IHK-MAGAZIN
Nr. 7102086
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Flensburg: Standpunkt

Wir brauchen den Nachwuchs hier

Torge Andresen leitet die Produktion bei der Anthon GmbH in Flensburg mit etwa 80 Mitarbeitenden. Das Familienunternehmen stellt Maschinen, Anlagen sowie komplette Produktionslinien inklusive Softwarelösungen für die plattenverarbeitende Industrie her.
Die geplante Verlagerung der Beschulung für Konstruktionsmechaniker ab dem zweiten Lehrjahr von Flensburg nach Kiel macht uns als Betrieb große Sorgen. Auf dem Papier mag das sinnvoll klingen, weil die Schülerzahlen zu gering sind, um Klassen voll zu machen. In der Praxis bedeutet es aber vor allem eins: mehr Aufwand und weniger Attraktivität für die Ausbildung.
Wir bei Anthon haben uns dazu entschieden, Konstruktionsmechaniker auszubilden, um selbst in Fachkräfte für die Zukunft zu investieren. Dafür bauen wir gerade um und modernisieren den Betrieb, um unseren Mitarbeitenden einen guten und sicheren Arbeitsplatz zu garantieren. Die Azubi-Suche gestaltet sich jedoch schwierig: Die Bewerbungszahlen sind niedrig, geeignete Kandidaten schwer zu finden. Wenn potenzielle Auszubildende aus der Region künftig auch noch in Kiel zur Schule gehen müssen, müssen sie lange Strecken zurücklegen oder sogar vorübergehend dort wohnen. Das kostet Zeit, Geld und Nerven. Für manche kann das ein Hinderungsgrund sein, überhaupt eine Ausbildung zu beginnen, andere könnten wir auf dem Weg verlieren, weil der Aufwand zu groß ist.
Unser Wunsch ist klar: Ausbildung muss erreichbar bleiben.
Und auch für uns als Unternehmen wird es schwieriger. Die Abstimmung zwischen Schule und Betrieb leidet, wenn alles weiter weg stattfindet. Unsere Auszubildenden sind schließlich weniger im Betrieb, wir haben weniger Einfluss auf ihre Entwicklung und können sie schlechter begleiten. Eine unserer Stärken im ländlichen Raum ist der enge und flexible Draht zueinander. Darauf können wir dann nicht mehr bauen.
Unser Wunsch ist klar: Ausbildung muss erreichbar bleiben. Gute Lösungen sind die, die Praxis und Schule nah zusammenbringen – nicht weiter auseinanderziehen. Das mag in dem Moment vielleicht nicht sinnvoll sein, ist aber eine Investition in die Zukunft. Nur wenn wir die Rahmenbedingung weiterhin hochhalten, können wir gezielt daran arbeiten, gemeinsam die Ausbildung und den Beruf wieder nach vorne zu bringen.
Mehr aus den Rubriken: Fachkräfte, Aus- und Weiterbildung
Autor: Torge Andresen
Veröffentlicht: Juli 2026

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