IHK-MAGAZIN
Nr. 7007634
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Tönning: Bast

Der Verkehr muss fließen

Tim Bast führt in dritter Generation den Lebensmittelgroßhandel Bast in Tönning. Zu seinen Kunden gehören überwiegend regionale Betriebe aus der Gastronomie und Hotellerie. Zudem beliefern sie den sozialen Sektor, darunter etwa Senioreneinrichtungen oder Schulen.
Portrait von Tim Bast
Wenn über die Eiderbrücke gesprochen wird, geht es für uns hier an der Westküste um eine Lebensader. Täglich rollen mehr als 11.000 Fahrzeuge über die Brücke – im Sommer einige tausend mehr. Dithmarscher und Nordfriesen nutzen sie, weil sie auf der anderen Seite der Eider arbeiten, einkaufen oder im Verein aktiv sind. Mit unserem Lebensmittelgroßhandel Bast in Tönning beliefern meine Familie und ich mit unserem Team von 50 Mitarbeitenden über die Eiderbrücke unsere Kunden aus der Gastronomie und Hotellerie im Süden Schleswig-Holsteins. Lkws rollen darüber, um uns und andere umliegende Betriebe mit Waren zu beliefern. Die Eiderbrücke bringt uns zusammen.
Jeder Ausfall bedeutet für unseren Betrieb Chaos: Fahrer verlieren wertvolle Zeit an Bahn- oder Schleusenübergängen im Stau, quälen sich über schmale, hoch frequentierte Ausweichstrecken, Lieferungen kommen verspätet, Kundschaft bleibt aus – nicht aus Desinteresse, sondern weil die Anfahrt zur Geduldsprobe wird. Und wenn sie ersteinmal daran gewöhnt sind, woanders einkaufen zu gehen, einen anderen Sportverein zu besuchen oder sich eine andere Arbeitsstelle gesucht haben, werden wir Betriebe sie nur schwer wieder zurückgewinnen können. Denn wir sind nicht allein: Viele Unternehmen berichten von der Angst vor steigenden Kosten, zusätzlichem Personalaufwand und massiven Unsicherheiten in den Abläufen.
Wir brauchen Planung, die verbindet – nicht trennt.
Mit Blick auf die Ausweichrouten muss man ehrlich sagen: Sie sind alles andere als eine Entlastung. Hochgerechnet auf einen Sommermonat entstünden bis zu 1,35 Millionen zusätzliche Kilometer und 48.100 Stunden Zeitverlust. Wer die Eider überqueren möchte, muss auf Friedrichstadt oder auf das Eidersperrwerk umschwenken. Doch diese Strecken sind teils schmal, kurvig, überlastet oder selbst in einem kaum tragbaren Zustand. Es braucht Koordinatoren, die die Verkehrsprojekte überregional betrachten und frühzeitig Maßnahmen ergreifen, bevor uns alle zeitgleich einholen.
Natürlich ist uns klar: Einschränkungen sind nicht zu vermeiden. Wenn eine Behelfsbrücke aus technischen und naturschutzrechtlichen Gründen vom Tisch ist, ist die einzig sinnvolle Lösung ein Ersatzbau, aus meiner Sicht. Was wir erwarten? Transparente Planung, offene Kommunikation und ernsthafte Beteiligung der Wirtschaft. Wir brauchen Lösungen, die uns arbeitsfähig lassen, statt uns zusätzlich zu belasten. Es gibt Möglichkeiten, die Region nicht über Jahre abzuschneiden. Wir brauchen Planung, die verbindet – nicht trennt.
Zu den Auswirkungen einer Eiderbrücken-Sperrung hat die IHK Flensburg ein Gutachten veröffentlicht: Gutachten
Aufgezeichnet von: Joana Detlefs
Veröffentlicht: April 2026

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