Hausärzte – ein Standortfaktor

Die hausärztliche Versorgung in der Region steht vor großen Herausforde­rungen. Stellen neu zu besetzen ist schwierig. Parallel steigt die Belastung der vorhandenen Ärzte. Dabei ist gerade eine verlässliche Gesundheits­versorgung ein zentraler Standortfaktor.

IHK-Datenanalyse zeigt Ist-Werte auf

Unsere IHK analysierte jetzt Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) und des Gleichwertigkeitsberichts 2024 des Bundeswirtschaftsministeriums. Deutlich wird die angespannte Lage anhand der hausärztlichen Versorgung: Schon heute gibt es Planungsgebiete der KVN, in denen jeder zweite Hausarzt über 63 Jahre alt ist. In den nächsten fünf bis zehn Jahre droht ­damit ein massiver Übergang in den Ruhestand, mit deutlichen Folgen für die verbleibenden Mediziner, deren Belastung schon heute steigt. Die Zahlen aus dem Gleichwertigkeitsbericht 2024 zeigen zudem, dass zwischen 2012 und 2022 die Zahl der Einwohner je Hausarzt spürbar zunahm – am stärksten in Osnabrück. Dort stieg die ­Relation um mehr als 12 % – von 1 377 auf 1 546 Einwohner pro Arzt.

Es droht ein sinkender Versorgungsgrad

Bleiben Hausarztsitze unbesetzt, sinkt der Versorgungsgrad. Fällt er unter 75 %, gilt eine Region nach Definition der Kassenärztlichen Bundesvereinigung als unterversorgt. Die IHK-Region weist derzeit eine heterogene Situation auf: In allen Planungsbereichen liegt der Versorgungsgrad zwischen 75 und mindestens 110 %, was formal einer Normal- bzw. Überversorgung entspricht. Dennoch steuern Teilregionen auf Lücken zu. Besonders kritisch ist die Lage in Melle mit dem niedrigsten Versorgungsgrad von 79,8 %. Hier drohen ­längere Wartezeiten und weitere Wege für Patienten. Eine Modellrechnung, die die Leibniz Universität Hannover im Auftrag der KVN durchgeführt hat, prognostiziert für die gesamte ­Region bis 2035 eine deutliche Unterversorgung.

Gegenmaßnahmen sind dringend notwendig

Aus ökonomischer Sicht wiegt diese Entwicklung schwer. Gesundheitsversorgung wird zunehmend zum Standortfaktor im Wett­bewerb um Fachkräfte: Familien und Unternehmen achten bei ­Lebens- oder Investitionsentscheidungen verstärkt auf die Qualität der medizinischen Infrastruktur. Um eine verlässliche Versorgung sicherzustellen sind Gegenmaßnahmen daher dringend erforderlich. Dazu zählt zum einen die Förderung von Nachwuchsmedizinern. Hier ist die geplante medizinische Hochschule in Osnabrück ein wichtiger Schritt für die Region. Zum anderen sind die Unterstützung neuer Praxis- und Arbeitsmodelle, der Aufbau regio­naler Gesundheitszentren, digitale Versorgungslösungen sowie ein gezieltes Standortmarketing erforderlich. Nur eine abgestimmte Strategie sichert langfristig die medizinische Basisversorgung und wirtschaftliche Attraktivität der Region.
Katja Sierp
Standortentwicklung, Innovation und Energie
Projektleiterin für Tourismus und Gesundheitswirtschaft