IHK-Exportbarometer Herbst 2025: Anhaltende Schwäche im Außenhandel
Die anhaltend schwierigen globalen Rahmenbedingungen sowie eine zunehmende Unsicherheit auf wichtigen Absatzmärkten setzen das Auslandsgeschäft der regionalen Wirtschaft weiter unter Druck. In den ersten acht Monaten des Jahres 2025 exportierten die Unternehmen im IHK-Bezirk Waren im Wert von rund 6,5 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Rückgang von -8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Diese Ergebnisse hat die IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim jetzt in ihrem aktuellen Exportbarometer (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 877 KB) zum Herbst 2025 veröffentlicht.
„Die Dynamik des Außenhandels bleibt schwach. Während das Land Niedersachsen im selben Zeitraum ein Exportplus von 4,6 Prozent und der Bund immerhin noch einen leichten Zuwachs von 0,7 Prozent verzeichnen konnten, trifft unsere Region die globale Schwächephase offenbar deutlich stärker“, erläutert Frank Hesse, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs International.
Bis 2022 sei der Export aus der Region stärker gestiegen als in Land und Bund. Seit dem Start des Ukraine-Kriegs sei diese überdurchschnittliche Entwicklung abgerissen. Während sich seitdem der Exportzuwachs in Bund und Land verlangsamt habe, gingen die Exporte aus der Region deutlich zurück. Das hänge zum einen an dem weitgehenden Verlust des russischen Marktes, der für die regionalen Unternehmen seit jeher hohe Bedeutung habe. Zum anderen hätten energieintensive Branchen seither besondere Wettbewerbsnachteile. Daher mussten gerade Unternehmen aus der Herstellung von Metallerzeugnissen, dem Maschinenbau, dem Fahrzeugbau oder der Papierindustrie Umsatzrückgänge hinnehmen – Bereiche also, die besonders stark unter hohen Energiekosten leiden. Gerade diese hätten allerdings in der Vergangenheit zu einem Gutteil des Exporterfolgs der Region beigetragen.
Auch die rückläufige Zahl der von der IHK ausgestellten Ursprungszeugnisse und weiteren Außenhandelsdokumente gebe Anlass zur Sorge. Mit knapp 17.000 Dokumenten bis Ende Oktober liege das Niveau leicht unter dem Vorjahr und verdeutliche die gedämpfte Aktivität im internationalen Warenverkehr.
„Die Exporterwartungen der regionalen Wirtschaft haben sich im Vergleich zum Frühjahr nochmals eingetrübt“, sagt Hesse. In der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage rechneten lediglich 6,2 Prozent der Unternehmen mit steigenden Auslandsumsätzen, während 28,9 Prozent von einem Rückgang ausgingen. Der Saldo der Exporterwartungen sank damit von -12,1 im Frühjahr auf nun -22,7. „Die Unternehmen sehen sich mit einer schwankenden internationalen Nachfrage sowie mit wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten in vielen Weltregionen konfrontiert.“ Umso wichtiger sei die Erschließung neuer Märkte. In diesem Zusammenhang verwies Hesse auf die aktuellen Entwicklungen rund um das EU-Mercosur-Abkommen. Die ursprünglich für das kommende Wochenende vorgesehene Unterzeichnung sei kurzfristig auf Januar verschoben worden, da auf EU-Ebene bislang keine qualifizierte Mehrheit erreicht worden sei. Hintergrund seien weiterhin Vorbehalte in einzelnen Mitgliedstaaten wie Frankreich oder Italien. „Unabhängig vom verschobenen Zeitplan zeigt die Debatte, dass Lateinamerika und insbesondere Brasilien als Wirtschafts- und Absatzraum weiter an Bedeutung gewinnen“, betont Hesse. Ein Zustandekommen des Abkommens könnte mittelfristig neue Chancen für exportorientierte Unternehmen aus der Region eröffnen.
Das IHK-Exportbarometer ist abrufbar unter www.ihk.de/osnabrueck (Dok.-Nr. 6831174).