75 Jahre Emslandplan: Eine immense Dynamik

Am 5. Mai 1950 beschloss der Bundestag einstimmig den Antrag zur „Erschließung der Ödländereien des Emslandes“. Gespeist vor allem aus Bundes- und Landesmitteln erhielt das Vorhaben 2,1 Mrd. DM. Dies war die Initialzündung einer beispiellosen Entwicklung.

Eine Region mit “Macher”-Mentalität

Der „Emslandplan“ hat die gesamte Region zu dem gemacht, was sie ist – eine Boom-Region mit Macher-Mentalität. 75 Jahre nach Beginn des Emslandplans und 35 Jahre nach dessen Ende hat die Emsländische Landschaft e. V. für die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim ein Jubiläumsjahr initiiert, indem es darum geht, den „Emslandplan“ und seine Verdienste ins Bewusstsein zu rücken. Die Auftaktveranstaltung fand jetzt im Emslandmoormuseum in Groß Hesepe statt. In Vorbereitung und Einstimmung des Jahres wurde zudem die Publikation „75 Jahre Emslandplan“ veröffentlicht, die in 75 Beiträgen den Emslandplan und dessen Wirkung aufgreift.

Ein Plan für den gesamten “Wirtschaftsraum Emsland”

Der „Wirtschaftsraum Emsland“ – anders als der 1977 gegründete Landkreis – erstreckte sich über das Gebiet der damaligen Landkreise Aschendorf-Hümmling, Grafschaft Bentheim, Lingen und Meppen. Darüber hinaus wirkte der Emslandplan teils in den Landkreisen Bersenbrück, Cloppenburg, Leer und Vechta und sogar im Ammerland bis fast nach Oldenburg. Vor der Erschließung galt die Region mit ihren Moorgebieten als „Armenhaus“ Deutschlands. Zwar hatte es im 19. und 20. Jahrhundert erste Bemühungen zur Moorkultivierung gegeben, doch weit gekommen war man nicht. Auch der Einsatz von Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen, den Moorsoldaten, änderte daran nichts. Nach dem 2. Weltkrieg war die Not in der Bevölkerung noch größer. Auch hegten die Niederlande Begehrlichkeiten. Eine Rolle für die niederländischen Ideen könnten auch die 1942 bei Dalum entdeckten Ölvorkommen gespielt haben. All dies waren Triebfedern für den Emslandplan.

Erst umgepfügt - dann neu gewachsen

Nachdem der Plan initiiert war, wurde 1951 die Emsland GmbH gegründet, die den Plan betreute. Fortan wurde die Landwirtschaft gefördert und wurden u.a. mit den riesigen ­Ottomeyer-Pflügen (S. 31) Ödlandflächen und trockengelegte Moore „umgebrochen“. Es wurden Industrie und Gewerbe angesiedelt, deren Ausbau forciert und die Offenheit für neue Technologien gestärkt. 1989 endete der Emslandplan offiziell. Bis 1991 wurde die Emsland GmbH aufgelöst. Gerhard Hugenberg, letzter Geschäftsführer der Emsland GmbH, zog 1991 die Bilanz: „Das Emsland ist kein Armenhaus mehr“. Allerdings war dies nicht das Ende der dynamischen Wirtschaftsentwicklung. Der Emslandplan hat eine Mentalität geschaffen, die die Region bis heute prägt. So sind der Betrieb der Testanlage des Transrapids, der „Lückenschluss A 31“ oder die Umnutzung des NINO-Geländes in Nordhorn Beispiele dafür. (pr)

Unsere Tipps für mehr Informationen

Besuchen Sie unbedingt einmal das Emsland Moormuseum in Geeste-Groß Hesepe und schauen Sie sich dort den Ottomeyer-Pflug an. Dank seines Ausmaßes konnte Moor umgepflügt und neu nutzbar gemacht werden. Kleines Zusatzwissen aus Wikipedia: Ottomeyer ist der Name eines ehemaligen Familienunternehmens der Landmaschinentechnik aus Ostwestfalen-Lippe, dessen Gründungswurzeln im Jahr 1866 liegen. Wenn man sich heute überlegt, wie großartig ist, was damals erfunden wurde: Man weiß Innovationen und „Machermentalität“ zu schätzen.
Und: Der NDR hat dazu einen sehr sehenswerten Beitrag, den wir gern empfehlen. (bö)



Frank Hesse
Öffentlichkeitsarbeit, Wirtschaftspolitik, International
Stv. Hauptgeschäftsführer, Geschäftsbereichsleiter