Energie & Wasser
Der Anschlag auf das Berliner Stromnetz zeigt aktuell erneut, wie verwundbar kritische Infrastruktur ist. Wie Energie- und Wasserversorgung in der Innovationsregion Ulm gegen Ausfälle und Sabotage abgesichert sind, konnte Klaus Eder, Geschäftsführer der SWU Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm GmbH, den Anwesenden erläutern. Redundante Systeme, Notfallkonzepte und analoge Lösungen griffen häufig im Hintergrund, oft unbemerkt von der Bevölkerung. Von großer Bedeutung sei nicht nur die technische Vorsorge, vor allem im IT Bereich, sondern auch das regelmäßige Trainieren von Abläufen sowie verlässliche Kommunikationsketten. Die SWU beschäftige sich bereits seit vielen Jahren mit der Frage, wie eine Stadt auch dann versorgt werden könne, wenn nur begrenzt Primärenergie zur Verfügung steht. Durch die rund 800 Energieversorger in Deutschland bestehe grundsätzlich ein sehr resilientes Gesamtsystem.
In der Behebung von Schäden sei man routiniert, gezielt geübt werden müssten jedoch die Kommunikationsketten. Darüber hinaus sei es erforderlich, Redundanzen regelmäßig zu testen und Mitarbeitende aktiv einzubinden, um im Ernstfall klare Orientierung zu gewährleisten.
Kranken- und Verletztenversorgung
Udo X. Kaisers, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender am Universitätsklinikum Ulm, schilderte, mit welchen Krisenszenarien ein Haus der Maximalversorgung rechnet. Entscheidend sei dabei vor allem die Dauer einer Massenschadenslage. Für einen kurzfristigen Massenanfall von Verletzten sei man gut vorbereitet und regelmäßig trainiert. Halte eine Bedrohungslage jedoch über einen längeren Zeitraum an, müssten Lösungen für die medizinische Grundversorgung sowie für ein zusätzliches Aufkommen an Verletzten gefunden werden. In solchen Lagen sei das Gesundheitswesen auf die Unterstützung der Wirtschaft und der kommunalen Ebene angewiesen. Er betonte aber auch die Bedeutung von Selbstwirksamkeit: Menschen müssten befähigt werden, ins Handeln zu kommen – durch Training, klare Abläufe und praktische Vorbereitung statt durch abstrakte Konzepte.
Verteidigung: zivil und militärisch
Aus militärischer Sicht ordnete Generalleutnant Kai Rohrschneider, Kommandeur des Joint Support and Enabling Command (JSEC) der NATO, das Thema Resilienz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe ein. Eine Krise, die völlig abrupt und ohne Vorwarnung über eine Gesellschaft hereinbricht, sei aus militärischer Perspektive eher unwahrscheinlich – militärische Krisen entstünden nicht plötzlich, sondern seien häufig das Ergebnis unzureichender Vorsorge, fehlender Abstimmung oder eines schrittweisen Versagens von Verfahren und Zuständigkeiten. Die zivile Verteidigung sei in den vergangenen Jahrzehnten vernachlässigt worden. Es stünden rechtliche Instrumente zur Verfügung, entscheidend für deren Wirksamkeit sei jedoch vor allem die Umsetzung auf Länderund kommunaler Ebene – dort lägen die zentralen Stellschrauben für Vorbereitung, Koordination und Handlungsfähigkeit im Ernstfall. Auch er betonte: Regelmäßiges Üben schaffe Sicherheit.