KI erklärt sich am besten selbst: IHK wirbt für Mut im Umgang mit KI - IHK-Industrieausschuss wählt Rüdiger Köhler zum neuen Vorsitzenden

Schulungen zu Künstlicher Intelligenz? KI bedeutet laufende Veränderung, lieber direkt selbst auszuprobieren, als auf das passende Angebot zu warten. Teure KI-Software kaufen? Lieber selbst gestalten und so an die individuellen Bedürfnisse des Unternehmens anpassen. Mit klaren Denkanstößen eröffnete Nils Meyer-Pries von der Fuchs Gruppe den Themenblock „KI-Impulse“ in der Sitzung des IHK-Fachausschusses Industrie, Energie und Umwelt bei der Höcker Polytechnik GmbH in Hilter.

Künstliche Intelligenz ist klare Führungsaufgabe

Seine zentrale Botschaft lautete mit Blick auf die Erfahrungen im eigenen Unternehmen: Künstliche Intelligenz ist klare Führungsaufgabe. Ohne zentrale Personen, die inspirieren, anstoßen, umsetzen und den Handlungsspielraum eröffnen, gehe es nicht. Führungskräfte sollten sich deshalb selbst intensiv mit KI beschäftigen und mit gutem Beispiel vorangehen. KI sei eben kein reines IT-Thema. Über den Erfolg entscheiden vielmehr Prozesswissen, Konzept und Kontext, und diese liegen in den Fachabteilungen. Die IT liefere die unerlässliche Expertise in der Umsetzung, die technischen Grundlagen und einen sicheren Rahmen, KI-Experten in der IT seien die starken Partner.

Lernen am konkreten Anwendungsfall bringt den Fortschritt.

Klassische KI-Schulungen seien dabei nicht erforderlich, denn KI erkläre sich am besten selbst. Wer seine eigenen Abläufe kennt und das nötige Fachwissen mitbringt, könne viele Anwendungen einfach und kostengünstig selbst konzipieren. „Was KI wirklich kann, muss man selbst ausprobieren, müssen die Mitarbeitenden selbst erleben“, so Meyer-Pries. Bei der rasanten Entwicklung bringe Lernen am konkreten Anwendungsfall den Fortschritt.
Im Mittelpunkt stehen für ihn die Menschen. Viele Beschäftigte begegnen KI mit Fragen und auch mit Sorgen. Meyer-Pries empfiehlt daher, früh und offen über Ziele und Veränderungen zu sprechen und die Mitarbeitenden aktiv einzubinden. Auch das sei Führungsaufgabe. So werde KI zu einem Werkzeug, das an den richtigen Stellen entlastet und zugleich neue Möglichkeiten schafft.

KI erfolgreich in bestehende Prozesse integrieren

Stephan Feldker, Geschäftsführer der moduco GmbH, bestätigte in seinem Impuls, dass sich KI erfolgreich in bestehende Prozesse integrieren lässt. Sein Unternehmen erleichtert Industrieunternehmen den Zugang zu innovativen Schlüsseltechnologien der Automatisierung und Digitalisierung und setzt dabei konsequent auf KI.

Transformation der Industrie unausweichlich

Wie dringend Unternehmen neue Wege brauchen, machte der Beitrag von Dr. Thilo Schaefer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) deutlich. Danach steht die Industrie in Deutschland stark unter Druck. Seit 2018 ist die Produktion in wichtigen Branchen wie der Chemieindustrie oder der Automobilindustrie kontinuierlich gesunken. Belastungen ergäben sich u. a. aus hohen Energiepreisen und dem demografischen Wandel. Daher sei die Transformation der Industrie, von der Energiewende bis zum Einsatz Künstlicher Intelligenz, unausweichlich.

Ausschussvorsitzender Dietmar Hemsath verabschiedet

Zum Abschluss der Sitzung wurde Dietmar Hemsath als Ausschussvorsitzender verabschiedet. Er gehörte dem Fachausschuss Industrie, Energie und Umwelt seit 2014 an, übernahm 2021 den Vorsitz und wurde 2024 bestätigt. IHK-Vizepräsident Hendrik Kampmann würdigte in seiner Laudatio unter anderem Hemsaths Einsatz für wettbewerbsfähige Energiepreise sowie für die Interessen der Region auf europäischer Ebene und hob hervor, dass er die Arbeit des Ausschusses über viele Jahre maßgeblich geprägt und wichtige Weichen für die Zukunft gestellt habe.

Rüdiger Köhler übernimmt den Vorsitz

Mit Rüdiger Köhler übernimmt nun erneut ein Vertreter der regionalen Industrie den Vorsitz. Köhler betonte nach seiner Wahl, dass ihn die aktuellen Themen des Ausschusses wie KI, Automatisierung und die Transformation der Energieversorgung auch im eigenen Unternehmen intensiv beschäftigten und dass er sich auf die Zusammenarbeit freue.
Gastgeber der Sitzung war die Höcker Polytechnik GmbH in Hilter. Geschäftsführerin Lisa Marie Höcker und Julian Eckert stellten das Familienunternehmen mit rund 300 Beschäftigten vor. Es baut seit 1962 Anlagen, die Industrieluft sauber halten und Produktionsabfälle recyclingfähig machen.
Der aus ehrenamtlich tätigen Unternehmerinnen und Unternehmern bestehende IHK-Fachausschuss Industrie, Energie und Umwelt trifft sich dreimal jährlich. Seine Mitglieder tauschen sich regelmäßig mit Experten aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft aus und erarbeiten Positionen für die IHK-Vollversammlung.