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Nr. 7158698
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Kapital, das im Kreislauf bleibt

Viel Zuspruch fand Ende 2025 unser IHK-Regionalforum Afrika, bei dem Marktchancen und Praxiserfahrungen im Mittelpunkt standen. Dort stellte sich auch die fair equity gGmbH aus Osnabrück vor. Im Juni letzten Jahres berichteten wir in unserem Magazin über die Neugründung. Inzwischen gibt es erste Erfolge.
OSNABRÜCK | Die fair equity gGmbH wurde 2024 mit einem Startkapital von 2 Mio. Euro von Karsten Wulf (ehemals buw) gemeinsam mit den Unternehmern Bert Mutsaers (Bedford GmbH), Gunnar Sander (Sander Pflege GmbH) und Bernd Schmidt-Ankum (Leiber GmbH) gegründet. Seither beteiligt sie sich an afrikanischen Start-ups und mittelständischen Unternehmen. Das Besondere: Rendite, Dividenden oder Exits werden nicht an Spender ausgeschüttet, sondern neu investiert. Mit einem Teil der Gewinne werden Sozialprojekte unterstützt. „So entsteht ein Kreislauf, der immer wieder aufs Neue wirkt“, heißt es.
_ Frau Flohr, Sie betreuen das Fundraising und die Startups. Was ist seit dem Beginn im Jahr 2025 passiert?
Viel. Im November haben wir unsere erste Beteiligung, Medpharma, abgeschlossen. Per App sichert sie die gesundheitliche Versorgung: mit KI-gestützter Diagnostik, ärztlichen Online-Konsultationen und der Lieferung von Medikamenten. Im März haben wir uns an Skin Gourmet beteiligt. Das Unternehmen stellt essbare Naturkosmetik her, die die Gründerin inzwischen in über 30 Länder vertreibt. Dahinter stehen mehrere Kooperativen, darunter eine von über 130 Frauen im Norden Ghanas, die für Sheabutter produzieren. Auch an der Schokoladenfirma fairafric sind wir beteiligt. ­Deren komplette Wertschöpfungskette ist in Ghana.
_ Wie und mit welcher Zielsetzung bringt sich fair equity in die Beteiligungen ein?
Primär geht es uns immer darum, Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum zu schaffen. Angesichts der jungen und wachsenden Bevölkerung ist das unser Kernanliegen. Afrika ist der jüngste Kontinent der Welt, und es wird viel zu wenig dort investiert: Auf den Kontinent entfallen rund 18 % der Weltbevölkerung, aber nur etwa 0,6 % des weltweiten Wagniskapitals.
_ Wie finden Sie Ihre Beteiligungen, wie funktioniert das Matching mit den afrikanischen Unternehmen?
Wir greifen viel auf unser Netzwerk vor Ort zurück, auf Inkubatoren und private Investoren, machen aber auch Ausschreibungen. Startup-Ökosysteme sind immer eine kleine Blase. Bevor wir investieren, durchlaufen die Unternehmen aus unserer Pipeline eine strenge Due Diligence. Wir sichern uns rechtlich und bei den Finanzplänen ab, soweit man das bei Wagniskapital machen kann, treffen die Gründerinnen und Gründer und schauen uns die Betriebe an. Ein gewisses Risiko bleibt natürlich immer.
_ Was war Ihr größter Lerneffekt seit dem Start?
Startups dort haben Hürden, über die hier niemand diskutieren müsste. Eine Lieferung bleibt aus, weil die nicht asphaltierte Straße mal wieder überschwemmt ist. Die Produktion muss angehalten werden, weil der Strom über Tage ausfällt und der Generator kaputt ist. Je länger man die Startups begleitet, desto mehr braucht man Partner, die vor Ort unterstützen können. Das schönste Learning ist aber, dass wir selbst diesen Kontinent chronisch unterschätzen. In Afrika wirken die Entwicklungsschritte größer. Plötzlich werden industrielle Epochen übersprungen, und man ist im digitalen Zeitalter angekommen: Bargeld ist Schnee von gestern, alle nutzen Mobile-Money-Apps.
_ Was sind die Ziele für die kommenden Jahre?
Wir wollen bis 2030 rund 10 Mio. US-Dollar investieren und damit mindestens 10 000 Arbeitsplätze schaffen, deren Einkommen ­oberhalb der Armutsgrenze liegen. Allein in unserem ersten Jahr konnten wir knapp 1 Mio. Euro an Spenden einsammeln und in drei Beteiligungen rund 650 000 US-Dollar investieren. Unsere Idee verfängt schnell, vor allem bei Unternehmerinnen und ­Unternehmern, die ihr eigenes Unternehmertum als das wirksamste Werkzeug begreifen, um Wohlstand und Wohlbefinden zu schaffen.
_ Können sich weitere Unternehmen einbringen?
Sehr gern. Als Spender, mit unternehmerischem Know-how ­für unsere Beteiligungen oder mit Kontakten in afrikanische ­Märkte. Wer Interesse hat, meldet sich einfach bei uns.

Dr. Beate Bößl
Öffentlichkeitsarbeit, Wirtschaftspolitik, International
Projektleiterin Öffentlichkeitsarbeit