Veröffentlichung Oktober 2023

Ausbildungsreport der IHK-Bezirkskammer Göppingen

Der Trend geht nach oben.
Der Fachkräftemangel zählt für viele Unternehmen im Landkreis Göppingen zu den größten Risikofaktoren im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung. Da der Arbeitsmarkt kaum noch Fachkräfte zur Verfügung stellt, müssen die Betriebe die duale Berufsausbildung forcieren, um sich ihre zukünftigen Fachkräfte zu sichern.
Vor diesem Hintergrund ist ein Blick auf die Entwicklungen des Ausbildungsmarktes im Landkreis Göppingen spannend. Erwartbar wäre eine kontinuierliche Steigerung der Ausbildungszahlen in den vergangenen Jahren. Dies ist allerdings nicht der Fall. So wurden die die Vor-Corona-Ausbildungszahlen mit 928 Neuen Verträgen 2018 im Jahr 2022 mit 736 neuen Ausbildungsverträgen deutlich verfehlt. Allerdings stiegen die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge immerhin wieder vom Tiefpunkt 2020 mit lediglich 670 ausgehend. Und auch für 2023 zeichnet sich wieder ein leichtes Plus bei den Vertragszahlen ab. Problematisch ist hingegen die Entwicklung bei den aktiven Ausbildungsbetrieben, also den Unternehmen, die mindestens ein aktives Ausbildungsvertragsverhältnis aufweisen. Hier nahm die Zahl von 647 im Jahr 2010 bis auf 497 im Jahr 2022 und damit um 23 Prozent ab.

„Wir dürfen gespannt sein, wie sich das neue Ausbildungsjahr entwickelt. Fakt ist, die duale Ausbildung hat ein Imageproblem. Immer weniger Eltern halten diese mit Blick auf die berufliche Karriere ihrer Kinder für den Königsweg. Und auch für die Jugendlichen ist eine Ausbildung aktuell nicht cool“, kommentiert Edith Strassacker, Präsidentin der IHK-Bezirkskammer Göppingen, die Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt. Um dieser Entwicklung gegenzusteuern, wurde unter anderem von der Landesregierung das Programm „Ausbildungsbotschafter“ verlängert und unter der Obhut der DIHK zudem in eine Bundeskampagne zur dualen Ausbildung ausgerollt.


Die Ausbildungslandschaft im Landkreis Göppingen 2022


Bei den IHK-Berufen dominieren traditionell die kaufmännischen Branchen mit rund zwei Dritteln aller Ausbildungsverträge. Den prozentual größten Anteil mit 30 Prozent macht dabei der Handel aus, Mit gerade einmal 15 Prozent folgen die Kaufleute für Büromanagement. Sie liegen damit noch vor den Industriekaufleuten (13 Prozent) und den Logistikberufen (zehn Prozent). Die Hotel- und Gaststättenberufe spielen mit sieben Prozent keine große Rolle im Landkreis Göppingen. Gleiches gilt für die Bankkaufleute mit lediglich fünf Prozent. Diese Verhältnisse spiegeln sich auch bei den Ausbildungsverhältnissen pro Beruf wider. Hier stehen seit Jahren die Kaufleute im Einzelhandel auf Platz eins. Auf Platz zwei folgten 2022 die Industriekaufleute. Der Industriemechaniker, als stärkster gewerblicher Ausbildungsberuf 2022 findet sich nur auf Platz sechs wieder. In den Jahren 2017 bis 2019 lag dieser Beruf noch auf dem dritten Rang. 

Beim Blick auf die beliebtesten Berufe bei den jungen Frauen und Männern, überrascht es nicht, dass 2022 die Kauffrau für Büromanagement beim weiblichen Geschlecht der Top-Beruf war. Allerdings machen die Frauen über die letzten fünf Jahre gesehen am häufigsten eine Ausbildung als Kauffrau im Einzelhandel (44), gefolgt von den Industriekauffrauen (39) und den Verkäuferinnen (38). 
 
Bei den jungen Männern war 2022 die Fachkraft für Lagerlogistik der Renner. Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre hingegen steht der Industriemechaniker (54) vor der Fachkraft für Lagerlogistik (40) und dem Kaufmann im Einzelhandel (38).


Entwicklung der Schulabgängerzahlen im Landkreis Göppingen


„Von Nichts kommt Nichts“. Dieser Spruch gilt vor allem mit Blick auf die Entwicklung bei den Schulabgängerzahlen. Diese sind im Landkreis Göppingen seit zehn Jahren stark rückläufig. Waren es 2010 noch 2.975, so waren es 2021 nur noch 2.329 Schülerinnen und Schüler, die dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung standen. 

Die Schulabgänger mit Hauptschulabschluss gingen von 2010 bis 2021 von 728 auf nur mehr 419 zurück, ein Rückgang um satte 42 Prozent. Bei den Realschülern wurde 2014 mit 1531 Abgängerinnen und Abgängern der Peak erreicht. 2021 waren es nur noch 1.174 und damit 23 Prozent weniger.

Auch bei den Schulabgängern mit Hochschulreife ist ein Rückgang zu verzeichnen. Waren es 2010 noch 744 junge Menschen, die die Schule mit dem Abitur verließen, waren es 2021 nur noch 601 und damit 19 Prozent weniger. 

Insgesamt ist der Anteil der Hauptschüler von 26 Prozent 2010 auf 19 Prozent 2021 zurückgegangen, während de Anteil der Realschüler von 48 auf 54 Prozent und der der Schulabgänger mit Hochschulreife von 26 auf 27 Prozent gestiegen ist.


Schulabschlüsse der Auszubildenden


Der hohe Rückgang der Schulabgänger mit Hauptschulabschluss spiegelt sich auch in den IHK-Berufen wider. Hatten 2010 noch 31 Prozent der Ausbildungsstarter einen Hauptschulabschluss waren es 2022 nur noch 17 Prozent. Dieser Rückgang ist allerdings nicht nur dem Rückgang bei den Schulabgängerzahlen geschuldet. Er ist auch in den steigenden Anforderungen der einzelnen Berufsbilder begründet.

Den größten Anteil mit durchschnittlich 50 Prozent in den IHK-Berufen machen die Realschulabgänger aus. Hier schwankt der Anteil über die Jahre mit einem Maximum von 54 Prozent 2013 und 2014 zu einem Minimum von 47 Prozent 2019.

Rund ein Drittel der Berufsanfänger in IHK-Berufen im Landkreis Göppingen hat inzwischen eine Hochschulreife. Damit hat sich der Wert seit 2011 fast verdoppelt. Er liegt auch höher als der prozentuale Anteil der Schulabgänger insgesamt. Auch das hängt wiederum mit den gestiegenen Anforderungen in den Ausbildungsberufen ab. Während für die Schulabgänger mit Hauptschulabschluss die Anforderungen immer mehr zum Hindernis werden, nimmt die Attraktivität für Abiturienten eher zu.
 
In den gewerblich IHK-Berufen ist der Anteil der Schulabgänger mit Realschulabschluss mit durchschnittlich rund 57 Prozent am höchsten. In den kaufmännischen Berufen liegt der Wert hier über die Jahre zwischen 41 und 48 Prozent. Dafür liegt der Anteil der Schulabgänger mit Hauptschulabschluss bei den kaufmännischen über die vergangenen zehn Jahre hinweg deutlich über dem der gewerblichen Berufen. Schüler mit Hauptschulabschluss finden überwiegend in den Logistikberufen sowie im Einzelhandel eine Ausbildungsstelle. Bei den Auszubildenden mit Abitur haben tendenziell die kaufmännischen Berufe mit durchschnittlich drei Prozent mehr leicht die Nase vorne. 

Der vollständige Report steht Ihnen als Download zur Verfügung.