IHK-Tourismusausschuss fordert: Tourismuswirtschaft als Wirtschafts- und Standortfaktor stärker anerkennen

„Die Politik muss dringend mehr Vertrauen und unternehmerische Freiheit schenken. Bürokratieabbau heißt konkret, jetzt Kontroll- und Dokumentationspflichten in unserer Branche zu reduzieren“, forderte Wolfgang Hackmann, Vorsitzender des IHK-Fachausschusses Tourismus und Geschäftsführer der Hackmann Hotels GmbH & Co. KG, in der jüngsten Sitzung des Ausschusses. „Mehr Freiräume für die Betriebe bedeuten mehr Kreativität, Innovation und Investitionen. Nur so bleibt der Tourismus leistungsfähig und wirkt stabilisierend auf die Gesamtwirtschaft.“ Der Unternehmer sieht insbesondere bei Dokumentationspflichten wie Hygienevorschriften, Reinigungszyklen und Arbeitszeiten dringenden Handlungsbedarf. Auch die Abschaffung des Hotelmeldescheins für internationale Gäste wäre eine Erleichterung. Bürokratieabbau ist essenziell, um Betriebe zu entlasten und ihnen wieder mehr Gestaltungsfreiheit zu geben.
Mit mehr als 46,1 Millionen Übernachtungen im Jahr 2024 zählt Niedersachsen zu den führenden Urlaubsdestinationen in Deutschland. Rund 330.000 Arbeitsplätze sind direkt oder indirekt mit der Tourismuswirtschaft verbunden. Gleichzeitig fördert sie Identifikation und Lebensqualität vor allem im ländlichen Raum. Als tragende Säule mit wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz für die Region muss die Tourismuswirtschaft als Wirtschafts- und Standortfaktor mehr Anerkennung erhalten.
Der Appell an die Politik ist klar: Die Betriebe benötigen weniger Bürokratie und mehr Planungssicherheit. Die im Koalitionsvertrag vorgesehenen tourismusrelevanten Maßnahmen, wie die Einführung der Wochenhöchstarbeitszeit, müssen nun zügig umgesetzt werden. „Weitere Belastungen durch zum Beispiel steigende Arbeitskosten oder neue Abgaben wie Beherbergungs- oder Verpackungssteuern sind unbedingt zu vermeiden, um den Betrieben Luft zum Atmen zu lassen“, betonte Hackmann.
Über die europäische Tourismuspolitik informierte Jonas Wöll, Referatsleiter Digitaler Binnenmarkt, EU-Verkehrspolitik und Regionale Wirtschaftspolitik bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). „Die Überarbeitung der Pauschalreiserichtlinie begleiten wir als DIHK sehr eng. Die Neugestaltung muss verhältnismäßig und wirtschaftsfreundlich erfolgen. Vor allem eine Begrenzung der Vorauszahlung auf 25 Prozent bis kurz vor Reiseantritt sowie die Zeitregelung zur Definition einer Pauschalreise bewerten wir kritisch“, erläutert Wöll. Die Anfang Dezember erzielte vorläufige Einigung, die unter anderem klarere Begriffsdefinitionen sowie neue Regelungen zu Stornierungen und Abbrüchen enthält, muss vom Parlament und Rat noch formell angenommen werden. Dies wird voraussichtlich Anfang 2026 erfolgen. Weitere Themen des Vortrags waren die neue EU-Strategie für nachhaltigen Tourismus, die Verhandlungen zum nächsten EU-Haushalt sowie die Entzerrung von Ferienspitzenzeiten.
„Die Tourismuswirtschaft muss als stabilisierender Standortfaktor und als Motor für Regionalentwicklung mehr Anerkennung erhalten. Dazu gehört auch, das Förderangebot für die Tourismuswirtschaft transparent zu gestalten. Der Abruf muss unbürokratisch und bedarfsgerecht möglich sein. Nur so können Fördermittel als Teil einer gestaltenden Tourismuspolitik wirken und zur Entwicklung attraktiver, leistungs- und zukunftsfähiger Tourismusstandorte beitragen. Dafür setzen wir uns gemeinsam mit der DIHK ein“, erläutert Anke Schweda, Geschäftsbereichsleiterin Standortpolitik bei der IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim.
Der aus ehrenamtlich tätigen Unternehmerinnen und Unternehmern bestehende IHK-Fachausschuss Tourismus trifft sich dreimal jährlich. Zu den Sitzungen werden regelmäßig Experten aus der Tourismusbranche, Politik oder Wissenschaft eingeladen.