Italien überzeugt durch hohe Wirtschaftsdynamik IHK-Ländersommerabend zeichnet neues Bild von Italiens Wirtschaft

„Während Deutschland weiterhin vor ungelösten Herausforderungen steht und wirtschaftlich schwächelt, hat Italien in den vergangenen Jahren sichtbar an wirtschaftlicher Dynamik gewonnen.“ Mit dieser Einschätzung eröffnete IHK-Präsident Uwe Goebel den IHK-Ländersommerabend „Italien“. Rund 100 Gäste waren der Einladung nach Osnabrück gefolgt.
Im Mittelpunkt des Abends standen die wirtschaftliche Entwicklung Italiens und die Perspektiven der deutsch-italienischen Zusammenarbeit. Italien zählt zu den fünf wichtigsten Auslandsmärkten für Unternehmen im IHK-Bezirk. Mehr als 300 Unternehmen aus der Region exportieren dorthin, über 200 importieren italienische Waren. Zugleich zeigen zahlreiche Investitionen die enge wirtschaftliche Verflechtung beider Länder. So gehört das Osnabrücker Unternehmen KME zur italienischen INTEK-Gruppe, während regionale Unternehmen wie Neuenhauser oder Hellmann in den vergangenen Jahren selbst in Italien investiert haben.
„Die Wirtschaftsbeziehungen verlaufen längst in beide Richtungen. Das zeigt, wie eng zwei der wichtigsten europäischen Volkswirtschaften miteinander verflochten sind“, sagte Goebel. Der europäische Binnenmarkt lebe davon, dass Handel und Investitionen grenzüberschreitend in beide Richtungen möglich seien. Dies gelte unabhängig davon, ob eine deutsche Fluggesellschaft eine italienische Airline übernehme oder ob italienische Unternehmen, auch Banken, in Deutschland investierten.
Hauptredner des Abends war Jörg Buck, Geschäftsführer der Deutsch-Italienischen Handelskammer (AHK Italien) in Mailand. Er zeichnete ein differenziertes Bild der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Italien habe nach der Pandemie schneller an Dynamik gewonnen als viele andere europäische Staaten und profitiere heute von einer positiven Grundstimmung bei Unternehmen und Verbrauchern – „weil in Italien mittlerweile konsequent ,Business first‘ gelebt wird“, so Buck.
„Italien hat gezeigt, dass wirtschaftliche Stärke nicht allein von der Größe eines Landes abhängt“, sagte Buck. Reformen, Investitionen sowie Fortschritte bei Infrastrukturprojekten und bei der Nutzung europäischer Fördermittel hätten dazu beigetragen, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu stärken. Gleichzeitig verwies er auf die weiterhin hohen Staatsschulden und den demografischen Wandel. Trotz dieser Herausforderungen trete Italien heute wirtschaftlich und politisch selbstbewusster auf als noch vor wenigen Jahren.
Buck warb zudem dafür, das Bild Italiens in Deutschland neu zu justieren. Neben Tourismus, Kulinarik und dem vielfach wahrgenommenen „Italian Sounding“ sei Italien in erster Linie ein bedeutender Industriestandort mit zahlreichen familiengeführten Unternehmen, die vielfach auch zu den Weltmarktführern gehörten. Gemeinsam bildeten Deutschland und Italien eines der stärksten industriellen Ökosysteme Europas.
Beim anschließenden Austausch nutzten die Gäste die Gelegenheit, Kontakte zu pflegen und über aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen in Europa zu diskutieren. Für italienisches Flair sorgten Mitglieder der Band „Ombre di Luci“.