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Nr. 7189732
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Im Titelinterview: Georg Dobelmann

Unser Titelinterview führten wir mit Georg Dobelmann, der 1987 seine erste „Posten-Börse“ in Nortrup in der Samtgemeinde Artland eröffnete. 1997 kam mit der „Expo-Börse“ ein Sonderposten-Großhandel hinzu. Heute betreibt die Unternehmensgruppe – immer noch vom Hauptsitz Ankum aus – mehr als 80 Einzelhandelsmärkte überwiegend in Norddeutschland und beschäftigt mehr als 1200 Mitarbeiter, darunter 35 Auszubildende.
_ Konsumzurückhaltung, steigende Kosten und harter Wettbewerb. Wie erleben Sie die aktuelle Situation, Herr Dobelmann?
Die wirtschaftliche Lage ist zweifellos angespannt und für zahlreiche Handelsunternehmen eine Herausforderung. Unser Geschäftsmodell ist jedoch in gewisser Weise krisenresistent. Wenn Verbraucher stärker auf ihr Budget achten müssen, gewinnen günstige Angebote an Attraktivität. Davon profitiert der Postenhandel traditionell. Gleichzeitig haben wir auch in wirtschaftlich besseren Zeiten eine treue Kundschaft. Unsere Umsätze bewegen sich aktuell flächenbereinigt sogar leicht über dem Vorjahr. Hinzu kommt ein weiterer Trend: Viele Menschen kaufen wieder bewusster vor Ort ein, anstatt für jeden Einkauf weite Strecken zurückzulegen. Das stärkt den regionalen Handel.
_ Welche Strategien haben sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten besonders bewährt?
Unsere größte Stärke ist die Flexibilität. Anders als viele klassische Händler sind wir nicht an starre Sortimente gebunden. Wir können unser Angebot laufend anpassen. Derzeit beobachten wir zudem, dass uns außergewöhnlich viele Sonderposten angeboten werden. Das ist häufig ein Zeichen dafür, dass andere Unternehmen Absatzprobleme haben. Für uns ergeben sich daraus attraktive Einkaufsmöglichkeiten. Gleichzeitig zeigt diese Entwicklung aber auch, dass viele Branchen aktuell unter Druck stehen. Daran kann niemand ein Interesse haben, denn eine starke Wirtschaft lebt davon, dass möglichst viele Unternehmen erfolgreich sind.
_ Hat sich das Kunden-Kaufverhalten verändert?
Ja, sehr deutlich. Verbraucher vergleichen heute intensiver und schauen genauer auf die Preise. Besonders bei höherpreisigen Artikeln merken wir eine größere Zurückhaltung. Viele Menschen überlegen sorgfältiger, wofür sie ihr Geld ausgeben. Günstige Produkte und attraktive Angebote sind wichtiger geworden als noch vor einigen Jahren. Sparsamkeit gehört derzeit für viele zum Alltag.
_ Wie bewerten Sie die Entwicklung von Plattformen wie Temu oder Shein?
Diese Anbieter haben den Wettbewerb verändert. Problematisch ist aus meiner Sicht vor allem die Frage der Chancengleichheit. Unternehmen in Deutschland und Europa müssen umfangreiche Vorschriften, Prüf- und Dokumentationspflichten erfüllen. Wenn Produkte aus anderen Teilen der Welt diese Anforderungen ignorieren, entsteht ein Ungleichgewicht. Wettbewerb ist wichtig und gehört zur Marktwirtschaft. Die Spielregeln müssen aber für alle gleich gelten. Deshalb halte ich eine konsequente Kontrolle und faire Rahmenbedingungen für unverzichtbar.
_ Sie sind nicht nur Händler, sondern auch Eigentümer zahlreicher Gewerbeimmobilien. Wie erleben Sie die Lage Ihrer Mieter?
Dort zeigt sich die wirtschaftliche Situation unmittelbar. Einige Unternehmen stehen deutlich stärker unter Druck als noch vor wenigen Jahren. Manchmal kommt es zu Mietrückständen, und dann sucht man gemeinsam nach Lösungen. Die Gespräche verdeutlichen, wie vielfältig die Herausforderungen in unterschiedlichen Branchen sind. Auch wenn unsere eigenen Unternehmen bislang stabil unterwegs sind, betrachte ich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung mit Sorge.
_ Wie gelingt es dem stationären Handel, jüngere Zielgruppen zu erreichen?
Jüngere Generationen informieren sich anders, vergleichen intensiver und nutzen digitale Kanäle selbstverständlich. Das ist keine Bedrohung, sondern eine Realität, auf die sich Händler einstellen müssen. Wer seine Kunden dort erreicht, wo sie unterwegs sind, hat auch künftig gute Chancen. Gleichzeitig bleibt ein großer Vorteil des stationären Handels bestehen: Produkte können ausprobiert und verglichen werden. Gerade bei beratungsintensiven Sortimenten ist das wichtig. Schwieriger wird es – gerade für den Fachhandel –, wenn Kunden sich ausführlich beraten lassen und dann online bestellen.
_ Sie haben die Nachfolge geregelt. Wie wichtig ist das Thema für inhabergeführte Unternehmen?
Es gehört zu den wichtigsten unternehmerischen Aufgaben überhaupt. Ich habe mich vor mehr als zehn Jahren intensiv damit beschäftigt und Führungskräfte gezielt aufgebaut. Mein Neffe Jens Diersing gehört ebenso dazu wie weitere langjährige Führungskräfte unseres Hauses. Sie kennen das Unternehmen und die Abläufe und werden künftig Verantwortung übernehmen. Natürlich bringt jede Generation neue Sichtweisen und Ideen mit. Das ist gut und notwendig, denn Märkte verändern sich ständig. Ich bin überzeugt, dass die Posten-Börse für die Zukunft gut aufgestellt ist.
_ Wie wird der Handel in Zukunft aussehen?
Der Wandel wird sich beschleunigen. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass der Postenhandel auch langfristig gute Perspektiven hat. Der entscheidende Vorteil ist, dass wir nicht auf einzelne Warengruppen festgelegt sind, sondern unser Sortiment an neue Trends und Kundenbedürfnisse anpassen können. Erfolgreich werden aber nicht in erster Linie die Unternehmen mit den meisten Standorten sein, sondern die mit guten Mitarbeitern und Führungskräften sowie klarem Kundenverständnis.
_ Welche Empfehlungen geben Sie anderen Handelsunternehmen mit auf den Weg?
Stillstand bedeutet Rückgang! Patentrezepte gibt es nicht. Jede Branche und jeder Standort hat eigene Herausforderungen. Entscheidend ist, Veränderungen früh zu erkennen und sich weiterzuentwickeln. Wer seine Kunden versteht und neue Wege geht, schafft die Basis für langfristigen Erfolg.

_ Sie haben auf Instagram inzwischen nahezu 100 000 Follower. Welche Rolle spielt Social Media für Ihr Unternehmen?
Eine sehr große. Die Entwicklung hat mich selbst überrascht. Angefangen hat alles mit einzelnen Videos. Heute sehen wir konkret, welchen Einfluss Social Media auf die Nachfrage haben kann. Wenn wir Produkte in Videos vorstellen, reagieren Kunden oft unmittelbar. Deshalb bin ich überzeugt, dass Plattformen wie Instagram, TikTok oder Facebook für den Handel immer wichtiger werden. Digitale Kanäle gewinnen gegenüber klassischen Werbeformen zunehmend an Bedeutung.
_ Werden Sie künftig auch selbst vor der Kamera stehen?
Nicht dauerhaft. Entscheidend ist nicht die Person Georg Dobelmann, sondern die Kommunikationsform. Bewegtbild ist heute einer der wichtigsten Kanäle, um Kunden zu erreichen. Menschen interessieren sich für Geschichten, Emotionen und echte Einblicke. Daher bauen wir weitere Mitarbeiter auf, die künftig in den Sozialen Medien präsent sein werden.
_ Gezeigt werden nicht nur Produkte, sondern auch persönliche und unternehmerische Einblicke. Warum funktioniert das so gut?
Weil Menschen mehr sehen möchten als reine Werbung. Authentizität ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Die Nutzer interessieren sich für die Menschen hinter einem Unternehmen und für die Geschichten aus dem Alltag. Viele meiner Videos entstehen spontan und zeigen das, was tatsächlich passiert. Genau das schafft Nähe und Glaubwürdigkeit.
_ Welche Inhalte kommen besonders gut an?
Interessanterweise häufig die Beiträge über den eigentlichen Postenhandel. Viele finden es spannend zu erfahren, wie Waren eingekauft werden, wie Verhandlungen ablaufen oder wie Geschäfte per Handschlag entstehen. In unserem Geschäft spielen persönliche Kontakte, Verhandlungsgeschick und langjährige Beziehungen eine große Rolle. Diese Einblicke stoßen auf großes Interesse.
_ Sie engagieren sich auch beim Fursten Forest. Was passiert dort aktuell?
Dort laufen mehrere größere Projekte parallel. Gemeinsam mit der Stadt Fürstenau wird der ehemalige Kasernenbereich für die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen umgebaut. Und wir arbeiten an der gewerblichen Weiterentwicklung des Geländes, für das bereits Interesse von Unternehmen besteht. Hinzu kommen die Planungen für einen Windpark. Solche Projekte benötigen allerdings einen langen Atem. Genehmigungsverfahren und Abstimmungsprozesse dauern oft Jahre. Gerade die Bürokratie ist aus meiner Sicht einer der größten Hemmschuhe für Investitionen und Entwicklung in Deutschland.
Tschüssikowski aus Ankum!
Gerhard Dallmöller
Standortentwicklung, Innovation und Energie
Projektleiter Handel und Stadtmarketing