IHK-Regionalausschuss Emsland: Energiewende durch Freiräume beschleunigen

Das Emsland hat sich über die Region hinaus als dynamische und innovative Energie- und Wasserstoffregion einen Namen gemacht. Mit sehr ertragreichen Windenergieprojekten, mehr als 50 laufenden Wasserstoffvorhaben sowie der jüngsten Auszeichnung als „NetZero Valley“ im Rahmen des europäischen Net Zero Industry Act legt das Emsland den Grundstein für die Energieinfrastruktur der Zukunft.
„Unsere Unternehmen, gerade in der Industrie, benötigen eine sichere, bezahlbare und saubere Energieversorgung. Damit die laufende Transformation gelingt, braucht es weniger bürokratische Vorgaben und mehr Spielräume für Projektierer, Betreiber und Abnehmer von Energie“, sagte Hendrik Kampmann, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Landkreis Emsland, bei der Sitzung in Twist.
Eingeladen und ihre Energieprojekte präsentiert hatten die Agrowea GmbH & Co. KG und die CEC Haren GmbH & Co. KG. Bereits im Vorfeld erhielten die Teilnehmer bei einer Besichtigung am H2‑Hub Haren Einblicke in aktuelle Projekte der Clean Energy Conversion Haren. Im Anschluss ging es weiter zum Grünen Tankstellenpark Emsland, wo eine innovative Wasserstofftankstelle vorgestellt wurde. Christoph Pieper, Geschäftsführer der CEC Haren GmbH & Co. KG, berichtete in der Sitzung von der dynamischen Entwicklung und strategischen Ausrichtung des Familienunternehmens. Dieses entwickelt und betreibt seit rund 25 Jahren Bürgerwindparks und hat bislang etwa 200 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 500 Megawatt umgesetzt. Pieper machte dabei deutlich, dass die Unternehmen trotz hoher Investitionsbereitschaft immer wieder durch wechselnde politische Vorgaben und komplexe Regulierung ausgebremst würden. Konkret verwies er auf Hürden bei sogenannten Power Purchase Agreements (PPAs), also langfristigen Stromlieferverträgen zwischen Energieerzeugern und Unternehmen.
Martina Kruse, Leiterin des Fachbereichs Wirtschaft und Kreisentwicklung des Landkreises Emsland, stellte anschließend die strategische Entwicklung der Energie- und Wasserstoffregion Emsland vor. Mit dem Aufbau regionaler Clusterstrukturen, der Anbindung an das Wasserstoffkernnetz und zahlreichen Kooperationsprojekten positioniere sich das Emsland als bedeutender Standort für erneuerbare Energien und Wasserstoffwirtschaft. Die Auszeichnung als „NetZero Valley“ eröffne zusätzliche Chancen für Fördermittel, Ansiedlungen und beschleunigte Verfahren im Bereich der Netto-Null-Technologien.
In der Diskussion wurde deutlich, dass insbesondere mittelständische Unternehmen auf verlässliche politische Rahmenbedingungen angewiesen sind. Neben wettbewerbsfähigen Energiepreisen und Versorgungssicherheit brauche es aus Sicht der Wirtschaft vor allem schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, mehr regulatorische Planungssicherheit und stärkere marktwirtschaftliche Freiräume für die Energiewende.
Darüber hinaus beschäftigte sich der Ausschuss mit dem Wandel regionaler Wirtschaftsberichterstattung. Lars Laue, Leiter der Content Unit Emsland, erläuterte die veränderten Anforderungen an den regionalen Journalismus sowie die zunehmende Bedeutung digitaler Formate und datengetriebener Reichweitenanalysen.