IHK-MAGAZIN
Nr. 7010026
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Brunsbüttel/Sylt: Wohnraum für Beschäftigte von Brunsbüttel Ports und KLM Sylt

Win-Win ohne Aber

Teurer Wohnraum macht es Unternehmen schwer, junge Talente zu gewinnen. Betriebliche Wohnanlagen für Azubis wie in Brunsbüttel und auf Sylt punkten mit bezahlbaren, modernen Wohnungen. So bindet man Fachkräfte von morgen – und schafft Win-Win-Situationen.
In Brunsbüttel setzt die Schramm group, die aktuell rund 650 Mitarbeitende beschäftigt, seit 2024 auf ein ungewöhnliches, aber erfolgreiches Projekt, um junge Fachkräfte zu gewinnen: ein modernes Azubi-Wohnheim mit acht Wohneinheiten in drei Größen. Die Idee entstand während der Corona-Jahre, als der Geschäftsführer Hans Helmut Schramm nach Wegen suchte, das Unternehmen für Auszubildende aus ganz Deutschland attraktiver zu machen. „Viele unserer Schiffsmechaniker-Azubis kommen aus Bayern oder Hessen. Für sie ist bezahlbarer Wohnraum direkt am Arbeitsort ein entscheidender Faktor“, erklärt Stefan Pohlmann, Personalleiter Reedereibereich.
Die Vergabekriterien sind bewusst flexibel. Priorität erhalten Azubis mit weiten Anreisen, doch auch regionale Bewerberinnen und Bewerber profitieren – besonders in dieser Region mit begrenztem ÖPNV-Angebot. Auch nach dem Abschluss dürfen Azubis weiterhin dort wohnen, bis sie eine neue Unterkunft für sich finden.
Das Wohnheim ist oft der letzte Kick, der die Bewerber überzeugt.
Teamleitung Recruiting Nele Maas Hafenbereich von Brunsbüttel Ports im Terminal
Nele Maaß, Teamleiterin Recruiting Hafenbereich © Schramm group
„Es geht nicht um finanzielle Gewinne, sondern um eine Investition in die Zukunft“, betont Nele Maaß, Teamleiterin Recruiting Hafenbereich. So wurde das denkmalgeschützte Gebäude nach der Sanierung von der Ehefrau des Eigentümers modern und hochwertig eingerichtet.
Die Azubis sind begeistert: „Wir hatten Jugendherbergen im Kopf – doch das Wohnheim übertrifft alle Erwartungen“, so ein Auszubildender. Die Auslastung ist hoch, die Wertschätzung seitens der Mieter auch; Schäden bei Übergaben blieben bisher aus. Neben dem Azubi-Wohnheim wurde bereits ein zweites Haus für neue Mitarbeitende fertiggestellt – ein Zeichen dafür, wie ernst die Schramm group das Thema nimmt. Beworben wird das Projekt auf Messen, in Schulen und über Social Media. Besonders die hauseigene „Azubi-Ahoi-Messe“ – organisiert von Azubis für Azubis – sorgt für Aufmerksamkeit. „Das Wohnheim ist oft der letzte Kick, der die Bewerber überzeugt“, sagt Maaß.
Das Schramm-Team ist sich sicher, wer Fachkräfte langfristig binden will, muss mehr bieten als einen Ausbildungsplatz. Und wenn bezahlbarer Wohnraum, Flexibilität und moderne Ausstattung Azubis begeistern und gleichzeitig die Region gestärkt wird, habe man alles richtig gemacht.
Auch die Insel Sylt kämpft seit Jahren mit akutem Wohnungsmangel – besonders betroffen sind Auszubildende, noch stärker als Fachkräfte und Arbeitsmigranten. Oft finden Azubis, die auf die Insel kommen, kaum eine bezahlbare Bleibe. Marcus Kopplin und Marvin Andresen, Verantwortliche beim Kommunalen Liegenschaftsmanagement (KLM) Sylt, erklären, wie die Gemeinde dieses Problem löst. „Azubis waren die Letzten, denen wir noch bezahlbare Wohnungen anbieten konnten“, so Kopplin.
Die Idee entstand aus der Not heraus, als nach dem Ausscheiden eines engagierten Berufsschullehrers aus dessen privatem Netzwerk keine Unterkünfte mehr für die sogenannten „Insel-Azubis“ – Auszubildende von Sylt und den umliegenden Inseln – vermittelt werden konnten. Die Lösung war ein zentral gelegenes Wohnheim mit 52 Zimmern, das seit 2023 Azubis aus Gastronomie, Handwerk und Einzelhandel beherbergt. Die Miete von rund 400 Euro pro Monat inkludiert Nebenkosten – ein pauschales Angebot, das Planbarkeit schafft.
Wir sehen darin auch einen Beitrag gegen den Fachkräftemangel und für eine lebendige Inselgemeinschaft.
Die Bewohner kommen nicht nur aus Norddeutschland, sondern aus der gesamten Bundesrepublik und dem Ausland. „Dabei wollen wir keine Ghettoisierung“, betont Marcus Kopplin. Die Wohnungen werden bewusst nicht en bloc an Ausbildungsbetriebe vergeben, sondern direkt an die Azubis. Diese müssen das 18. Lebensjahr erreicht haben, da ansonsten gesetzliche Regeln greifen, die den Verwaltungs- und Personalaufwand maßgeblich steigern.
Weiteres Muss ist der Nachweis eines laufenden Ausbildungsvertrags. Bei Verstößen gegen Hausregeln – etwa Lärm oder Vandalismus – wird der Betrieb informiert. „Es ist auch ein Stück informeller Erziehungsauftrag“, sagt Kopplin. „Viele sind zum ersten Mal weg von zu Hause.“ Überraschend daher die kurze Vorlaufzeit der Bewerbungen. „Früher sicherte man sich Wohnraum ein Jahr im Voraus – heute melden sich Azubis oft erst drei Monate vorher“, ergänzt Andresen.
Finanziell war das Projekt dank Unterstützung der Investitionsbank Schleswig-Holstein unproblematisch. Die Beteiligten sind überzeugt, dass langfristig alle Inselbewohner profitieren. KLM Sylt plant parallel weiteren bezahlbaren Wohnraum für Fachkräfte und Familien. „Wir sehen darin auch einen Beitrag gegen den Fachkräftemangel und für eine lebendige Inselgemeinschaft.“
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Autor: Ralf Czwalinna
Veröffentlicht: April 2026

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