Nachfolgeprozesse - Alarmstufe Rot

Für den neuen DIHK-Report „Unternehmensnachfolge 2025“ wurden 50 000 Beratungen ausgewertet, die die bundesweit 79 IHKs im Jahr 2024 mit Unternehmen und Übernahmekandidaten geführt haben. Besonders auffällig: Nur ein Viertel der potenziellen Übernehmenden ist weiblich.
Die Analyse der DIHK in Berlin zeigt eine alarmierende Entwicklung für den deutschen Mittelstand. Trotz einer Rekordzahl von 9 600 Nachfolgeberatungen im Jahr 2024 steht nur eine deutlich kleinere Gruppe potenzieller Übernehmer zur Verfügung. Die Lücke zwischen abgebenden Unternehmern und Nachfolgern liegt bei über 5 600 Unternehmen so viele Betriebe könnten in den kommenden Jahren mangels Nachfolge schließen.
Im Gastgewerbe und im Handel ist die Lage besonders angespannt. Hier übersteigt das Angebot an Unternehmen die Nachfrage sogar um mehr als das Dreifache – in der Verkehrsbranche sogar um das Vierfache. Aber auch bei den Dienstleistern und in der IT-Branche sind gut doppelt so viele Unternehmen im Angebot, wie sich Interessenten in der IHK-Beratung melden.
Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig. Der demografische Wandel sorgt dafür, dass immer mehr Inhaber aus Altersgründen abgeben möchten, während die jüngere Generation oft nur eingeschränktes Interesse an der Unternehmensübernahme zeigt. Allerdings lässt sich laut DIHK-Report damit allein die immer größere Übernahmelücke nicht erklären. Mittlerweile mehr als zwei Jahre Rezession hinterlassen immer deutlicher ihre Spuren auch im Mittelstand. Die schleppende Konjunktur und ein schwieriges Geschäftsumfeld machen es den Unternehmen vielfach schwieriger, Nachfolgende zu finden. Höhere Preise für Energie, Beschäftigte und Rohstoffe treiben die Gesamtkosten in die Höhe. Hinzu kommen steigende Belastungen durch komplizierte Regelungen und Bürokratie sowie die Verunsicherung über die wirtschaftliche Zukunft. Und: Der Mangel an Fachkräften erschwert nicht nur die Neuausrichtung von Unternehmen, er macht es auch für eigentlich geeignete Nachfolge-Interessierte einfacher, gute Konditionen in risikoärmeren Arbeitnehmertätigkeiten auszuhandeln.
Der DIHK-Report empfiehlt, die Nachfolge frühzeitig zu planen, geeignete Nachfolgerinnen und Nachfolger gezielt zu suchen – auch außerhalb der Familie – und insbesondere Frauen stärker zu berücksichtigen. Wichtig sei es, die Nachfolger aktiv einzubinden, Verantwortung zu übertragen und sie praxisnah zu qualifizieren. Ein klar strukturierter Übergabeprozess mit transparenter Kommunikation, definierten Rollen und professioneller Beratung erhöht die Erfolgschancen.
Enno Kähler
Unternehmensgründung und -förderung
Projektleiter