Industrie und Außenwirtschaft unter Druck: IHK-Ausschüsse diskutieren Folgen von Nahost-Krise und De-Industrialisierung
Die Wirtschaft sieht sich derzeit mit einer Vielzahl von Belastungen konfrontiert. Zwei davon standen im Mittelpunkt der gemeinsamen Sitzung der IHK-Fachausschüsse Industrie, Energie und Umwelt sowie International bei der meurer Verpackungssysteme GmbH: die Folgen der Nahost-Krise sowie die De-Industrialisierung in Deutschland.
Die beiden IHK-Fachausschüsse trafen sich bei meurer Verpackungssysteme GmbH.
Die beiden Ausschussvorsitzenden Dietmar Hemsath, Geschäftsführer der Georgsmarienhütte GmbH, und Bernard Storm, Geschäftsführer der August Storm GmbH & Co. KG, betonen zu Beginn deutlich: “Die Lage vieler Unternehmen ist weiterhin stark angespannt. Der rückläufige IHK-Konjunkturklimaindex zeigt, dass zahlreiche Betriebe mit wachsender Unsicherheit auf die kommenden Monate blicken.“
Dazu tragen aktuell insbesondere die Auswirkungen des Iran-Krieges bei, zu denen Elisabeth Strahl von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) berichtete. International tätige Unternehmen seien von gestörten Handelswegen, steigenden Transportkosten und einer zunehmenden Unsicherheit bei Investitionen betroffen. Zudem wachse die Sorge vor Engpässen bei Energie und wichtigen Rohstoffen. Viele Industrieunternehmen seien auf stabile Lieferungen von Öl, Gas sowie chemischen Grundstoffen angewiesen, die über die Region transportiert werden. „Die wirtschaftlichen Folgen durch Störungen in den Transportwegen und Schäden an den Energieinfrastrukturen werden für die Unternehmen länger spürbar bleiben – selbst wenn die Straße von Hormus bald komplett und sicher geöffnet werden sollte“, sagte Strahl.
Dies erhöhe den ohnehin hohen Wettbewerbsdruck auf Industrieunternehmen. Christopher Meisner von den Unternehmerverbänden Niedersachsen (UVN) erläuterte, dass hohe Energiepreise, langwierige Genehmigungsverfahren und der Fachkräftemangel die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts belasten und zu einer zunehmenden De-Industrialisierung in Deutschland führen. Besonders energieintensive Industriebetriebe reduzierten Investitionen oder verlagerten Produktionskapazitäten ins Ausland. Auch in Niedersachsen und in der Region sei diese Entwicklung zunehmend sichtbar. So verlor etwa der IHK-Bezirk seit 2022 rund 2.500 Industriearbeitsplätze.
Allerdings machte Geschäftsführer Jens Gozian am Beispiel des gastgebenden Unternehmens, der meurer Verpackungssysteme GmbH in Fürstenau, deutlich, dass eine De-Industrialisierung kein zwangsläufiger Prozess ist. Das Unternehmen entwickelt und produziert Verpackungsmaschinen für die Getränkeindustrie und ist international tätig. Der Erfolg des Betriebs seit Übernahme durch die US-amerikanische ITW-Unternehmensgruppe sei vor allem durch eine strikte Fokussierung nach dem sogenannten ITW Front-To-Back 80:20-Geschäftsmodell möglich gewesen. Danach entfallen rund 80 Prozent des Geschäfts auf wenige große Hauptkunden. „Nach der Übernahme des Unternehmens im Jahr 2013 hatte meurer rund 2.500 Kunden, heute sind es etwa 250“, so Gozian. Die enge Bindung an erfolgreiche, international tätige Kunden ermögliche eine verlässliche Auslastung und eine frühzeitige Einbindung in neue Projekte. Gleichzeitig investiere das Unternehmen kontinuierlich in Automatisierung und standardisierte Maschinenplattformen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die aus ehrenamtlich tätigen Unternehmerinnen und Unternehmern bestehenden IHK-Fachausschüsse Industrie, Energie und Umwelt sowie International treffen sich dreimal jährlich. Ihre Mitglieder tauschen sich regelmäßig mit Experten aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft aus und erarbeiten Positionen für die IHK-Vollversammlung.