Konjunkturumfrage Herbst 2023

Außenwirtschaftsbarometer

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Entwicklungen und Aussichten für Baden-Württemberg

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Die Abkühlung der Weltwirtschaft trifft den Südwesten hart: Die Exporterwartungen sinken ins Negative.
Die Weltwirtschaft ist gelähmt. Die Ereignisse der letzten Jahre sind dafür mitverantwortlich. So führt die COVID-19-Pandemie zu erheblichen Versorgungsengpässen, die eine Inflationsspirale in Gang setzten. Steigende Rohstoff- und Energiepreise als Folge des Krieges zwischen Russland und der Ukraine verschärften die Inflation weiter. Unternehmen und Verbraucher waren mit erheblichen Preissteigerungen konfrontiert, die auf beiden Seiten zu großer Kostenbelastungen führten. Als Reaktion auf die hohen Preise verfolgten die Zentralbanken eine straffe Geldpolitik, um den Preisanstieg zu dämpfen. Das Ziel: eine Inflationsrate von zwei Prozent. Diese Maßnahmen haben jedoch auch Auswirkungen auf die ökonomische Entwicklung, da das Wirtschaftswachstum dadurch gebremst wird.
Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die weltweite Wirtschaftsleistung nur noch geringfügig zunehmen. Das globale Wirtschaftswachstum wird voraussichtlich unter dem bisherigen Durchschnittswert von 3,8 Prozent bleiben. Die jüngste Prognose geht für die Industrieländer von einer Wachstumsrate von 1,5 Prozent im Jahr 2023 aus. Für die Schwellen- und Entwicklungsländer wird ein Wachstum von vier Prozent erwartet.
Für Deutschland als exportstarke Volkswirtschaft bedeutet eine gedämpfte Weltkonjunktur einen Rückgang der internationalen Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen. Die Bundesrepublik hat im Zeitraum von Januar bis August dieses Jahres Waren im Wert von 1.046 Milliarden Euro ausgeführt. Das ist ein Zuwachs von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Zuwachsniveau ist jedoch im Jahresverlauf kontinuierlich gesunken. Nach Meldungen des Statistischen Bundesamtes schrumpfte das preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal 2023 gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent.
Auch Baden-Württemberg ist von der Abkühlung der Weltwirtschaft betroffen. Die Wirtschaftsleistung sank das dritte Quartal in Folge. Geht das Bruttoinlandsprodukt in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen zurück, wird von einer Rezession gesprochen. Der Südwesten befindet sich damit mitten im konjunkturellen Abschwung.
Geschäftslage: Trotz der rückläufigen Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts zeigen die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage, dass die Hälfte der Unternehmen in Baden-Württemberg die aktuelle Geschäftslage als befriedigend bewertet. Jeder dritte Betrieb bezeichnet die Geschäftslage als gut, während 17 Prozent die aktuelle Situation als schlecht einstufen. Daraus ergibt sich ein Saldo von rund 16 Prozentpunkten. Bei der letzten Umfrage war der Saldo allerdings fast doppelt so hoch.
Geschäftserwartungen: Im Gegensatz zur Beurteilung der Geschäftslage sind die Geschäftserwartungen der Südwestunternehmen für die kommenden zwölf Monate nicht so optimistisch. Die negativen Erwartungen an die künftige Geschäftslage überwiegen die positiven. Der Indikator rutschte von rund drei Punkten im Frühjahr auf minus 17 Punkte ab.
Exporterwartungen: Per Saldo liegen die Exporterwartungen für den Herbst bei rund minus neun Punkten. Ein Anteil von 21 Prozent der befragten Betriebe erwartet, dass die Exporte in der kommenden Periode steigen werden, während 30 Prozent das Gegenteil annehmen. Fast die Hälfte der Firmen (49 Prozent) ist der Meinung, dass die Exporte gleich bleiben werden.
Fazit: Im Vergleich zur letzten IHK-Konjunkturumfrage wird die aktuelle Geschäftslage in Baden-Württemberg schlechter, aber weitgehend befriedigend bewertet. Allerdings haben sich die Erwartungen an die künftige Geschäftsentwicklung im In- und Ausland deutlich eingetrübt. Auch die Exporterwartungen sind gesunken und per Saldo in den negativen Wertebereich gefallen. Die derzeitigen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen üben einen erheblichen Druck auf die Geschäftsaktivitäten aus. Die Südwestregion ist dabei stärker betroffen als Deutschland insgesamt.

Erwartungen der exportierenden Südwestindustrie

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Die Wirtschaftsindikatoren haben sich weiterhin deutlich verschlechtert. Die Exportumsätze sind seit dem Frühsommer 2021 wieder im negativen Bereich.
Der Außenhandel hat für die Industrieunternehmen in Baden-Württemberg traditionell einen hohen Stellenwert. So werden rund 60 Prozent des Umsatzes im Ausland erwirtschaftet. Der IHK-Konjunkturumfrage zur Folge sind 82 Prozent der befragten Betriebe im Export tätig.
Das Auslandsgeschäft der Südwestindustrie entwickelt sich rückläufig. Die Gründe dafür sind die schwächelnde Weltkonjunktur, eine weiterhin restriktive Geldpolitik und die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Rohstoff- und Energieproblematik in Deutschland. Entsprechend hat die Mehrheit der befragten Unternehmen negative Erwartungen für ihre Exportentwicklung. Laut aktueller Konjunkturumfrage der IHK sehen rund 41 Prozent der Industrieunternehmen in Baden-Württemberg die ausbleibende Auslandsnachfrage als Geschäftsrisiko.
Der Exportumsatz ist unverändert rückläufig. Der Saldo aus positiven und negativen Unternehmensantworten sank um 21 Punkte auf ein Minus von 3,5 Punkten und liegt damit erneut im negativen Bereich. Das letzte Mal, dass der Saldo der Auslandsumsätze einen negativen Wert erreichte, war während der Corona-Krise.
Die Auftragseingänge aus dem Ausland sind seit dem Frühsommer noch stärker in den negativen Bereich gerutscht. Der Einbruch der internationalen Nachfrage führte zu einem Rückgang des Saldos auf minus 36 Punkte.
Auch die Exporterwartungen der Industrie haben sich deutlich verschlechtert. Der Saldo sank um 27 Punkte auf minus 15,5 Punkte und erreicht damit fast das Niveau vom letzten Herbst.

Erwartungen der exportierenden Südwestindustrie: Blick in die Teilbranchen

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Positive Exporterwartungen haben im Branchenvergleich nur die Pharma- und Automobilindustrie.
Im Vergleich zum Frühsommer haben sich die Exporterwartungen der Industrie für alle Produktionsgüter deutlich verschlechtert. Insgesamt ist der Saldo um rund 27 Punkte auf minus 15,5 Punkte gesunken. Die Hersteller von Vorleistungsgütern haben dabei die schlechtesten Exporterwartungen. In der letzten Umfrage war der Wert bereits leicht negativ (minus 0,6 Punkte). Dieser hat sich nun weiter auf minus 28 Punkte verschlechtert. Die Exporterwartungen für Gebrauchs- und Verbrauchsgüter sowie für Investitionsgüter sind vom positiven in den negativen Bereich gefallen. Der Saldo für Verbrauchs- und Gebrauchsgüter liegt bei minus 20 Punkten. Bei den Investitionsgütern gab es einen Rückgang um 30 Punkte, was einem Saldenwert von minus drei Punkten entspricht.
Bei näherer Betrachtung der einzelnen Branchen fallen zwei Ausnahmen auf: die Pharmaindustrie und der Fahrzeugbau. Die Unternehmen der pharmazeutischen Industrie haben keine negativen Exporterwartungen. Im Vergleich zum Frühsommer ist der Saldo sogar um 21 Punkte angestiegen. Mit einem Saldenwert von 34 Punkten schätzt die Pharmaindustrie auch die Auftragslage aus dem Ausland deutlich besser ein als der Durchschnitt aller Branchen (hier liegt der Saldo bei minus 36 Punkten). Die Pharmaindustrie zeigt sich damit im Vergleich zu anderen Branchen weniger anfällig für konjunkturelle Schwankungen.
In der Automobilindustrie sind die Exporterwartungen mit einem Saldo von drei Punkten leicht positiv. Dies liegt an einer nahezu ausgeglichenen Verteilung der positiven und negativen Rückmeldungen. Offenbar sind die Fahrzeughersteller in Bezug auf ihre Exportaussichten geteilter Meinung. Trotz der gemischten Stimmung berichten die meisten Unternehmen (62 Prozent) aus dem Fahrzeugbau von einem Anstieg der Auslandsumsätze im Vergleich zum Vorjahresquartal. Bei den Auftragseingängen aus dem Ausland schätzen nur drei Prozent der Betriebe die aktuelle Entwicklung als steigend ein.

Erwartungen der exportierenden Südwestindustrie nach Weltregionen

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Allein für Nordamerika erwarten die Südwestunternehmen positive Exportentwicklungen.
Die Weltwirtschaft zeigt Abschwächungstendenzen, die sich in einer sinkenden Auslandsnachfrage niederschlagen. Diese Entwicklung spiegelt sich in der Stimmung der baden-württembergischen Exportunternehmen wider und führt zu negativen Exporterwartungen mit einem Saldo von minus 15,5 Punkten. Die Aufteilung nach Weltregionen zeigt ein ähnliches Bild wie im vergangenen Herbst. Die Exporterwartungen sind für fast alle Regionen negativ. Lediglich für Nordamerika wird in den kommenden Monaten ein Anstieg der Exporte erwartet.
Nordamerika bleibt die Region mit dem größten Potential für die Unternehmen im Südwesten, wenngleich die Zuversicht in eine zukünftige Steigerung der Exporte per Saldo von 25 auf 11 Punkte abgenommen hat. Dies ist vor allem auf die positive Entwicklung in den Vereinigten Staaten zurückzuführen. Trotz der Herausforderungen durch eine hohe Inflationsrate und die daraus resultierende straffere Geldpolitik erweist sich der US-Markt in diesem Jahr als widerstandsfähig. Ein Grund für diese Resilienz sind die umfangreichen Infrastrukturprogramme sowie Investitions- und Subventionsmaßnahmen, die die US-Regierung in diesem Jahr zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes initiiert hat.
Mit Blick auf Asien hat sich die positive Stimmung für die Exportwirtschaft abgekühlt. Der Saldo der Exporterwartungen liegt bei minus 10,5 Punkten. Die Konjunkturaussichten in China prägen die Erwartungen für die Region entscheidend mit. Die chinesische Wirtschaft war zum Zeitpunkt der Befragung durch eine schwache Binnennachfrage und Probleme im Wohnungsbau belastet.
In der Eurozone trägt der Kampf gegen die Inflation erste Früchte. Nach Schätzungen des europäischen Statistikamtes Eurostat lag die Inflationsrate im September bei 2,9 Prozent. Allerdings führen die Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung auch zu einer Verlangsamung der wirtschaftlichen Entwicklung. Die Wirtschaft in der Eurozone hat in der ersten Jahreshälfte eine Stagnation erfahren und dürfte im Vergleich zum Vorjahr weiterhin schwach bleiben. Dies wirkt sich auf die europäische Binnennachfrage nach deutschen Erzeugnissen aus. Per Saldo bewerten die Unternehmen die Exportaussichten für die EU und EFTA mit minus 19,6 Punkten. Dies entspricht einem Rückgang von rund 24 Saldenpunkten.
Die Handelserwartungen für Russland und das übrige Europa sind seit dem Tiefpunkt im Frühsommer 2022 stetig gestiegen. Dennoch ist die Zahl der Unternehmen, die in diese Region exportieren, deutlich zurückgegangen. Nur 13 Prozent der befragten Unternehmen aus dem Südwesten geben an, dass sie derzeit in diese Region exportieren. Mit einem Saldo von minus 36,2 Punkten bleibt die Einstellung der Unternehmen zu den Exportaussichten pessimistisch.

Erwartungen der exportierenden Südwestwirtschaft nach Branchen

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Die Erwartungen an das Auslandsgeschäft haben sich branchenübergreifend verschlechtert. Einzig der Dienstleistungssektor bleibt optimistisch.
Die Abschwächung der Weltwirtschaft wirkt sich in allen Sektoren negativ auf die internationale Wirtschaftstätigkeit aus. Die Erwartungen für das Auslandsgeschäft verschlechtern sich dabei auf breiter Front.
Insbesondere der Kostendruck durch hohe Energie- und Rohstoffpreise wird von den baden-württembergischen Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Handel, Transport und Verkehr als eines der größten Risiken gesehen. Diese Branchen sind eng miteinander verflochten und stark von Energie abhängig, entsprechend pessimistisch sind die Prognosen für das Auslandsgeschäft. Die Exporterwartungen für die Industrie sowie für die Bereiche Transport und Verkehr liegen mit rund minus 16 Punkten auf einem ähnlichen Niveau. Der Saldo der Exporterwartungen bei den Großhändlern und Handelsvermittlern liegt mit rund minus 10 Punkten ebenfalls im negativen Bereich.
Die grenzüberschreitenden Dienstleister blicken in der aktuellen Wirtschaftslage optimistischer in die Zukunft. Per Saldo sind die Erwartungen für das Auslandsgeschäft von 13 Punkten in der letzten Umfrage auf etwa drei Punkte gesunken. Die Mehrheit (61 Prozent) der befragten Unternehmen geht aber davon aus, dass der Umsatz aus dem Auslandsgeschäft in naher Zukunft stabil bleiben wird. Die Dienstleister sehen dabei den Mangel an qualifizierten Fachkräften als großes Hemmnis für ihre Geschäftsentwicklung.

Außenhandelsstatistik BW: Handelsvolumen schrumpft

Statistisches Landesamt: Das Auslandsgeschäft im Südwesten ist gegenüber dem Vorjahr und gegenüber Deutschland insgesamt rückläufig. Das Handelsvolumen Baden-Württembergs ist geschrumpft. Sowohl die Exporte als auch die Importe sind im Zeitraum von Januar bis August gesunken. Die Einfuhren gingen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 11 Prozent auf 156 Milliarden Euro zurück. Die Exporte sanken um 2,8 Prozent und beliefen sich auf 167 Milliarden Euro.
Hauptabnehmer der Exporte aus dem Südwesten sind und bleiben die Vereinigten Staaten. Trotz geringerer Zuwächse als im Vorjahr exportierten baden-württembergische Unternehmen Waren im Wert von 24,5 Milliarden Euro in die USA. Der Exportmarkt China verzeichnete ebenfalls einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, liegt aber in der Länderrangliste an zweiter Stelle. Der drittgrößte Abnehmer baden-württembergischer Erzeugnisse unter den Ländern ist Frankreich. Die Exporte stiegen hier um 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Trotz einer gedämpften Weltwirtschaft kann das Nachbarland ein Wachstum verzeichnen.
Wichtigstes Lieferland für Baden-Württemberg ist China. Allerdings sind die Importe aus der Volksrepublik im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Gestiegen sind dagegen die Einfuhren aus den USA.

Methodische Erläuterungen

IHK-Konjunkturberichte: Die IHKs in Baden-Württemberg befragen dreimal jährlich eine repräsentative Auswahl ihrer Mitgliedsunternehmen zur Wirtschaftslage und ihren Erwartungen. Dieses Außenwirtschaftsbarometer basiert auf der Konjunkturumfrage vom September/ Oktober 2023, an der sich 3.350 Südwestunternehmen aus allen Branchen, Größenklassen und Landesteilen beteiligt haben.
IHK-Konjunkturindikatoren: Sie werden als Salden der positiven und negativen Antworten ermittelt und können zwischen minus und plus 100 Punkten liegen. Die Differenz zeigt, inwieweit zuversichtliche oder kritische Prognosen überwiegen.
Regionsdefinitionen im Fragebogen:
  • Eurozone: Frankreich, Niederlande, Italien, Irland, Griechenland, Portugal, Spanien, Finnland, Österreich, Belgien, Litauen, Luxemburg, Malta, Estland, Lettland, Slowakei, Slowenien, Zypern
  • Sonstige EU (sonstige Europäische Union, Norwegen, Schweiz …): Dänemark, Schweden, Polen, Tschechische Republik, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Island, Norwegen, Liechtenstein, Schweiz
  • UK: Vereinigtes Königreich (England, Nordirland, Schottland, Wales)
  • Nordamerika: USA und Kanada
  • S/M-Amerika: Süd- und Mittelamerika
  • Russland und übriges Europa: Russland, Ukraine, Belarus, Republik Moldau, Türkei, Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Serbien
  • Afrika, Nah- und Mittelost: Afrika, Kuwait, Bahrain, Oman, Katar, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Jemen, Israel, Palästina, Jordanien, Libanon, Syrien, Iran und Irak

Broschüre als PDF-Download und Archiv

Das Außenwirtschaftsbarometer Baden-Württemberg fasst dreimal im Jahr die wichtigsten außenwirtschaftlichen Erkenntnisse aus der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage und der Außenwirtschaftsstatistik des Landes für Sie kompakt zusammen. Die Veröffentlichung erfolgt online, in gedruckter Form und als PDF-Download.