Unternehmensinsolvenzen erreichen höchsten Stand seit 2011
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in der Region Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim bleibt auf beunruhigend hohem Niveau. In den ersten neun Monaten des Jahres mussten 233 Unternehmen Insolvenz anmelden. Das sind 2,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum mit 228 Fällen. Damit wurde ein neuer Höchststand seit 2011 erreicht. Landesweit nahm die Zahl der Unternehmensinsolvenzen mit 13,6 Prozent noch wesentlich stärker zu.
„Die anhaltend hohe Zahl an Insolvenzen ist ein Alarmsignal. Nach Jahren wirtschaftlicher Schwäche geht es bei immer mehr Unternehmen an die Substanz“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf. „Die schwache Nachfrage trifft auf hohe Energie- und Arbeitskosten sowie eine weiterhin erhebliche Bürokratiebelastung. Gerade für Unternehmen, die ohnehin finanziell unter Druck stehen, können zusätzliche Belastungen dann schnell existenzbedrohend werden.“
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den mangels Masse abgewiesenen Insolvenzverfahren. Ihre Zahl stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 60 auf 77 Fälle und damit um 28,3 Prozent. Eine Abweisung mangels Masse erfolgt, wenn das vorhandene Vermögen des Unternehmens voraussichtlich nicht ausreicht, um die Kosten des Insolvenzverfahrens zu decken. Der deutliche Anstieg zeigt damit, dass sich hinter der insgesamt nur leicht gestiegenen Zahl der Unternehmensinsolvenzen auch Fälle mit einer besonders geringen verbliebenen Vermögensmasse häufen.
Auch zwischen den Branchen zeigen sich deutliche Unterschiede. Im Verarbeitenden Gewerbe erhöhte sich die Zahl der Insolvenzen um 21,7 Prozent auf 28 Fälle, im Handel um 19,0 Prozent auf 50 Fälle. Bei den Dienstleistungen wurden 62 Insolvenzfälle registriert, 6,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Rückläufig waren die Zahlen dagegen im Baugewerbe mit 37 Fällen (-21,3 Prozent) und im Gastgewerbe mit 16 Fällen (-11,1 Prozent).
Graf fordert angesichts der Entwicklung weitere wirtschaftspolitische Entlastungen: „Wir müssen verhindern, dass die anhaltende wirtschaftliche Schwäche noch mehr Betriebe in existenzielle Schwierigkeiten bringt. Dazu müssen insbesondere die Energie- und Arbeitskosten sinken und der Bürokratieabbau endlich spürbar bei den Unternehmen ankommen. Die Politik muss jetzt alles daransetzen, den Kostendruck zu verringern und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu stärken. Das hilft den Unternehmen, sich auch unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen am Markt zu behaupten und Arbeitsplätze zu sichern.“
Die IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim bietet Unternehmen, die sich in einer wirtschaftlichen Schieflage befinden, Unterstützung an.
Der nächste Sprechtag „Krisenfrüherkennung“ findet am 19. November 2026 in Nordhorn statt. Interessierte Unternehmen können sich dazu bei Enno Kähler (Tel.: 0541 353-316, E-Mail: kaehler@osnabrueck.ihk.de) melden oder unter www.ihk.de/osnabrueck (Nr. 455) informieren.