Krisenvorsorge wird zum Standortfaktor: IHK-Regionalausschuss Emsland diskutiert über Sicherheit und Handlungsfähigkeit in Krisenzeiten
Sicherheit und Krisenvorsorge sind längst nicht mehr allein Aufgaben von Bundeswehr, Behörden und Hilfsorganisationen. Auch Unternehmen müssen sich mit ihrer Rolle in Krisen- und Verteidigungsfällen sowie mit dem Schutz ihrer eigenen Betriebsfähigkeit auseinandersetzen. Das wurde in der jüngsten Sitzung des IHK-Regionalausschusses Landkreis Emsland bei der Hermann Paus Maschinenfabrik GmbH in Emsbüren deutlich.
„Unternehmen sind auf funktionierende Energie-, Verkehrs- und Kommunikationsinfrastrukturen angewiesen und zugleich selbst ein wichtiger Bestandteil unserer Versorgungs- und Wertschöpfungsketten. Deshalb müssen sie frühzeitig prüfen, wie sie auch in außergewöhnlichen Krisenlagen handlungsfähig bleiben können“, erklärte der Ausschussvorsitzende Hendrik Kampmann. Vorsorge sei nicht nur eine staatliche Aufgabe, sondern betreffe ebenso Unternehmen, Beschäftigte und private Haushalte.
Oberstleutnant Benjamin Seefisch vom Landeskommando Niedersachsen stellte den Operationsplan Deutschland vor. Deutschland soll im Verteidigungsfall als Drehscheibe für die Verlegung und Versorgung verbündeter Streitkräfte dienen. Niedersachsen komme dabei aufgrund seiner Verkehrs-, Energie- und Logistikinfrastruktur eine besondere Bedeutung zu. Benjamin Seefisch sprach in diesem Zusammenhang vom „Schwungrad Niedersachsen“. Neben militärischen Aufgaben umfasse die Gesamtverteidigung auch den Heimatschutz und den Schutz lebenswichtiger Infrastrukturen. Unternehmen könnten unter bestimmten Voraussetzungen zur Unterstützung staatlicher Aufgaben herangezogen werden und sollten sich daher frühzeitig mit ihrer möglichen Rolle befassen.
Wie wichtig die eigene Vorbereitung ist, verdeutlichte anschließend Christoph Exeler, Kreisrat des Landkreises Emsland. Als besonders herausfordernd bewertete er einen großflächigen und langanhaltenden Stromausfall, der Kommunikation, Versorgung, Logistik und Kritische Infrastrukturen gleichermaßen beeinträchtigen könne. Der Landkreis baue daher unter anderem seine Warn- und Informationsstrukturen aus. Flächendeckende Notfallinformationspunkte sollen der Bevölkerung künftig in Krisenlagen als erste Anlaufstellen dienen.
Befassten sich mit Gesamtverteidigung, Katastrophenschutz und betrieblicher Krisenvorsorge: Mitglieder und Gäste des IHK-Regionalausschusses Landkreis Emsland bei der Hermann Paus Maschinenfabrik GmbH in Emsbüren.
Zugleich wird die Infrastruktur des Katastrophenschutzes weiterentwickelt. Mit der neuen Leitstelle Ems-Vechte und dem Lagezentrum für Krisen und Katastrophen in Meppen-Versen sollen Leitstelle, Krisenmanagement und Katastrophenschutz langfristig leistungsfähig und zukunftssicher aufgestellt werden. In der Diskussion wurde insbesondere die Bedeutung praktischer Eigenvorsorge hervorgehoben. Unternehmen könnten ihre Beschäftigten für Notfallsituationen sensibilisieren und ihnen entsprechende Leitfäden und Checklisten zur Verfügung stellen.
Gastgeber der Sitzung war die Hermann Paus Maschinenfabrik GmbH. Geschäftsführer Franz-Josef Paus stellte die Entwicklung des 1968 gegründeten Familienunternehmens vor. Das international tätige Unternehmen entwickelt und produziert Maschinen und Fahrzeuge für die Bauwirtschaft, den Berg- und Tunnelbau sowie die Lifttechnik. Im Vorfeld der Sitzung erhielten die Ausschussmitglieder bei einer Betriebsbesichtigung Einblicke in die Produktion am Standort Emsbüren.
Der IHK-Regionalausschuss Landkreis Emsland tagt dreimal im Jahr. In dem ehrenamtlich besetzten Gremium bringen Unternehmerinnen und Unternehmer ihre Praxiserfahrungen ein, tauschen sich mit Experten aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft aus und erarbeiten Positionen für die Vollversammlung der IHK.
Bildunterschrift:
Ansprechpartner: IHK, Frank Hesse, Tel: 0541 353-110 oder E-Mail: hesse@osnabrueck.ihk.de