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Gestärkt in die Zukunft
Kniehohes Wasser im Geschäft, Minus auf dem Konto, Schließung wegen Personalmangel – vieles fordert die Wirtschaft aktuell heraus. Ein Hafenbistro in Kappeln, ein Lohnunternehmen in Reußenköge und ein Fertigungsunternehmen aus Husum erzählen, wie sie aus Tiefpunkten wieder herausgekommen sind und sich neu aufgestellt haben.
Das Ausmaß des Ostseesturmhochwassers am 20. und 21. Oktober 2023 zeigte sich jedoch erst am nächsten Morgen. „Mit Familie und Freunden sind wir gemeinsam hin. Die Stege der Bootsanleger waren von der Schlei verschluckt. Als wir die Tür öffneten, kam uns das Wasserentgegen“, so die Gastronomin. Die einzige Lösung:anfangen. Tische, Stühle und Türen hatten sie bereits amVortag hochgestellt. Nachdem sie alles leergeräumt hatten, stellten sie Trocknungsgeräte auf. „Die Wände warenangelaufen. Die mussten wir öffnen, um an die Dämmung zu gelangen. Der Fußboden musste raus. Bis auf zwei Geschirrspüler und ein Kühlgerät funktionierte aber alles an Elektrogeräten. Wir hatten rechtzeitig den Strom abgestellt“, sagt Sohn Finn Findersen, der den Service verantwortet. Für die Mitarbeitenden haben sie Kurzarbeitergeld beantragt. „So konnten wir alle halten und die Leerlaufzeit etwas überbrücken“, ergänzt Sandra Findersen.
Knapp zwei Monate dauerte es, bis alles trocken und wiederhergerichtet war. Ein Spendenkonto deckte einen kleinen Teil der Kosten. Der Rest wurde mit eigenen Mitteln und einem Kfw-Kredit finanziert. Am 9. Dezember 2023, nur ein Jahr nach der Ersteröffnung, konnten die Findersens wieder Gäste empfangen. Heute ist sie froh, noch einmal alle Kräfte gesammelt zu haben. „Wir hatten großes Glück im Unglück und ein tolles Umfeld, das uns tatkräftig unterstützt hat. Aufgeben war keine Option, und es findet sich immer eine Lösung“, so die Unternehmerin.
Das hat sich auch Nico Wartzack, Geschäftsführer von Bahnsen Reh Handel & Dienstleistungen e. K. in Reußenköge, gedacht. 2021 hat er mit seinem Lohnunternehmen Bahnsen Reh GmbH Insolvenz angemeldet. „Der Betrieb ist meine Leidenschaft. Das ist das Schlimmste, was einem passieren kann, aber ich wollte die Reißleine ziehen, bevor noch mehr Partner in Mitleidenschaft geraten“, so der gebürtige Nordfriese. Aufgeben wäre die einfachere Variante gewesen, da ist er sich sicher. „Das war aber nicht mein eigener Anspruch. Ich wollte so viel wie möglich an die Gläubiger, Mitarbeiter und Kunden zurückgeben.“
Es brauchte Zeit, um das Vertrauen von Kunden und Partnern wiederzugewinnen.Nico Wartzack, Bahnsen Reh Handel & Dienstleistungen e.K.
Derzeit läuft das Insolvenzverfahren der Bahnsen Reh GmbH noch. „Wir hoffen, dass es bald einen Abschluss für alle Beteiligten gibt.“ Er weiß, wie schwierig es ist, sich wieder aufzuraffen und sich selbst zu motivieren. „Weil man keinen Horizont mehr sieht. Deshalb ist es sowichtig, sich rechtzeitig Hilfe zu suchen. Umso größer ist die Chance, die Krise zu überstehen“, so Wartzack. Dafür tauscht er sich auch gerne mit anderen Unternehmerinnenund Unternehmern aus, teilt seine Erfahrungen und versucht so, anderen zu helfen.
Bei Wulff & Umag Energy Solutions GmbH in Husum ist das Insolvenzverfahren schon lange abgeschlossen. 2013 meldete ein Investor, der einige Jahre zuvor in das Unternehmen eingestiegen war und mit anderen Geschäftsbereichen in wirtschaftliche Schieflage geriet, Insolvenz an. Damit war auch der Betrieb, der bis heute Kesselsysteme und Gesamtanlagen für den europäischen Markt fertigt und installiert, betroffen. „Das war ein Schock für den Großteil unserer Belegschaft“, erinnert sich Lennart Michaelsen, Fertigungs- und Montage- sowie Betriebsleiter.
Abtransport eines Kessels
Das Unternehmen verfolgt seine Strategie konsequent. „Wir kennen unsere Stärken sehr genau und fokussieren uns auf Projekte, die wir in jeder Hinsicht gut beherrschen“, so Hagge. Michaelsen ergänzt: „Wir investieren gerade viel, um den Betrieb zukunftsfähig aufzustellen. Das ist ein gutes Zeichen und daran wollen wir festhalten.“
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Joana Detlefs