Gemeinsam für den Ernstfall: IHK-Regionalausschuss Grafschaft Bentheim diskutiert Krisenvorsorge von Wirtschaft und Bevölkerung
Krisenvorsorge ist längst nicht mehr allein Aufgabe von Behörden, Einsatzkräften und Hilfsorganisationen. Auch Unternehmen sind gefordert, sich auf außergewöhnliche Krisenlagen vorzubereiten und ihre Handlungsfähigkeit sicherzustellen. Diese Erkenntnis stand im Mittelpunkt der jüngsten Sitzung des IHK-Regionalausschusses Landkreis Grafschaft Bentheim bei der Reinert-Ritz GmbH in Nordhorn.
„Krisenvorsorge gelingt nur im Zusammenspiel von Wirtschaft, Verwaltung und Bevölkerung. Je besser wir vorbereitet sind, desto handlungsfähiger bleibt unsere Region auch in außergewöhnlichen Situationen“, betonte der Ausschussvorsitzende Thomas Kolde. Gerade für Unternehmen gewinne das Thema an Bedeutung, da funktionierende Infrastrukturen, Lieferketten und Kommunikationswege wesentliche Voraussetzungen für wirtschaftliches Handeln seien.
Diskutierten über Krisenvorsorge, Bevölkerungsschutz und die Rolle der Unternehmen in außergewöhnlichen Krisenlagen: Die Mitglieder und Gäste des IHK-Regionalausschusses Grafschaft Bentheim während der Sitzung bei der Reinert-Ritz GmbH in Nordhorn.
Oberstleutnant Gilles Seifert vom Landeskommando Niedersachsen stellte den Operationsplan Deutschland vor. Er erläuterte, dass dieser eine Reaktion auf die veränderte Sicherheitslage in Europa und insbesondere im Baltikum darstelle. Deutschland komme dabei als logistische Drehscheibe für die Verlegung und Versorgung verbündeter Streitkräfte eine wichtige Rolle zu. Darüber hinaus ging Seifert auf den Schutz Kritischer Infrastrukturen, das KRITIS-Dachgesetz sowie die Bedeutung des Heimatschutzes ein. Unternehmen könnten im Krisen- und Verteidigungsfall unter bestimmten Voraussetzungen zur Unterstützung staatlicher Aufgaben herangezogen werden. Gleichzeitig seien sie gefordert, ihre eigene Krisenfestigkeit zu stärken.
Anschließend stellte Dr. Elke Bertke, Dezernentin des Landkreises Grafschaft Bentheim, die Maßnahmen des Landkreises im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz vor. Einen Schwerpunkt bildete dabei der gemeinsam mit den kreisangehörigen Kommunen entwickelte Sonderplan Stromausfall. Ziel ist es, die Handlungsfähigkeit von Behörden, Unternehmen und Bevölkerung auch bei langanhaltenden Stromausfällen aufrechtzuerhalten. Vorgesehen sind unter anderem Notfallinformationspunkte und sogenannte Leuchttürme als Anlaufstellen für die Bevölkerung. Im Zusammenhang mit den vorgestellten Vorsorgemaßnahmen verwies Bertke auch auf die Katastrophenschutz-Großübung des Landkreises am 10. Oktober, die die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit von Verwaltung, Einsatzkräften und weiteren Akteuren unterstrichen habe.
In der Diskussion wurden auch die Erfahrungen aus dem Weihnachtshochwasser 2023 aufgegriffen. Nach Angaben von Bertke wurden die damaligen Erkenntnisse in die Weiterentwicklung der Hochwasserrahmenplanung einbezogen. Gleichzeitig sei deutlich geworden, wie wichtig das Engagement der zahlreichen Ehrenamtlichen sowie die Unterstützung durch Unternehmen und Bevölkerung für die Bewältigung von Krisenlagen seien.
Gastgeber der Sitzung war die Reinert-Ritz GmbH. Geschäftsführer Malte Ritz stellte die Entwicklung des Familienunternehmens vor, das sich auf Kunststoffrohrsysteme und Kunststoffbauteile für Industrie und Infrastruktur spezialisiert hat. Als wesentliche Erfolgsfaktoren nannte er die Konzentration auf spezialisierte Nischenmärkte, hohe Qualitätsstandards und die internationale Ausrichtung des Unternehmens.
Der IHK-Regionalausschuss Grafschaft Bentheim tagt dreimal im Jahr. In dem ehrenamtlich besetzten Gremium bringen Unternehmer ihre Praxiserfahrungen ein, diskutieren wirtschaftsrelevante Zukunftsthemen und formulieren Empfehlungen für Präsidium und Vollversammlung der IHK.
Weitere Informationen: IHK, Frank Hesse, Tel.: 0541 353-110, E-Mail: hesse@osnabrueck.ihk.de