Produktionseinschränkungen laut IHK-Umfrage deutlich gestiegen

Die Energiekrise stellt Unternehmen aller Branchen und Größenklassen weiter vor enorme Herausforderungen. Dies zeigen die Ergebnisse einer aktuelle IHK-Umfrage (PDF-Datei · 1596 KB) zum Thema Energie vom Januar 2023, die IHK-Präsident Uwe Goebel jetzt regionalen Unternehmen kurz und bündig im neuen IHK-Format „Energie-Espresso“ vorgestellt hat.
38 Prozent der Unternehmen haben aufgrund der Energiekrise ihre Produktion bzw. ihr Angebot eingeschränkt. „Das ist besorgniserregend hoch“, so Goebel vor den mehr als 50 teilnehmenden Unternehmerinnen und Unternehmern. Branchenübergreifend habe sich dieser Wert im Vergleich zum Vorquartal nahezu verdoppelt. Fast alle Unternehmen setzten inzwischen Maßnahmen zur Reduzierung der Energiekosten um. Entscheidend sei allerdings, dass große Energieeinsparungen im Wesentlichen nur durch die Reduzierung der wirtschaftlichen Leistung erzielt werden konnten. „Das bedeutet am Ende Wertschöpfungsverluste für unsere Region. Die Energiepreisentwicklung gefährdet unsere Wirtschaft damit in ihrer Substanz“, so der IHK-Präsident. Das verdeutliche auch das Insolvenzrisiko, das sich mit 23 Prozent weiter auf hohem Niveau bewegt. Daher sehe er auch keinen Grund zur Entwarnung in der Energiekrise.
Besonders von Einschränkungen betroffen ist zzt. die Industrie. Hier gaben 24 Prozent der Unternehmen an, Kapazitätsverlagerungen ins Ausland zu erwägen. Zwar habe gerade die Industrie ihre Erwartungen bei Energieeinsparungen übertroffen und hohe Energieeinsparungen erzielt, aber dies gehe bei 28 Prozent mit massiven Produktionseinschränkungen einher. „Das sind alles Anzeichen von Deindustrialisierung. Diese spiegeln sich vielfach in Umstrukturierungen beim Personal: So wurden etwa Arbeitszeiten reduziert und Kurzarbeit eingeführt“, so Goebel.
Leichte Entspannung in der Energiekrise vermeldet die IHK dagegen beim Thema Energieverträge. Mittlerweile bekommt ein Großteil der Unternehmen wieder Angebote von den Versorgern. Im Jahr 2022 hatten diese aufgrund der stark gestiegenen Energiepreise Verträge gekündigt oder auslaufen lassen, ohne dass die Unternehmen Anschlussangebote erhalten hätten. Im 4. Quartal waren bei nahezu der Hälfte aller Unternehmen die Energieverträge ausgelaufen. Davon hatten 70 Prozent kein neues Vertragsangebot. Dieses Verhältnis hat sich nun umgedreht: 70 Prozent der Unternehmen, bei denen Energieverträge ausgelaufen sind, haben im 1. Quartal 2023 nun Vertragsangebote erhalten.
Insgesamt halten die Unternehmen in der Wirtschaftsregion die politischen Maßnahmen des Bundes und des Landes für nicht ausreichend. Dies betrifft vor allem die Rückholung und den Weiterbetrieb von konventionellen Kraftwerkskapazitäten, aber auch die stärkere Nutzung heimischer Energieressourcen. Ausnahme ist in diesem Kontext der beschleunigte Bau von LNG-Terminals, welcher von drei Viertel der Befragten positiv bewertet wird.