Landkreis als Ermöglicher statt Verwalter: Landratskandidaten - Kebschull und Spieker diskutieren wirtschaftspolitische Zukunftsfragen

Eine wirtschaftsfreundliche Kreisverwaltung, leistungsfähige Infrastruktur sowie gute Rahmenbedingungen für Unternehmen, Fachkräfte und Bildung standen im Mittelpunkt der IHK-Podiumsdiskussion zur Landratsstichwahl im Landkreis Osnabrück. Auf Einladung der IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim diskutierten die beiden Kandidaten Anna Kebschull (Einzelwahlvorschlag, unterstützt von Bündnis 90/Die Grünen) und Thomas Spieker (CDU) über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Landkreis Osnabrück und beantworteten die Fragen der Unternehmer im Publikum. Moderiert wurde die Veranstaltung von Ludger Abeln.
„Der Landkreis Osnabrück verfügt mit seinen zahlreichen Hidden Champions und seinen innovativen Gründern über hervorragende Standortvoraussetzungen“, machte IHK-Vizepräsident Jan-Felix Simon zu Veranstaltungsbeginn deutlich. Angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen komme es nun darauf an, Investitionen zu ermöglichen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu stärken.
Sowohl Landrätin Anna Kebschull als auch Herausforderer Thomas Spieker sahen in digitalen und schlanken Prozessen sowie einem mutigeren Mindset der Kreisverwaltung Chancen, um Unternehmen noch besser zu unterstützten, insbesondere bei Planungs- und Genehmigungsverfahren. Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Osnabrück, etwa im Verkehrsbereich, müsse weiter vertieft werden. Dies betreffe vor allem die Pendler. Hier gab es auch die größten Unterschiede der Diskussion: Während Anna Kebschull beim Ausbau der A 30 und digitaler Anbindung die wichtigsten Infrastrukturprojekte der kommenden Jahre für den Landkreis sah, rückte Thomas Spieker den Bau der A 33 Nord und die Bedeutung des Flughafens Münster/Osnabrück (FMO) in den Fokus.
Die Diskussion machte deutlich, dass die Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen und schnelle Entscheidungen der Kreisverwaltung erwarten. Ein Schwerpunkt lag auf der Frage, wie das Kreishaus noch wirtschaftsfreundlicher werden kann. Diskutiert wurden dabei insbesondere die Bearbeitungsdauer von Anliegen und Genehmigungsverfahren sowie der Ausbau digitaler Dienstleistungen. Aus Sicht der Wirtschaft muss die Verwaltung stärker als Dienstleister und Ermöglicher auftreten, damit Investitionen, Unternehmensentwicklungen und Innovationen nicht verzögert werden.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Fachkräftesicherung. Die Diskussion zeigte, dass Berufsorientierung sowie Aus- und Weiterbildung für die Unternehmen im Landkreis Osnabrück immer wichtiger werden. Dazu gehören eine enge Zusammenarbeit zwischen Schulen, Betrieben und weiteren Partnern, eine bessere Sichtbarkeit beruflicher Bildungswege sowie Angebote, um junge Menschen stärker für eine Ausbildung und berufliche Karrierechancen in der Region gewinnen. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Ausstattung der Berufsbildenden Schulen. Die Unternehmen sehen hier Handlungsbedarf, um zeitgemäße Lernbedingungen zu schaffen und die Fachkräfte von morgen bestmöglich auf die Anforderungen der Arbeitswelt vorzubereiten.
„Die Unternehmen erwarten von der künftigen Kreisspitze vor allem eine wirtschaftsfreundliche Perspektive und hohes Tempo. Eine leistungsfähige Infrastruktur - ausdrücklich mit einem Lückenschluss der A 33 - und gut ausgestattete Berufsbildende Schulen sind entscheidende Voraussetzungen dafür, dass der Landkreis Osnabrück auch in Zukunft ein starker Wirtschaftsstandort sein wird“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf abschließend. „Wirtschaftliche Stärke ist die Grundlage für die hohe Lebensqualität im Landkreis. Deshalb gehört das Thema Wirtschaft auf der politischen Agenda auch nach ganz oben.“
Dazu passte, dass beide Kandidaten Austauschformate mit der Wirtschaft ankündigten, um noch besser auf die Anforderungen der Unternehmen eingehen zu können.