Viele Ausbildungsplätze in der Region unbesetzt

Lediglich etwas mehr als die Hälfte (61 %) der regionalen Unternehmen konnte im vergangenen Ausbildungsjahr alle seine angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Hiervon sind besonders Unternehmen aus den Bereichen Gastgewerbe, Industrie, Verkehr/Transport/
Logistik, IT sowie Handel betroffen. Dies ist eines der Ergebnisse der Ausbildungsumfrage der IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim, an der sich jetzt rund 240 Ausbildungsbetriebe aus der Wirtschaftsregion beteiligt hatten. Als Hauptursachen für die Besetzungsprobleme sehen die Unternehmen den Mangel an geeigneten Bewerbern. Rund 40 % der Betriebe mit unbesetzten Ausbildungsplätzen gaben zudem an, erst gar keine Bewerbungen erhalten zu haben. Bei 16 % wurde der Vertrag vorzeitig durch die Auszubildenden gelöst und in 6 % der Fälle wurden die Plätze nicht angetreten.
„Die duale Ausbildung bietet Vorteile für Jugendliche und Unternehmen. Betriebe sichern durch Auszubildende ihren Fachkräftenachwuchs. Schulabgänger bekommen einen qualifizierten Berufseinstieg und eine gute Perspektive für ihre berufliche Karriere. Gerade weil die Berufsorientierung in der Pandemie zu kurz kam, informieren wir Jugendliche und junge Erwachsene über neue Formate und soziale Medien noch intensiver über Berufswege und Karrierechancen mit einer Ausbildung“, erläutert Juliane Hünefeld-Linkermann, IHK-Geschäftsbereichsleiterin Aus- und Weiterbildung.
Um Jugendlichen wieder mehr Praxiserfahrungen zu ermöglichen, haben viele Ausbildungsbetriebe ihr Engagement im Bereich der Berufsorientierung verstärkt. Sie bieten verschiedene Formate an: Über die Hälfte der Ausbildungsunternehmen beteiligt sich an Veranstaltungen wie einem Tag der offenen Tür oder dem Girl‘s Day/Boy‘s Day (54 %) und erhöht die Anzahl der Praktikumsplätze für Schüler (52 %). Auch digitale Informationsangebote wie etwa virtuelle Speeddatings oder Messen werden von knapp einem Drittel der Unternehmen angeboten. Rund ein Viertel entsendet „Ausbildungsbotschafter“ in die Schulen, also Auszubildende, die auf Augenhöhe aus ihrem Arbeitsalltag im Betrieb berichten, um für die duale Berufsausbildung zu werben.
„Der Rückgang an Schulabgängern und der Trend zum Studium erschweren es vielen Unternehmen, geeignete Bewerber zu finden. Die Konkurrenz der Ausbildungsbetriebe um die besten Köpfe wächst. Wir möchten daher die guten Karrierechancen mit einer Berufsausbildung noch stärker in den Fokus junger Menschen rücken. Die Unternehmen bieten für Auszubildende immer attraktivere Rahmenbedingungen“, erklärt Hünefeld-Linkermann. Dabei setzen die Unternehmen vor allem auf flache Hierarchien im Betrieb (61 %), eine moderne IT-Technik (55 %) und finanzielle sowie materielle Anreize (38 %).
Aktuell plant die Bundesregierung eine Ausbildungsgarantie, nach der Jugendliche auch außerhalb von Betrieben in ihrem Wunschberuf ausgebildet werden können. Mehrheitlich stimmen die Befragten in den Unternehmen gegen die Einführung einer solchen Ausbildungsgarantie (83 %). Die Gründe hierfür sind vielfältig: Es gibt die Sorge, dass außerbetrieblich Qualifizierte nicht dem Bedarf der Praxis entsprechen (44 %). 14 % der Betriebe suchen dringend Auszubildende und befürchten mit Einführung einer Ausbildungsgarantie noch weniger Bewerbungen zu erhalten. Jeweils 9 % der Unternehmen gaben an, dass schulschwache Jugendliche bessere Karrierechancen hätten, wenn sie im Betrieb ausgebildet würden und dass Einstiegsqualifizierungen (EQs) und andere Unterstützungsmaßnahmen besser seien als außerbetriebliche Ausbildungen. 8 % der Befragten sind der Meinung, dass Jugendliche mehr Praktika machen sollten, da sie damit leichter einen Ausbildungsplatz im Betrieb finden würden. Lediglich 16 % der Befragten befürworteten die Ausbildungsgarantie. Aus ihrer Sicht habe jeder Jugendliche die Chance auf seinen Wunschberuf verdient oder in der Region werden zu wenig Ausbildungsplätze vermutet.
Die IHK vermittelt bei Bedarf Kontakte zu beispielhaften Unternehmen, die ihre Ausbildungsattraktivität in den letzten Jahren gesteigert haben, um ihre Ausbildungsplätze zu besetzen.