IHK-MAGAZIN
Nr. 7102534
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Flensburg: Filmtourismus

Kamera ab – und bitte!

Ob Amrum, Nord Nord Mord oder Dr. Nice – der Norden Schleswig-Holsteins wächst immer mehr zum festen Motivgeber der Film- und Fernsehlandschaft heran. Welche Chancen darin für den regionalen Tourismus und die Betriebe stecken, darüber hat die Wirtschaft mit drei Experten gesprochen.
Schnell, einfach und unkompliziert: Das macht die Zusammenarbeit im Norden – besonders im ländlichen Raum – aus, sagt Anneke Hoffmann von der Film Commission Schleswig-Holstein der Moin Filmförderung. „Die Menschen hier oben sind pragmatisch, hilfsbereit und gut vernetzt. Müssen Requisiten transportiert werden, hilft der Landwirt von nebenan; müssen Straßen gesperrt werden, begegnen die Anwohner den Filmcrews mit viel Verständnis“, erklärt sie.
Überzeugen kann Schleswig-Holstein aber vor allem mit den vielfältigen Drehorten. „Die unterschiedlichen Küsten, das Binnenland mit Seen und flacher bis hügeliger Landschaft bieten tolle Motive und werden viel zu oft unterschätzt“, so Hoffmann. Je nach Genre und Szene entstünde eine ganz andere Stimmung im Film – von der stürmischen Nordseeinsel bis hin zum idyllischen Sonnenschein an der Förde. Bei der Suche nach dem passenden Drehort zu unterstützen, gehört unter anderem zu den Aufgaben der Film Commission. Als Schnittstelle zwischen Filmschaffenden, Kommunen und der Politik bringt sie die Beteiligten zusammen. „Wir unterstützen bei Produktionsanfragen, klären Fragen zu Vorgaben und Regulierungen und stellen den Kontakt zu Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern her“, so Hoffmann. Diese variieren je nach Bundesland, und besonders grenzübergreifend kann das eine Herausforderung sein. Den Norden noch mehr in den Fokus von Filmemachern und Zuschauern zu rücken, ist ihr ein Anliegen. „Beim Marketing ist noch Luft nach oben. Einige Orte nutzen es bereits, um auf sich aufmerksam zu machen, andere hingehen noch weniger. Da steckt viel Potenzial drin“, sagt Anneke Hoffmann.
Das bestätigt auch Schauspieler und Location-Scout Mathias Harrebye-Brandt. In der ZDF Herzkino-Reihe „Dr. Nice“ spielt er die Rolle des Bürgermeisters Stefan Hengstenberg. „Die Serie spricht generationsübergreifend die Menschen vor dem Fernseher an. Mit einer unkonventionellen, männlichen Hauptfigur, Dr. Moritz Neiss, den es über Umwege an die Flensburger Förde führt, begeistert sie bereits in drei Staffeln die Zuschauer“, so der Deutsch- Däne. Dies zieht bereits den ein oder anderen Touristen in den Norden, um die gezeigten Drehorte mit eigenen Augen zu sehen. „Genau da sollten wir noch mehr ansetzen, um die Region zu fördern“, so Harrebye-Brandt. Eine von ihm initiierte Drehort-Tour ab Glücksburg sei bisher eine der wenigen Aktionen, die es bezüglich der Reihe gebe. „Nicht jedem ist klar, um welche Orte es sich handelt. Wir könnten noch viel mehr auf uns und unsere schöne Region aufmerksam machen“, so der Schauspieler weiter. Ob mit Führungen, Berichten, Presseeinladungen oder anderen Maßnahmen könne man so einen Mehrwert für die Tourismuswirtschaft und die Betriebe schaffen.
Um auch andere Film- und Fernsehprojekte in den Norden zu ziehen, sei es umso hilfreicher, eine Anlaufstelle für Produktionsfirmen anzubieten. „In Städten wie Berlin oder Hamburg ist das gang und gäbe. Hier ist es ein neueres Thema, aber alle sind sehr bemüht und daran interessiert, alles möglich zu machen. Das sollten wir beibehalten“, erklärt er. Da Mathias Harrebye-Brandt aus dem Flensburger Raum kommt, konnte er sich auch bei der Suche nach Drehorten oder inhaltlichen Fragen einbringen. So ist er auch hinter der Kamera immer mehr in die Produktion eingetaucht. Er weiß aus erster Hand, dass der Dreh nur ein kleiner Teil ist: „Die Vorbereitung mit der Suche nach Motiven über Behördengänge bis hin zu Genehmigungen ist ein großer Part und kann eine große Herausforderung sein. Je leichter wir den Zugang gestalten, desto mehr können wir es für uns nutzen.“
Im Boutique Hotel Wassersleben, Kulisse des Hotels Ostseeschlösschen in der Reihe, sind die Effekte bereits zu spüren. „Es zieht immer mehr Menschen in die Region und damit auch zu unserem Hotel, in dem die Titelfigur in der Serie wohnt. Sie alle wollen einmal wie Moritz Neiss übernachten oder bei Dreharbeiten live dabei sein“, sagt Inhaber Eicke Steinort. Während die Dreharbeiten zu Staffel eins noch parallel zum Hotelbetrieb stattfanden, wird das Hotel mittlerweile für bis zu vier Monate im Jahr dafür geschlossen. „Wer meint, dass das an höheren oder sichereren Einnahmen durch Dreharbeiten liegt, liegt falsch. Film- und Fernsehprojekte können schnell eingestellt werden, Drehtermine werden immer wieder mal geändert. Man muss Flexibilität beweisen“, so der gelernte Koch. Vielmehr sei es für ihn eine Investition in die Zukunft, indem er langfristig einen Mehrwert für die Region und damit auch für sich schafft.
Über das große Zuschauerinteresse wundert sich Steinort nicht: „Unser Norden wird genauso dargestellt, wie er ist. Mit großartigen Bildern zeigt die Serie, wie schön wir es hier haben und wie vielfältig unser Land ist.“ Um weitere Projekte anzusiedeln, engagiert er sich nebenbei im Filmbüro Flensburg. „So ein Dreh ist eine besondere Erfahrung. Es ist ein tolles Miteinander mit allen Beteiligten – das wollen wir nicht missen“, sagt Eicke Steinort. „Umso schöner ist es doch, wenn in Zukunft noch mehr daran teilhaben können.“
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Autorin: Joana Detlefs
Veröffentlicht: Juli 2026

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