Wirtschaft und Politik im Dialog: Pötter und Bajus diskutierten wirtschaftspolitische Zukunftsfragen für Osnabrück

Die Stadt als Ermöglicherin statt Verwalterin, eine attraktive Innenstadt sowie gute Rahmenbedingungen für Unternehmen, Fachkräfte und Bildung – diese Themen standen im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion zur Oberbürgermeisterstichwahl in Osnabrück. Gemeinsam hatten der Verein für Wirtschaftsförderung in Osnabrück e. V. (VWO) und die IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim die beiden Kandidaten Katharina Pötter (CDU) und Volker Bajus (Bündnis 90/Die Grünen) zur Diskussion eingeladen. Beide Kandidaten stellten ihre Ideen für die Zukunft Osnabrücks vor und beantworteten die Fragen der Unternehmer im Publikum. Moderiert wurde die Diskussion von Ludger Abeln.
Sebastian Kotte, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Region Osnabrück, hob zu Beginn hervor: „Leistungsfähige Unternehmen, viel Gründergeist, eine vielfältige Hochschullandschaft sowie zukunftsweisende städtebauliche Entwicklungen wie das Lok-Viertel sind hervorragende Standortvoraussetzungen Osnabrücks.“ Gerade vor dem Hintergrund angespannter kommunaler Finanzen dürfe die Antwort nicht in höheren Steuern liegen. Beide Kandidaten bekannten sich dabei zum Verzicht auf höhere Grund- und Gewerbesteuern. Vorrang hätten aus Sicht der Wirtschaft effizientere Prozesse, konsequente Digitalisierung und die Konzentration auf Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Standortqualität.
Ein Schwerpunkt der Diskussion war eine wirtschaftsfreundliche Verwaltung mit mehr Geschwindigkeit und weniger Bürokratie. Während Katharina Pötter den Umfang der digitalen Verwaltungsleistungen, auch mit Unterstützung von Start-ups, hervorhob und eine Kampagne für die Nutzung der digitalen Dienstleistungen der Stadt ankündigte, warb Bajus dafür, innerhalb der Stadt in agileren Teams statt starren Strukturen zu arbeiten und Künstliche Intelligenz (KI) in noch mehr Bereichen einzusetzen, um Prozesse der Verwaltung noch stärker zu verschlanken oder bestimmte Abläufe zu automatisieren. Um weitere Belastungen, etwa die Erhöhung bestehender oder die Einführung neuer Steuern zu vermeiden, wurde in der Diskussion auch ein Blick auf die Kommunalfinanzen gelegt. Kritisch wurde dabei der erhebliche Personalaufwuchs der letzten Jahre diskutiert.
Mit Blick auf die Innenstadt wurde gefragt, wie Osnabrück als Einkaufs-, Arbeits-, Erlebnis- und Begegnungsort gestärkt werden kann. Dazu gehören aus Sicht der Unternehmen gute Erreichbarkeit mit einem besseren Baustellenmanagement, attraktive öffentliche Plätze, kluge Konzepte gegen Leerstände, mehr Sicherheit und Sauberkeit sowie ein vielfältiger Innenstadtmix aus Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen. Volker Bajus plädierte zur Steigerung der Sauberkeit der Innenstadt für die Einführung einer Verpackungssteuer, während Katharina Pötter diese als weitere Belastung für die Innenstadtgastronomie ablehnte.
Die miteinander verbundenen Themen Fachkräfte und Bildung gelten aus Sicht der Wirtschaft als weitere zentrale Standortfaktoren. Die Kandidaten nahmen deshalb auch die Ausstattung und den Zustand der Schulen in den Blick, die nach einhelliger Auffassung erhebliches Verbesserungspotenzial bieten. Insbesondere wurde dabei eine bessere Ausstattung der Berufsbildenden Schulen thematisiert. Für die Modernisierung und Sanierung der Schulen nimmt die Stadt in den kommenden zehn Jahren laut Haushaltsplanung 533 Millionen Euro in die Hand.
„Die Unternehmen erwarten von der künftigen Stadtspitze vor allem Tempo und klare Prioritäten. Weniger Bürokratie, stabile Steuern und leistungsfähige Schulen sind entscheidende Voraussetzungen, damit Osnabrück auch künftig ein attraktiver Wirtschaftsstandort bleibt“, fasste Niklas Sievert, Vorsitzender des Vorstands des VWO, die Diskussion abschließend zusammen.