IHK‑Konjunkturumfrage: „Kosten runter, Tempo rauf, Bürokratie weg“
Die wirtschaftliche Lage in der Region Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim bleibt angespannt. Zum Ende des ersten Quartals 2026 hat sich das Konjunkturklima erneut eingetrübt. Der IHK‑Konjunkturklimaindex sinkt gegenüber dem Vorquartal von 81 auf 79 Punkte und bleibt damit deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.
Die Entwicklung ist von gegenläufigen Tendenzen geprägt: Zwar hat sich die Bewertung der aktuellen Geschäftslage in Teilen stabilisiert, die Geschäftserwartungen haben sich jedoch spürbar weiter verschlechtert (Lage: +3 Saldenpunkte; Erwartungen: -6 Saldenpunkte gegenüber dem Vorquartal). Aktuell bewerten 15 Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut, 30 Prozent als schlecht. Deutlich kritischer fällt der Blick nach vorn aus: Nicht einmal jedes zehnte Unternehmen rechnet mit einer günstigeren Entwicklung, mehr als jedes dritte Unternehmen blickt skeptisch in die kommenden Monate.
Kein Aufschwung in Sicht
„Die Unternehmen sehen kaum belastbare Signale für einen Aufschwung“, erklärt IHK‑Hauptgeschäftsführer Marco Graf. „Viele Betriebe hatten ohnehin nur auf eine langsame Erholung gehofft – selbst diese Hoffnungen zerbröseln derzeit angesichts steigender Kosten und anhaltender Unsicherheit. Der Nahost‑Konflikt verschärft die ohnehin hohen Energie‑, Transport‑ und Materialkosten. Politisch brauchen wir jetzt echte Reformen statt Flickschusterei – und eine Wirtschaftspolitik, die die Probleme löst, anstatt sie nur zu verwalten.“
Besonders deutlich wird die Verunsicherung der Wirtschaft bei den Einschätzungen der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. 72 Prozent der Unternehmen stufen sie als Risiko ein – der zweithöchste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2012. Für viele Unternehmen summieren sich Kosten, Unsicherheit und fehlende Planungsperspektiven zu einem Gesamtbild, das unternehmerische Entscheidungen zunehmend ausbremst.
Steigende Energie- und Rohstoffpreise belasten
Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung sind die gestiegenen Energie‑ und Rohstoffpreise. Inzwischen stufen 70 Prozent der Betriebe diese als Risiko ein – ein Plus von 27 Prozentpunkten gegenüber dem Vorquartal. Dieser sprunghafte Anstieg steht in engem Zusammenhang mit der Eskalation im Nahen Osten. Wie eine ergänzende Blitzumfrage der IHK jüngst gezeigt hat, spüren rund 80 Prozent der Unternehmen diese Auswirkungen bereits im Tagesgeschäft.
Lage in den Branchen Industrie , Bau, Handel und Dienstleistungen
Auf Branchenebene zeigt sich ein zwar differenziertes, insgesamt jedoch gedämpftes Bild. In der Industrie stabilisiert sich die Lage, die Erwartungen bleiben jedoch deutlich negativ; 76 Prozent nennen steigende Energie‑ und Rohstoffpreise als Risiko. Die Bauwirtschaft weist trotz noch positiver Lagewerte einen stark eingetrübten Ausblick auf. Besonders unter Druck steht der Handel, der mit einem Lagesaldo von -44 Punkten den niedrigsten Wert seit 2003 erreicht. Die Lage im Dienstleistungssektor bleibt insgesamt angespannt; insbesondere das Verkehrsgewerbe bewertet die Lage erneut besonders schlecht.
Unternehmen benötigen schnelle Entlastungen
„Die Botschaft der Unternehmen in Richtung Politik ist eindeutig: Kosten runter, Tempo rauf, Bürokratie weg“, so Graf. Aus Sicht der IHK braucht es deshalb rasch spürbare Entlastungen, damit Unternehmen wieder investieren können. Voraussetzung dafür sind dauerhaft niedrigere Energiepreise – insbesondere durch eine Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß und eine breiter wirksame Entlastung bei Strom und Gas. Zudem müssen Arbeitskosten und steuerliche Belastungen sinken – mit rascheren und entschiedeneren Schritten bei den Unternehmenssteuern als bislang geplant. Nicht zuletzt braucht es einen konsequenten Abbau von Bürokratie und Berichtspflichten sowie schnellere Genehmigungs‑ und Planungsverfahren, damit Investieren und Bauen wieder spürbar einfacher und schneller möglich werden.
„Wichtige Reformvorschläge liegen auf dem Tisch – nicht zuletzt auch bei den Themen Gesundheit und Sozialstaat. Die Politik braucht jetzt den Mut zur Umsetzung. Deutschland wird sich ein weiteres Jahr Stillstand nicht leisten können“, so Graf.
Weitere Informationen und detaillierte Ergebnisse der Umfrage sind unter www.ihk.de/osnabrueck/konjunkturbericht (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 378 KB) (Nr.: 7037258) abrufbar.