Konjunkturumfrage Herbst 2026

Außenwirtschaftsbarometer Baden-Württemberg

Entwicklungen und Aussichten für Baden-Württemberg

Die Weltwirtschaft hat sich in diesem Jahr widerstandsfähiger gezeigt als angenommen, steht jedoch weiterhin unter Druck. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) wirken dabei gegenläufige Kräfte. Der Investitionsboom rund um Künstliche Intelligenz stützt Handel und Investitionen. Demgegenüber belasten höhere Energiepreise infolge des Krieges im Nahen Osten die globale Konjunktur. Im Herbstausblick prognostiziert der IWF für 2026 ein Wachstum der Weltwirtschaft von 3,1 Prozent nach 3,5 Prozent im Vorjahr. Zugleich werden als Abwärtsrisiken eine weitere Eskalation im Nahen Osten, die hohe Staatsverschuldung, zu hohe Erwartungen an Künstliche Intelligenz sowie neue Handelskonflikte genannt.
Während für den Euroraum 2026 ein Wachstum von 1,1 Prozent erwartet wird, haben sich die Aussichten für Deutschland zuletzt deutlich aufgehellt. Der IWF hob seine Prognose für die deutsche Wirtschaft auf 1,3 Prozent an. Zu demselben Ergebnis kommt auch die Bundesregierung in ihrer Herbstprojektion. Als Treiber gelten vor allem die Ausfuhren und die öffentlichen Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur. Verbraucher und Unternehmen dürften sich dagegen bei Konsum und Investitionen vorerst zurückhalten. Positive Signale zeigen sich auch in Baden-Württemberg. Nach drei Jahren rückläufiger Wirtschaftsleistung zeichnet sich eine Erholung ab. Im ersten Halbjahr 2026 lag das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) laut Statistischem Landesamt Baden-Württemberg um 1,4 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Wie die Südwestunternehmen ihre Situation und ihre Perspektiven im Herbst 2026 bewerten, zeigt die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage:
Geschäftslage: Im Vergleich zum Frühjahr haben sich die Bewertungen der derzeitigen wirtschaftlichen Situation leicht verbessert. 30 Prozent der befragten Unternehmen bezeichnen ihre Lage als gut, während rund 20 Prozent sie als schlecht einschätzen. Getragen wird die Aufhellung vor allem von der Industrie, die sich weiter erholt. Im Handel überwiegen trotz leichter Verbesserung die negativen Einschätzungen. Im Dienstleistungssektor wird die Lage weiterhin am besten bewertet.
Geschäftserwartungen: Für die kommenden zwölf Monate hat sich die Stimmung gegenüber der Vorumfrage verbessert. Rund 23 Prozent der Befragten rechnen mit besseren Geschäften, 21 Prozent mit schlechteren. Im Frühjahr hatte die Skepsis noch dominiert. Die größte Zuversicht zeigt die Industrie. Bei den Dienstleistern sind die Erwartungen inzwischen ausgeglichen, der Handel zeigt sich dagegen nach wie vor zurückhaltend.
Exporterwartungen: Deutlich optimistischer blicken die Unternehmen auf ihr internationales Geschäft. Im Frühjahr hielten sich beide Lager hier noch die Waage. Nun erwarten 29 Prozent der auslandsaktiven Firmen Zuwächse und 17 Prozent einen Rückgang. Damit fallen die Exporterwartungen spürbar positiver aus als die allgemeinen Geschäftserwartungen.

Bedeutung des Auslandsgeschäfts für Baden-Württemberg

Das Auslandsgeschäft ist eine tragende Säule der baden-württembergischen Wirtschaft. Von Januar bis August 2026 erwirtschafteten die Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes mit 50 und mehr Beschäftigten einen Gesamtumsatz von rund 280 Milliarden Euro. Davon entfielen 170,7 Milliarden Euro auf den Auslandsumsatz. Das entspricht einem Anteil von 61,0 Prozent. Rechnerisch werden damit drei von fünf Euro Umsatz im Ausland erzielt. Das internationale Geschäft ist für die Industrie des Landes weit mehr als ein Zusatzgeschäft. Es bildet einen wesentlichen Bestandteil ihrer wirtschaftlichen Basis.
Region Stuttgart an der Spitze
Die Region Stuttgart erreicht mit einem Auslandsanteil von 72,1 Prozent den höchsten Wert aller Regionen und liegt gut elf Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt. Der Spitzenwert verdeutlicht, wie stark die Region auf Absatzmärkte außerhalb Deutschlands ausgerichtet ist. Entsprechend prägt die Nachfrage aus dem Ausland die Situation der Unternehmen.
Branchen mit hohem Auslandsanteil
Besonders ausgeprägt ist die internationale Ausrichtung in den Schlüsselbranchen des Landes. Im Fahrzeugbau wurden 74,4 Prozent des Umsatzes im Ausland erzielt, im Maschinenbau 65,3 Prozent und in der Elektrotechnik 65,1 Prozent. Diese drei Branchen beschäftigten zwischen Januar und August durchschnittlich rund 660.000 Menschen. Allein dieses Branchentrio stellte knapp 60 Prozent der Belegschaften in den erfassten Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes. Die Verbindung aus vielen Arbeitsplätzen und hohem Auslandsanteil zeigt, welches Gewicht das Ausland als Absatzmarkt für die Wirtschaft in Baden-Württemberg hat.
Offene Märkte als Standortfaktor
Für viele Industrieunternehmen im Land sind internationale Absatzmärkte eine zentrale Geschäftsgrundlage. Offene Märkte und verlässliche Handelsbeziehungen sind deshalb für Wohlstand und Beschäftigung in Baden-Württemberg unverzichtbar.
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Exporterwartungen nach Branchen

Die Exportstimmung in der Südwestindustrie hat sich im Herbst deutlich verbessert. Laut der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage erwarten über alle Industriebranchen hinweg 36 Prozent der Betriebe in den kommenden zwölf Monaten steigende Ausfuhren, während nur noch 17 Prozent mit einem Rückgang rechnen. Im Frühjahr lag das Verhältnis noch bei 30 zu 25 Prozent. Die Industrieunternehmen beurteilen ihre Exportaussichten so positiv wie seit vier Jahren nicht mehr. Ein Blick in die Einzelbranchen zeigt, wie unterschiedlich stark dieser Optimismus ausfällt:
In der Elektroindustrie fallen die Auslandsperspektiven derzeit am positivsten aus. Rund 46 Prozent der Firmen gehen in den nächsten zwölf Monaten von steigenden Exporten aus, knapp zwölf Prozent von rückläufigen. Gegenüber dem Frühjahr hat die Zuversicht weiter zugenommen. Rückenwind erhält die Branche durch die fortschreitende Digitalisierung und den weltweiten Technologieschub. Ganz ungetrübt ist das Bild jedoch nicht. Geopolitische Spannungen bleiben das wichtigste Geschäftsrisiko (68 Prozent), zugleich rücken Standortkosten wie die Arbeitskosten stärker in den Fokus (61 nach 50 Prozent).
Auch im Maschinenbau hat sich die Stimmung kräftig aufgehellt. Inzwischen blicken 44 Prozent der Betriebe optimistisch auf ihre Ausfuhren, nur noch 16 Prozent sind skeptisch. Die Unsicherheit bleibt jedoch hoch. Internationale Konflikte gelten für 68 Prozent der Maschinenbauer als wesentliches Geschäftsrisiko.
Für die Chemie- und Pharmaindustrie haben sich die Exportaussichten ebenfalls verbessert. Der Anteil der Unternehmen mit negativen Erwartungen ist auf zehn Prozent gesunken, während knapp 40 Prozent weiterhin von einer positiven Entwicklung im Auslandsgeschäft ausgehen. Internationale Spannungen bereiten der Branche derzeit weniger Sorgen als noch im Frühjahr (48 nach 61 Prozent). Im Vordergrund stehen die Kosten. 65 Prozent der Befragten nennen die Rohstoffpreise und 61 Prozent die Energiepreise als Risiko für ihr Geschäft.
Anders entwickelt sich der Fahrzeugbau, dessen Ausfuhrerwartungen sich kaum verändert haben. Wie in der Vorumfrage setzt rund ein Drittel der Firmen auf wachsende Lieferungen ins Ausland, fast 30 Prozent stellen sich auf Einbußen ein. Als größte Belastung empfinden die Hersteller die anhaltenden globalen Konflikte. Sieben von zehn Betrieben sehen darin ein Risiko für ihre Geschäftsentwicklung. Deutlich häufiger als im Frühjahr werden zudem die Energiepreise genannt (62 nach 51 Prozent).
Die Metallindustrie erlebt einen Stimmungsumschwung. Im Frühjahr überwogen noch die Skeptiker, inzwischen ist das Verhältnis umgekehrt. Knapp 30 Prozent der Unternehmen erwarten mehr Exporte, nur noch 18 Prozent rechnen mit einem schrumpfenden Auslandsgeschäft. Die größte Befürchtung der Branche bleiben jedoch die Energiekosten, die 73 Prozent zu schaffen machen.

Exporterwartungen nach Weltregionen

Nordamerika ist die Region, auf die die baden-württembergischen Industrieunternehmen am zuversichtlichsten blicken. Nach dem Einbruch im vergangenen Jahr infolge der US-Zollpolitik hat sich die Stimmung seither schrittweise erholt. Rechneten im Frühjahr 2026 noch 29 Prozent der Betriebe mit steigenden und 25 Prozent mit sinkenden Exporten, sind es nun 37 zu 18 Prozent. Der Saldo klettert damit von vier auf 19 Punkte und erreicht wieder das Niveau von vor dem Zollschock. Auch für die Vereinigten Staaten fallen die Erwartungen deutlich günstiger aus. 38 Prozent der international tätigen Firmen erwarten in den nächsten zwölf Monaten ein wachsendes US-Geschäft, 21 Prozent ein rückläufiges. Der Saldo verbessert sich im Vergleich zur Vorumfrage von einem auf 17 Punkte. Trotz anspruchsvoller handelspolitischer Rahmenbedingungen unterstreicht dies die Bedeutung des US-Absatzmarktes für die Südwestindustrie.
Für Süd- und Mittelamerika zeigt sich dagegen wenig Bewegung. Optimisten und Pessimisten sind fast gleich stark vertreten. 18 Prozent der Unternehmen erwarten eine positive Ausfuhrentwicklung, nahezu ebenso viele (17 Prozent) einen Rückgang. Mit einem Punkt liegt der Saldo annähernd auf dem Niveau der Vorumfrage (drei Punkte). Mögliche Impulse aus den jüngsten Fortschritten beim EU-Mercosur-Abkommen spiegeln sich in den Erwartungen bislang nicht wider. Die Betriebe bewerten diese noch zurückhaltend.
Mit Blick auf die Eurozone haben sich die Ausfuhrperspektiven spürbar gebessert. Die befragten Firmen schauen deutlich optimistischer auf ihre Lieferungen in den Euroraum als noch im Frühjahr, als sich zuversichtliche und skeptische Einschätzungen mit 26 zu 23 Prozent fast ausgeglichen hatten. Inzwischen geht knapp jedes dritte Industrieunternehmen (32 Prozent) von höheren Exporten aus, während nur noch jedes sechste (17 Prozent) ein schwächeres Geschäft befürchtet. Der Saldo steigt damit von drei auf 15 Punkte. Angesichts wiederkehrender Handelskonflikte dürfte der europäische Binnenmarkt als sicherer Hafen wieder an Attraktivität gewonnen haben.
Asien fällt bei den Exportaussichten hinter Nordamerika und die Eurozone zurück. Im Herbst kalkulieren 30 Prozent der Industriebetriebe mit zunehmenden Exporten in die Region, 21 Prozent mit Einbußen. Der Saldo legt von vier auf gut acht Punkte zu. Das Zurückfallen geht also nicht auf nachlassende Zuversicht zurück, sondern auf den fehlenden Schwung. Für China trübt sich das Bild hingegen ein. Der Anteil der Firmen mit negativen Erwartungen ist gegenüber dem Frühjahr auf 32 Prozent gestiegen, während nur noch jedes fünfte Unternehmen (20 Prozent) mit einem Plus im China-Geschäft rechnet. Der Saldo rutscht von minus zwei auf minus zwölf Punkte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Betriebe ihre Perspektiven in China derzeit kritischer bewerten als in anderen Märkten.

Außenhandelsstatistik BW: Plus im Export und Import

Der baden-württembergische Außenhandel legte in den ersten acht Monaten 2026 zu, blieb aber hinter der bundesweiten Entwicklung zurück. Laut dem Statistischen Landesamt stiegen die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent auf 166,8 Milliarden Euro. Deutschlandweit wuchsen die Exporte um 4,6 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei den Einfuhren. Die Südwestimporte erhöhten sich um 3,6 Prozent auf 150,1 Milliarden Euro, in ganz Deutschland um 4,5 Prozent.
Größter Abnehmer waren weiterhin die Vereinigten Staaten. Von Januar bis August gingen Waren im Wert von 21,3 Milliarden Euro in die USA. Das waren 2,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ein deutlich kräftigeres Wachstum verzeichneten die Lieferungen in die Schweiz (plus 10,4 Prozent) und in das Vereinigte Königreich (plus 23,6 Prozent). Treiber waren in beiden Fällen vor allem Metalle, deren Zuwachs auf höhere Preise zurückgehen dürfte. Spürbar schwächer lief das Exportgeschäft mit China. Die Ausfuhren dorthin sanken um rund 16 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro.

Methodische Erläuterungen

IHK-Konjunkturberichte: Die Industrie- und Handelskammern in Baden-Württemberg befragen dreimal jährlich eine repräsentative Auswahl ihrer Mitgliedsunternehmen zu ihrer aktuellen Lage und ihren Erwartungen. Das Außenwirtschaftsbarometer beruht auf der Konjunkturumfrage von September bis Oktober 2026. Daran haben sich 3.255 Unternehmen aus allen Branchen, Größenklassen und Landesteilen Baden-Württembergs beteiligt, darunter 1.098 Industrieunternehmen.
IHK-Konjunkturindikatoren: Die Indikatoren werden als Saldo aus positiven und negativen Antworten berechnet und können Werte zwischen minus 100 und plus 100 Punkten annehmen. Der Saldo zeigt, ob zuversichtliche oder kritische Einschätzungen überwiegen und wie deutlich.
Amtliche Statistik: Ergänzend zur IHK-Konjunkturumfrage fließen Daten des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg ein. Der Abschnitt „Bedeutung des Auslandsgeschäfts für Baden-Württemberg“ stützt sich auf den Monatsbericht für Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes sowie des Bergbaus und der Gewinnung von Steinen und Erden. Erfasst sind dort Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten. Die Branchenergebnisse beziehen sich auf das Verarbeitende Gewerbe ohne Bergbau, die Regionalergebnisse schließen den Bergbau ein. Die Angaben im Abschnitt „Außenhandelsstatistik“ stammen aus der amtlichen Außenhandelsstatistik des Statistischen Landesamts. Die Daten wurden im Oktober 2026 abgerufen.