutschen Referenzberuf. Diese können durch eine individuell geplante Anpassungsqualifizierung ausgeglichen werden. Unternehmen und internationale Fachkräfte werden dabei von den IHKs beraten und erhalten Unterstützung bei der Erstellung eines passenden Qualifizierungsplans. Nach Abschluss kann innerhalb von fünf Jahren ein Folgeantrag gestellt werden, um die volle Gleichwertigkeit zu erreichen.
Erfolgsbeispiel aus Sigmaringen
Wie gut dieser Weg funktionieren kann, zeigt das TheaterCaFé Sigmaringen. Auf der Suche nach Fachkräften entschied sich Inhaber Sascha Agic bewusst für die Einstellung einer internationalen Mitarbeiterin. „Die Option der Anpassungsqualifizierung hat uns überzeugt, weil sie beiden Seiten gute Perspektiven bietet“, sagt Agic. Er wurde auf Eldina Zatagić aufmerksam, die in Bosnien und Herzegowina den Beruf der Köchin erlernt hatte. Zatagić wollte ihre berufliche Zukunft bewusst in Deutschland gestalten: „Ich sehe hier gute Chancen, mich weiterzuentwickeln und beruflich zu wachsen.“ Gut vorbereitet hatte sie bereits einen Deutschkurs absolviert und alle Ausbildungsnachweise zusammengestellt. Dennoch war der Einstieg nicht ohne Hürden. „Es war anfangs eine Herausforderung, alle Dokumente richtig zu übersetzen und die organisatorischen Anforderungen zu verstehen“, erinnert sie sich.
Gemeinsam durch das Anerkennungsverfahren
Für Agic war es der erste Anerkennungsprozess: „Es wurden zahlreiche Nachweise verlangt, die wir gemeinsam mit Unterstützung des Welcome Centers und der Ausländerbehörde organisiert haben.“ Die Anpassungsqualifizierung verlief reibungslos, Zatagić konnte fehlende Inhalte im Betrieb nachholen und sich schrittweise einarbeiten. „Inzwischen arbeite ich in einer führenden Position in der Küche“, sagt sie stolz. Besonders motiviere sie das Vertrauen, das ihr entgegengebracht werde. Auch für den Betrieb brachte die Qualifizierung klare Vorteile. „Mit Eldina Zatagić haben wir eine kompetente Fachkraft gewonnen, auf die wir uns jederzeit verlassen können“, so Agic. Die Zusammenarbeit im Team funktioniere hervorragend, und Zatagić habe „eigene Ideen und Impulse eingebracht, die unser Angebot bereichern“. Heute ist Eldina Zatagić eine in Deutschland vollständig anerkannte Köchin – ein wichtiger Schritt, der ihr berufliche Sicherheit und neue Perspektiven eröffnet. „Es ist ein wunderbares Gefühl zu wissen, dass meine Qualifikation anerkannt ist“, sagt sie. Und auch ihr Arbeitgeber Sascha Agic würde den Weg jederzeit wieder gehen: „Ich kann anderen Betrieben nur empfehlen, sich auf eine Anpassungsqualifizierung einzulassen.“
WAB