Sonderauswertung: IHK-Konjunkturumfrage Jahresbeginn 2026

Auslandsinvestitionen der Südwestbetriebe

Welche Investitionspläne verfolgen die Südwestunternehmen und welche Ziele stehen hinter ihrem Engagement im Ausland? Die Ergebnisse der IHK‑Konjunkturumfrage liefern neue Einblicke in die internationale Ausrichtung der Betriebe und zeigen, wie sie ihre Strategien und Budgets im globalen Umfeld ausrichten.

Budgetpläne bleiben weitgehend unverändert

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Die Auslandsinvestitionen der baden‑württembergischen Industrieunternehmen dürften 2026 weitgehend stabil bleiben. Laut IHK‑Konjunkturumfrage engagiert sich rund ein Drittel der Betriebe (33,6 Prozent) im Ausland – nahezu identisch mit dem Vorjahreswert von 33,9 Prozent. Auch die Budgetpläne zeichnen ein ähnliches Bild: 33,5 Prozent der international aktiven Firmen planen höhere Ausgaben im Ausland, während etwa 13 Prozent Kürzungen vorsehen. Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass die Industrie ihren bisherigen Kurs fortsetzt – ohne größeren Investitionsschub, aber ebenso ohne spürbaren Rückgang.

Kosteneffizienz als treibendes Investitionsmotiv

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Stand im vergangenen Jahr noch der Ausbau von Vertrieb und Kundendienst im Mittelpunkt, rückt nun deutlich stärker die Kosteneffizienz in den Fokus. Für 39 Prozent der Betriebe ist die Senkung von Produktionskosten inzwischen das wichtigste Motiv für Auslandsinvestitionen. Dennoch bleibt die Kundennähe ein zentraler Faktor. Für 28 Prozent der international aktiven Industrieunternehmen ist sie gemeinsam mit dem Aus- und Aufbau von Vertriebsstrukturen weiterhin das zweitwichtigste Investitionsmotiv. Rund 27 Prozent der Firmen investieren zudem vorrangig, um neue Märkte zu erschließen. Etwa sieben Prozent nennen die Bewältigung oder Umgehung von Handelsbarrieren als Hauptgrund für ihr Engagement im Ausland.

Asien als attraktivstes Investitionsziel

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In Asien dürften die Investitionsaktivitäten im Jahr 2026 weiter an Fahrt gewinnen. 46 Prozent der international tätigen Unternehmen planen, ihre Budgets in der Region auszuweiten, während lediglich drei Prozent eine Reduzierung in Betracht ziehen. Damit stellt Asien das attraktivste Investitionsziel für die Südwestbetriebe dar. Die Beweggründe für das verstärkte Engagement sind vielfältig: 33 Prozent der Firmen setzen auf die Erschließung neuer Märkte, 31 Prozent wollen Kostenvorteile erzielen, und 30 Prozent investieren vor allem in Vertrieb und Kundendienst.
Ganz anders sieht es für China aus. Hier fällt die Investitionsdynamik deutlich gedämpfter aus. Nachdem im vergangenen Jahr noch 32 Prozent der Betriebe ihre Ausgaben erhöht hatten, sind es aktuell nur noch 24 Prozent. Gleichzeitig nahm der Anteil der Unternehmen leicht zu, die ihre Budgets zurückfahren wollen: 17 Prozent planen eine Kürzung, nach 15 Prozent im Vorjahr. Bei den Gründen für ein Engagement dominieren mit 37 Prozent der Nennungen der Vertrieb und Kundendienst.
Auch für Nordamerika haben die Südwestunternehmen ihre Budgetpläne spürbar angepasst. Während im Vorjahr noch 51 Prozent eine Ausweitung ihrer Investitionen vorsahen, liegt dieser Anteil nun bei 40 Prozent. Von einem Rückzug kann jedoch keine Rede sein: Nur neun Prozent der Firmen wollen ihre Ausgaben senken. Die Region bleibt attraktiv, vor allem wegen der Erschließung neuer Märkte, die 43 Prozent der Unternehmen als wichtigstes Motiv nennen.
In den Vereinigten Staaten zeigt sich ein ähnliches Bild. Der Anteil der Industrieunternehmen, die höhere Investitionen planen, sinkt von rund 50 auf 38 Prozent. Gleichzeitig beabsichtigen nur rund neun Prozent, ihre Budgets zu verringern. Wie schon für Nordamerika insgesamt deutet dies nicht auf einen Abbau der Aktivitäten hin. Die Erschließung neuer Märkte bleibt mit rund 38 Prozent das wichtigste Motiv. Bemerkenswert ist zudem, dass 26 Prozent der Betriebe aufgrund bestehender Handelshemmnisse investieren. Das USA-Geschäft hat für die Südwestindustrie demnach weiterhin eine große Bedeutung und die Unternehmen reagieren aktiv auf zusätzliche regulatorische Herausforderungen.
Für Süd- und Mittelamerika zeichnet sich eine leichte Belebung der Auslandsinvestitionen ab. Rund 30 Prozent der befragten Firmen möchten ihre Budgets erhöhen, während elf Prozent eine Kürzung erwägen. Damit überwiegt deutlich die Gruppe, die trotz bestehender Herausforderungen auf Wachstum setzt. Der bedeutendste Investitionstreiber ist der Ausbau von Vertrieb und Kundendienst, den 43 Prozent der Unternehmen als Hauptmotiv nennen.
In der Eurozone halten sich expansive und restriktive Budgetpläne nahezu die Waage: 24 Prozent der Industrieunternehmen erwägen eine Verringerung, 22 Prozent hingegen eine Ausweitung ihrer Investitionen. Da bereits im Vorjahr ähnliche Werte beobachtet wurden, ist kurzfristig keine wesentliche Veränderung der Investitionsdynamik zu erwarten. Bei den Beweggründen ergibt sich jedoch ein klares Bild: Für 51 Prozent der Betriebe steht die Kostenersparnis im Vordergrund.
In den übrigen EU‑Ländern sowie in der Schweiz und Norwegen fällt die Investitionsbereitschaft etwas verhaltener aus als in der Eurozone. Rund zwölf Prozent der Firmen möchten ihre Budgets erhöhen, während 15 Prozent eine Reduzierung planen. Knapp die Hälfte (49 Prozent) setzt primär auf Investitionen in Vertrieb und Kundendienst.
In der Region Afrika sowie im Nahen und Mittleren Osten zeigt der Investitionsindikator weiter nach oben. Etwa genauso viele Unternehmen wie im Vorjahr wollen ihre Ausgaben steigern (32 Prozent) und nur fünf Prozent planen einen Rückgang (2025: neun Prozent). Der Schwerpunkt liegt deutlich auf Vertrieb und Kundendienst, die 46 Prozent der Betriebe als Hauptmotiv angeben.

Methodische Erläuterungen

Die Sonderauswertung zu den Auslandsinvestitionen stützt sich auf die IHK‑Konjunkturumfrage, die im Zeitraum von Dezember 2025 bis Januar 2026 durchgeführt wurde. Die Ergebnisse beziehen sich ausschließlich auf die baden‑württembergischen Industrieunternehmen (ohne Baugewerbe). An der Zusatzbefragung nahmen insgesamt 1.288 Industriebetriebe teil, von denen 284 detaillierte Angaben zu ihren Auslandsinvestitionen gemacht haben.