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Tourismus - wie die Profis ihn stärken
Volle Hotels, gut besuchte Veranstaltungen, lebendige Innenstädte und Freizeitangebote, die Gäste aus nah und fern anziehen: Tourismus prägt unsere Region weit stärker, als vielen bewusst ist. Wir haben mit drei unterschiedlichen Unternehmen über Kooperationen, Wettbewerb und Standortfaktoren gesprochen.
Tourismus - ein Motor der Regionalentwicklung
Hinter jedem Aufenthalt stehen Unternehmen, die investieren, Arbeitsplätze schaffen und Fachkräfte ausbilden. Damit ist die Tourismuswirtschaft nicht nur ein wichtiger Standortfaktor, sondern auch ein bedeutender Motor für die Regionalentwicklung. Ein Blick auf die Zahlen aus dem „Wirtschaftsfaktor Tourismus 2024“, den DIHK, Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft und Deutscher Tourismusverband Ende 2025 herausgegeben haben, unterstreicht diese Bedeutung: Die Tourismuswirtschaft trägt rund 4 % zur direkten Bruttowertschöpfung bei, mehr als 290 Mrd. Euro gaben Reisende 2024 in Deutschland aus und 2,7 Mio. Menschen arbeiten in der Branche.
Ein Wachstum von 10 % in 10 Jahren
Auch die Region Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim profitiert von einer starken Tourismuswirtschaft. Rund 11 000 Menschen arbeiten hier im Gastgewerbe, ohne vor- und nachgelagerte Branchen mitzurechnen, und knapp 500 junge Menschen bilden die Unternehmen in den verschiedenen IHK-Berufen des Gastgewerbes aus. In den vergangenen 10 Jahren hat sich die Beschäftigtenzahl mit einem Wachstum von 10 % positiv entwickelt. Parallel dazu entwickeln sich auch die Gästezahlen positiv: Mit mehr als 5,7 Mio. Übernachtungen wurde 2025 ein neuer Rekord erreicht.
Bereits die reinen Zahlen beeindrucken. Noch mehr tun dies die Unternehmen, die den Erfolg ermöglichen und dafür sorgen, dass Gäste gerne (wieder) in die Region kommen. Mit ihren Ideen und ihrem Mut, auch in schwierigen Zeiten an das touristische Potenzial zu glauben und entgegen der Entwicklungen weiter zu investieren, haben sie die Region zu einem der Top-Reiseziele in Niedersachsen entwickelt.
Freizeit-Vielfalt am Alfsee
Einer der Erfolgsträger ist die Alfsee GmbH. 1980 gegründet, betreibt die GmbH heute mehrere und unterschiedliche Einrichtungen am Alfsee. Darunter das Ringhotel Alfsee Piazza mit 46 Zimmern, den Campingplatz inklusive der Mietunterkünfte, das Alfen Saunaland und verschiedene Gastronomieeinrichtungen. Mit diesem umfangreichen Angebot ist die Alfsee GmbH der größte touristische Leistungsträger im Osnabrücker Land. Ein besonderes Highlight am Alfsee: der 2018 fertiggestellte Themenpark mit Ferienhäusern im Stil eines germanischen Dorfes und ein Abenteuerspielplatz. „Mit dem ‚Germanenland‘ wollen wir unseren Gästen nicht nur eine Übernachtungsmöglichkeit bieten, sondern Erlebnisse schaffen, die in Erinnerung bleiben und den Alfsee als Urlaubsziel unverwechselbar machen“, erklärt Michael Schrey, Geschäftsführer der Alfsee GmbH.
Imposant: Der Alfsee mit seinem umfassenden Freizeitangebot, zu dem zahlreiche Ferienhäuser gehören.
Das Konzept geht auf. Für das laufende Jahr rechnet Schrey damit, am Alfsee erneut annähernd 200 000 Übernachtungen zu erreichen. Seit den ersten Ferienhäusern Ende der 1970er Jahre und der Eröffnung des Campingplatzes 1980 wurde das Angebot kontinuierlich ausgebaut, zuletzt durch die 30 Häuser im Themenpark Germanenland. Die steigenden Übernachtungszahlen zeigen, dass das Konzept bei Gästen gut ankommt.
Stark durch Zusammenarbeit
„Unsere Quellmärkte liegen im Umkreis von 50 bis 100 km mit klarem Schwerpunkt auf dem nördlichen Ruhrgebiet“, berichtet Michael Schrey. Gleichzeitig betont er, dass der Tourismus am Alfsee nur als Partnerschaft funktioniert, so dass der Erfolg des Standortes nicht auf der Alfsee GmbH gründe. In enger Zusammenarbeit mit Axel Torbecke, Geschäftsführer der Alfsee Wasserski GmbH, und Dirk Janssen, Geschäftsführer der Bullermeck-Alfsee Spielscheunen und Freizeitanlagen GmbH, sei ein Urlaubsparadies entstanden, dass für jede Generation und jeden Anspruch etwas zu bieten hat. Einzelne Betriebe, so Schrey, könnten zwar Akzente setzen. Aber um im Wettbewerb um Gäste zu bestehen ist das Zusammenspiel der einzelnen Anbieter ausschlaggebend: „Gäste nehmen den Alfsee und die Angebote als Gesamtprodukt wahr. Wenn wir das gemeinsam gut machen, bleibt für jeden ein gutes Stück vom Kuchen übrig.“
Tourismusangebot: „Visitenkarte des Standortes“
Dass ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kooperation und Wettbewerb ein entscheidender Erfolgsfaktor für den Tourismus sein kann, betont auch Wolfgang Hackmann, Geschäftsführer der Hackmann Hotels GmbH & Co. KG und Vorsitzender im IHK-Fachausschuss Tourismus. „Das touristische Angebot ist auch die Visitenkarte eines Standortes. Mit einer attraktiven Mischung aus qualitativem und quantitativem Angebot können mehr Gäste erreicht werden. Davon haben dann Hotellerie, Gastronomie und Freizeiteinrichtungen gleichermaßen etwas.“ Und der Unternehmer spricht aus über 30-jähriger Erfahrung. Der Grundstein für die Hackman Hotels wurde 1986 mit der Übernahme des Parkhotels Meppen gelegt. Bis Ende 2026 wird das Unternehmen elf Häuser mit insgesamt 820 Zimmern im Emsland, der Grafschaft Bentheim und dem Münsterland umfassen und rund 240 Mitarbeiter beschäftigen.
Neues Hotel “Konnex Inn” erkennt Zukunftspotenzial
Direkt an Nordhorns Bahnhof und nur wenige Gehminuten von der Innenstadt entfernt befindet sich das jüngste Haus der Hotelgruppe: das Konnex Inn. Erst im November 2025 eröffnet, fällt die Bilanz der ersten Monate sehr positiv aus: „Unser Konzept an diesem Standort geht auf. Trotz eines eher ruhigen Winters erfüllt die Auslastung bisher unsere Erwartungen, sodass wir positiv auf die nächsten Monate blicken“, ordnet Hackmann die ersten Monate des Hauses ein. Entscheidend für den Standort Nordhorn und die Grafschaft Bentheim war, das Potenzial als Wirtschafts- und Tourismusstandort. Mit dem Projekt „Innenstadt am Wasser“ und dem dazugehörigen Stadthafen entsteht in der Innenstadt von Nordhorn bis Ende 2027 ein Anziehungspunkt mit hoher Aufenthaltsqualität, Erlebnischarakter und überregionaler Strahlkraft. „Nordhorn unterstreicht mit diesem Großprojekt klar seine Zukunftsperspektive als starker Wirtschaftsstandort mit hoher Aufenthaltsqualität. Eine Entwicklung mit positiven Effekten auch für unseren Betrieb“, freut sich Hackmann.
Hafenatmosphäre in Lingen
Ein kühles Getränk und einen Snack in Hafenatmosphäre genießen? Das ist am Alten Hafen in Lingen möglich. Ende Mai wurde die Hafenpromenade mit dem R-Café und dem Steakhouse „Kaiserkind“ offiziell eröffnet. Und auch das Trapezhaus und das Speichergebäude sind fertiggestellt und die Mieter eingezogen. Die nautischen Koordinaten am Eingang des R-Cafés deuten an, dass die direkte Lage am Wasser eine wichtige Rolle bei der Standortauswahl hatte. „Der Alte Hafen ist ein besonderer Ort, dessen Potenzial wir mit dem R-Café sichtbar machen und für alle erlebbar gestalten“, erläutert Sami Taha. Er betreibt das Café, das eines von insgesamt neun ist und zur Extrablatt Family | CE Franchise GmbH mit Sitz in Emsdetten gehört. Das R im Namen, verrät er, sei als kreatives Element zu verstehen, das in Worten wie R-lebnis der R-holen genutzt werde. Das Café am Hafen verfügt über rund 200 Sitzplätze im Innen- und noch einmal 250 Sitzplätze im Außenbereich.
Wasser(licht)-Spiele: Einen neuen touristischen Anlaufpunkt bietet der Alte Hafen in Lingen mit u.a. dem R-Café (linkes Gebäude).
Branche braucht dringend weniger Bürokratie
Alfsee, Konnex Inn und R-Café: Die drei Unternehmen aus unserer Region stehen beispielhaft für die regionale Tourismuswirtschaft, die mit ihren starken Unternehmen und attraktiven Angeboten Einheimische und Gäste gleichermaßen überzeugt. Was von außen nicht sichtbar ist: Der Himmel über der Tourismusbranche ist bewölkt. Damit sich die Branche weiter nachhaltig entwickeln kann und ihr Potenzial als tragende Säule der regionalen Wirtschaft voll ausschöpfen kann, sind spürbare Entlastungen notwendig. Gleichzeitig gilt es, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen.
In der „Digitalstadt Ahaus“: Wolfgang Hackmann (l.) und Carla Gundlach (M.) Vorsitzende der IHK-Fachausschüsse Tourismus und Handel.
Welche Potenziale digitale Lösungen für Tourismus, Handel und die Entwicklung der Innenstädte bieten, diskutierten die IHK-Fachausschüsse Handel und Tourismus kürzlich bei einer gemeinsamen Sitzung in der „Digitalstadt Ahaus“. „Handel und Tourismus wachsen immer stärker zusammen. Von digitalen Lösungen profitieren beide Branchen gleichermaßen“, fasste Carla Gundlach, Vorsitzende des IHK-Fachausschusses Handel und Geschäftsführerin der bi-markt Bürobedarfsgesellschaft mbH & Co. KG, zusammen. Einen Einblick, was die Unternehmen derzeit am stärksten belastet, liefert die Auswertung der Regionaldaten der Saisonumfrage der IHK Niedersachsen (IHKN) mit Zahlen für unsere IHK-Region auf der Seite 17. Impulse zur Förderung der Tourismuswirtschaft können die geplanten Tourismusstrategien auf Bundes- und Landesebene liefern. Klar ist: Nur wenn die Politik deutliche Entlastungen durchsetzt und mehr Vertrauen in unternehmerisches Handeln setzt, wird die Branche ihre Gastfreundschaft weiter zeigen und damit Besucherinnen und Besucher überzeugen können.
Kontakt
Gerhard Dallmöller
Standortentwicklung, Innovation und Energie
Projektleiter Handel und Stadtmarketing