IHK-MAGAZIN
Nr. 7008224
6 min Lesezeit
Luftbildaufnahme der Rader Hochbrücke
Büsumer Hafen, Rader Hochbrücke, Net Zero Valley: Chancen für das Land

Läuft! – Kooperation macht Tempo

Offene Kommunikation, Transparenz und ein kontinuierlicher Austausch – diese Faktoren machen den Unterschied. Drei Projekte zeigen, wie eng abgestimmte Zusammenarbeit Planungen beschleunigt, Lösungen verbessert und Chancen für die Region schafft.
Johann Stöfen, Co-Geschäftsführer der J. Stöfen GmbH, steht am Rand des Hafenbeckens in Büsum.
Johann Stöfen, Co-Geschäftsführer der J. Stöfen GmbH © IHK/Dewanger
140 Millionen Euro aus dem Sondervermögen sollen in die Modernisierung der Häfen an Nord- und Ostsee fließen. Mit 59 Millionen geht dabei der größte Teil an den landeseigenen Hafen in Büsum. „Wir haben uns sehr gefreut, dass in den Hafen investiert wird und natürlich auch über die Höhe der Summe“, sagt Johann Stöfen, einer von zwei Geschäftsführern der J. Stöfen GmbH. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Wesselburen produziert Kraftfutter sowie Saatgetreide und betreibt einen Landhandel für Agrarprodukte. Im Büsumer Hafen befindet sich neben mehreren Silos und Lagerhallen die Mischfutterproduktion. „Der Schiffsweg wird für uns immer wichtiger, da die Kosten für Lkw-Transporte stetig steigen. Umso wichtiger ist es folglich, dass die Häfen zukunftsfähig aufgestellt sind“, so der Dithmarscher.
Schon einige Jahre laufe der Planungsprozess, bei dem er sich stets mitgenommen gefühlt habe, sagt der Unternehmer. „Das Wirtschaftsministerium und der LKN haben uns Hafennutzer miteinbezogen. Es wurde frühzeitig in Expertenstudien investiert, um eine fundierte Datengrundlage zu schaffen.“ Das Ergebnis: Geplant ist der Ausbau des neuen Hafenbeckens IV sowie die Sanierung der Ostmole im Vorhafen. Dazu gehört auch eine Vertiefung, damit die immer größer werdenden Schiffe in Büsum einlaufen können. „Mittelfristig ist eine Reaktivierung der Hafenbahn unerlässlich, die 1986 eingestellt wurde. Es wäre zukunftsweisend für die Region, wenn wir weg von der Straße hin zum Schiff und zur Bahn kommen“, so Stöfen weiter.
Ein Lkw der J. Stöfen GmbH steht in der Annahmestelle des Standortes in Büsum.
Am Büsumer Standort befinden sich neben mehreren Silos und Hallen auch die Mischfutterproduktion. © IHK/Dewanger
Für die Umsetzungsphase hofft er darauf, dass alle Beteiligten an dem offenen Austausch festhalten: „Es braucht enge Abstimmungen, damit die Bedarfe der Hafennutzer weiter gehört werden und alle Seiten sich auf die Einschränkungen der Baumaßnahmen einstellen können. So können die Investitionen hoffentlich schnellstmöglich erfolgreich umgesetzt werden.“ Ziel der Maßnahmen sei, den Büsumer Hafen für die bereits ansässigen Nutzerinnen und Nutzer zu optimieren, aber auch neue dazuzugewinnen und zu wachsen. Johann Stöfen sagt: „Der Landeshafen Büsum soll nicht zum Museumshafen werden. Er soll voll mit Leben sein und Chancen bieten für Fischer, Passagierschiffe, Werften und den Güterumschlag – gemeinsam sind wir auf einem guten Weg dahin.“
Das gilt auch für den Ersatzbau der Rader Hochbrücke auf der A7. Der letzte Verschub der Stahlkonstruktion wurde im Dezember 2025 erfolgreich abgeschlossen, sodass bis auf das Mittelstück bereits alle wesentlichen Elemente in ihrer endgültigen Lage sind. „Mit diesem Schritt schließt das Projekt einen der sichtbarsten und technisch anspruchsvollsten Abschnitte des Neubaus ab. Während nun das 118 Meter lange Mittelstück entsteht, laufen parallel die Arbeiten an der künftigen sechsstreifigen A7 auf Hochtouren“, sagt Deges-Projektleiter Martin Steinkühler. Geplant ist, das fehlende Stück im Sommer einzusetzen, damit Ende 2026 das neue Teilbauwerk befahren werden kann.
Deges-Projektleiter Martin Steinkühler steht unter der Rader Hochbrücke.
Deges-Projektleiter Martin Steinkühler © Deges
Dass das Projekt im Zeitplan liegt, sieht Steinkühler auch in der engen Zusammenarbeit begründet: „Alle beteiligten Unternehmen haben die anspruchsvollen Taktschübe zu einer präzisen eingespielten Routine entwickelt, durch die die Arbeiten reibungslos sowie koordiniert verlaufen. Der erfolgreiche letzte Verschub zeigt, dass selbst komplexe Abläufe planmäßig und mit höchster Genauigkeit umgesetzt werden können“, so Steinkühler.
Auch die Kommunikation nach außen spielt eine große Rolle. Die Deges informiert mit regelmäßigen Statusmeldungen und ausführlichen Einträgen im Bautagebuch über den aktuellen Stand. Zudem setzt sie auf öffentliche Baustellentermine mit Politik, Medien und regionalen Unternehmen. „Wir zeigen aktiv, welche Herausforderungen da sind, welcher Schritte es bedarf und mit welchen Einschränkungen dann auch zu rechnen ist. Die Teilnehmer begegnen uns daraufhin mit mehr Verständnis“, sagt der Projektleiter.
Akteure aus allen Bereichen zusammenzubringen – daran arbeitet auch das Clean Energy Valley Schleswig-Holstein(CEV SH), initiiert durch die vier Wirtschaftsförderungen der Region Heide, des Kreises Rendsburg-Eckernförde sowie der Städte Kiel und Neumünster. Gemeinsam mit weiteren Partnern im Land wollen sie Schleswig-Holstein als Modellregion für saubere Technologien – ein Net ZeroValley – etablieren. Grundlage ist der Net-Zero Industry Act (NZIA) der EU, der die europäische Produktion von Netto-Null-Technologien fördern soll. Im Mittelpunkt steht der Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten, die Stärkung einer europäischen Clean-Tech-Industrie. Gleichzeitig werden Abhängigkeiten verringert und die Versorgungssicherheit gesteigert. Die EU-Verordnung nennt 19Technologiegruppen, die sie gezielt fördern möchte – von Windkraft über Batterien/Speicher hin zu erneuerbaren Kraftstoffen. „Unternehmen in den Modellregionen profitieren besonders von beschleunigten Genehmigungen und bevorzugtem Zugang zu Fördermitteln“, erklärt Steffen Volk, Projektleiter des CEV SH.
Portrait von Steffen Volk
Steffen Volk, Projektleiter der Clean Energy Valley Schleswig-Holstein © CEV SH
Aktuell bereitet die Initiative eine Bewerbung vor, um Modellregion zu werden. „Wir müssen prüfen, mit welchen Standortvorteilen wir hinsichtlich der Netto-Null-Technologien antreten. Schleswig-Holstein verfügt über starke Unternehmen, leistungsfähige Forschung und viel grüne Energie. Zudem benötigen wir geeignete Gewerbeflächen und Beschleunigungsmaßnahmen“, sagt der Projektleiter.
Ziel des Net Zero Valleys ist es, Bedingungen für bestehende Betriebe zu verbessern, neue Unternehmen anzusiedeln und grüne Gewerbegebiete sowie Märkte zu planen. Schleswig-Holstein soll sich noch schneller zu einem bevorzugten Standort Netto-Null-Technologien entwickeln. „In unserem Land stecken viele Kompetenzen und Chancen. Wir wollen diese bündeln und den Wettbewerbsvorteil nutzen, den Schleswig-Holstein gerade hat“, so Steffen Volk.
Autorin: Joana Detlefs
Veröffentlicht: April 2026

Weitere Neuigkeiten

Tönning: Bast
Portrait von Tim Bast

Tim Bast führt in dritter Generation den Lebensmittelgroßhandel Bast in Tönning. Zu seinen Kunden gehören überwiegend regionale Betriebe aus der Gastronomie und Hotellerie. Der Unternehmer über die Eiderbrücken-Sperrung.

3 min Lesezeit
Bredstedt: North-Tec Biogas
Luftaufnahme von einer Biogasanlage in Dänemark © North-Tec Biogas

Seit 2024 ist das Bredstedter Unternehmen North-Tec Biogas Teil der BioCirc Group aus Dänemark. Das Ziel: Kompetenzen bündeln und so die Angebote in beiden Ländern weiter ausbauen. Für ihre Zusammenarbeit wurden sie mit dem „German-Danish Newcomer oft the Year“-Preis 2025 der AHK Kopenhagen ausgezeichnet.

3 min Lesezeit
Nahversorgung: hurtig Märkte
Tim Andersen steht mit einer Kundin vor dem Bezahlterminal © hurtig Märkte

Um einen Mehrwert für kleine Orte zu schaffen, haben Fin Niklas Schmidt und Tim Andersen ein neues Konzept für die Nahversorgung entwickelt. In ihren hurtig Märkten können Kunden 24 Stunden, sieben Tage die Woche einkaufen – ganz ohne Mitarbeitende.

3 min Lesezeit