Regionale Wirtschaft weiter im Konjunktur-Tal

Die konjunkturelle Erholung in der Wirtschaftsregion Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim wird weiter von der hohen Inflation, den Lieferengpässen sowie den Folgen des Ukraine-Krieges gebremst. Der IHK-Konjunkturklimaindex verbessert sich zwar leicht, liegt mit 80 Punkten aber weiter deutlich unterhalb des langjährigen Durchschnitts von 108 Punkten. Diese Kernergebnisse ihrer aktuellen Konjunkturuntersuchungen stellten die IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim und Creditreform Osnabrück/Nordhorn jetzt gemeinsam vor.
Zwar stellt sich die aktuelle Lage demzufolge noch überwiegend gut dar und kann sich gegenüber dem Vorquartal leicht verbessern. 23 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuellen Geschäftszahlen per Saldo positiv (fünf Prozentpunkte mehr als bei der Frühjahrsumfrage). „Insbesondere die kontaktintensiven Dienstleistungsbereiche konnten nach dem überwiegenden Ende der pandemiebedingten Restriktionen Fahrt aufnehmen. Zudem sorgten die Entlastungspakete der Bundesregierung für eine gewisse Stabilisierung der konjunkturellen Entwicklung“, erläutert IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf.
Im Zuge dieser Entwicklung mussten im ersten Halbjahr 2022 vergleichsweise wenige Unternehmen in Deutschland Insolvenz anmelden. Nach den Daten der Creditreform Wirtschaftsforschung waren es knapp drei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum und sogar 25 Prozent weniger als vor der Pandemie. Die aktuelle Situation der Unternehmensausfälle in der Region stellt sich mit einer Ausfallquote von 0,81 Prozent und 239 Unternehmen sogar besser dar als auf Bundesebene mit einer Ausfallquote von 1,06 Prozent. Die relativ höchsten regionalen Ausfälle sind in den Bereichen Energie (8 Ausfälle), Bau (34), Gastgewerbe (17) sowie im Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung (8) zu finden. Verbesserungen gab es im letzten Halbjahr im Bereich Verkehr und Lagerei sowie in der Informationsbranche, wohingegen sich die Ausfallquoten in der Industrie von 0,39 auf 0,69 Prozent und im Energiebereich von 0,57 auf 1,11 Prozent verschlechtert haben.
„Für die nahe Zukunft geben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wenig Anlass für Optimismus“, so Graf und Trojahn mit Blick auf die Geschäftserwartungen. Ein wesentlicher Grund hierfür seien weiterhin bestehende Lieferengpässe. Nachdem diese bereits seit einigen Monaten ein erhebliches Problem für die regionalen Unternehmen darstellten, habe sich die Situation im Sommer 2022 weiter verschärft. Demzufolge müssten 72 Prozent der Unternehmen längere Wartezeiten aufgrund fehlender Vorprodukte in Kauf nehmen. 19 Prozent der Betriebe müssten ihre Produktion drosseln oder gar stoppen (Ende 2021: 15 Prozent), 18 Prozent neue Aufträge ablehnen (Vorumfrage: 14 Prozent).
Alles in allem rechnen per Saldo 49 Prozent der Unternehmen mit schlechteren Geschäften in den kommenden Monaten (Vorquartal: 54 Prozent). Das hat Auswirkungen auf die Investitionspläne, die im Zuge der wirtschaftlichen Unsicherheiten zurückgehen. Für deutlich mehr Unternehmen als zuletzt stellt auch die Finanzierungssituation eine Herausforderung dar. Gaben in der Vorumfrage nur fünf Prozent der Betriebe an, dass ihre Finanzierung ein Konjunkturrisiko darstellt, so antworten aktuell zwölf Prozent der Unternehmen entsprechend.
„Die Auswirkungen der Pandemie und das aktuelle Kriegsgeschehen finden sich in der momentanen Ausfallsituation noch nicht wieder – doch die Verzerrungen auf Lieferantenseite und die Preissteigerungen werden wir früher oder später auch in den Ausfallstatistiken und damit in echt zu spüren bekommen“, mahnt Trojahn zur Vorsicht. „Gerade jetzt ist Unternehmertum gefragt, um sich trotz der düsteren Wolken sowie Gefahren auf Abnehmer- und Lieferantenseite aktiv auf die aktuelle Lage einzustellen und die Chancen für die Zukunft zu nutzen“.
Graf ergänzt: „Kluge wirtschaftspolitische Entscheidungen sind aktuell nötiger denn je. Prioritär muss sein, die Belastungen durch mögliche Versorgungsengpässe bei Energie und insbesondere beim Gas sowie steigende Energiekosten für die Unternehmen so gering wie möglich zu halten. Viele Unternehmen arbeiten zudem bereits mit Nachdruck daran, ihren Energieverbrauch zu senken und ihre Energieversorgung auf eine nachhaltigere Basis umzustellen. Hierfür braucht die Wirtschaft seitens der Politik verlässliche, langfristig planbare Rahmenbedingungen und Instrumente.“
Hintergrund: Die IHK-Konjunkturumfrage zum 2. Quartal 2022 wurde vom 20. Juni bis zu 7. Juli 2022 durchgeführt. 326 Unternehmen nahmen an der Umfrage teil. Ergebnisse und Grafiken zu den einzelnen Branchen können dem IHK-Konjunkturbarometer (PDF-Datei · 249 KB) entnommen werden.