„Mit Mut und Leidenschaft gestalten“: Handelsforum zeigt erfolgreiche Praxisbeispiele für die Zukunft des Handels

Eine positive Botschaft und viele mutmachende Praxisbeispiele vermittelte das erste Handelsforum der IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim und des Handels- und Dienstleistungsverbands Osnabrück-Emsland: Unter dem Leitthema „Zukunft erfolgreich gestalten“ wurde deutlich, dass erfolgreicher Handel künftig vor allem aus dem Zusammenspiel von Reichweite, emotionalen Kundenerlebnissen und verstärkter Zusammenarbeit entsteht.
IHK-Vizepräsident Mark Rauschen hob die Bedeutung der Unternehmerpersönlichkeit hervor: „Der Handel hat Zukunft, darum brauchen wir tatkräftige Unternehmerinnen und Unternehmer, die neue Ideen haben und die bereit sind, ihren Weg leidenschaftlich und kreativ zu gehen. Gleichzeitig dürfen wir uns nicht nur als Wettbewerber verstehen: Gemeinsam müssen wir unseren Beitrag leisten, damit unsere Innenstädte weiterhin Orte mit hoher Lebensfreude und Lebensqualität bleiben.“ HDV-Präsident Tobias Schonebeck ist überzeugt: "Dieses erste Handelsforum ist wichtig, um neue Inspiration zu geben und Netzwerke zu knüpfen. Denn der Handel vor Ort entwickelt sich zunehmend vom reinen Versorger zum Erlebnisanbieter. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, mutig ins Machen zu kommen.“
Wie sich der Wandel konkret gestalten lässt, zeigten vier Praxisbeispiele: Ingo Kretzschmar (CEO Thalia Bücher GmbH, Hagen) berichtete, dass Thalia mit der Sortimentsergänzung durch Geschenk- und Dekoartikel sowie Spielwaren neue Umsatzpotenziale erschlossen hat. Thomas Zumnorde vom gleichnamigen Schuhhaus mit 25 Geschäften an 17 Standorten stellte die Ansiedlungsstrategie vor. Neben der Übernahme von Geschäften, die keine Nachfolger finden, werden vor allem Shop-in-Shop -Lösungen mit größeren Modehäusern realisiert. Bei Nadine Zechlin, Betreiberin von zwei Modeboutiquen in Brandenburg, steht die Kundenbindung im Mittelpunkt. Dabei nutzt sie WhatsApp sehr erfolgreich als Vertriebskanal, auf dem sie inzwischen mehr als 8.000 Kundinnen erreicht. Merten und Jost Hannemann haben einen kleinen Einzelhandel für Rasierbedarf in Lübeck übernommen, das Sortiment um eine Eigenmarke erweitert und mit einem sehr erfolgreichen Online-Vertrieb kombiniert. Inzwischen erreichen sie mehr als 80.000 Follower über Instagram.
Die Diskussion zeigte, dass neue Technologien effektive Möglichkeiten zur Analyse des Einkaufsverhaltens und überregionalen Wahrnehmung auch kleinerer Betriebe eröffnen, jedoch den persönlichen Kontakt zum Kunden und die individuelle Beratung nicht ersetzen können. Zugleich wurden politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen als zentrale Voraussetzung für Innovation benannt: „Weniger Bürokratie durch Abschaffung der umfangreichen Berichtspflichten oder die Senkung der Lohnnebenkosten und mehr unternehmerische Freiräume sind notwendig, damit Unternehmen Zeit für ihre Kunden und die strategische Weiterentwicklung gewinnen“, unterstrich Marcel Scharrelmann, MdL und wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag. Ein Blick in die Niederlande zeige, dass Sonntagsöffnungen gut funktionieren und dafür montags geschlossen bleibe. Daran müsse man in Niedersachsen noch arbeiten, da die Innenstädte immer mehr Teil der Freizeitgestaltung werden. Mit einer Liberalisierung der Regelungen für die Sonntagsöffnung müssten Wettbewerbsnachteile des stationären Handels gegenüber den benachbarten Niederlanden sowie dem Onlinehandel behoben werden.