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Im Titelinterview: Christian Freiherr von Landsberg-Velen
Christian Freiherr von Landsberg-Velen, studierter Manager für Tourismus und Freizeitwirtschaft, leitet seit Juni 2021 in dritter Generation die Ferienzentrum Schloss Dankern GmbH & Co. KG. Mit 1,2 Mio. Gästen im Jahr 2025 ist der 1971 gegründete Betrieb Deutschlands größter Familien-Ferienpark. Wir sprachen mit dem 38-jährigen Vater von drei Söhnen über die Herausforderung der Nachfolge und die Erfolgsgeheimnisse der Familie.
_ Ihre Sommersaison ist eröffnet. Was würden Sie sagen, ist das Besondere an Ihrem Freizeitpark?
Unsere Philosophie ist es, unseren Freizeitpark „mit den Augen der Kinder zu sehen“ und unsere Angebote konsequent darauf auszurichten. Daher bieten wir vor allem Freiheit und Erlebnisse für die Zielgruppe der Kinder von zwei bis elf Jahren. Wir stehen für gemeinsame Zeit mit der Familie – und damit für Zufriedenheit und viel Lachen für alle. Dass wir damit auf dem richtigen Weg sind, zeigt der hohe Anteil an Stammgästen: 80 % unserer Besucherinnen und Besucher urlauben zwei bis dreimal im Jahr bei uns. Diese Freude jeden Tag zu erleben und Familien so glücklich zu sehen, ist für uns enorme Motivation. Wenn Kinder beim Abschied Tränen in den Augen haben, weil sie nicht gehen möchten, ist das für uns das schönste Feedback und Ansporn zugleich.
_ In den vergangenen fünf Jahren haben Sie 16,8 Mio. Euro in den Park investiert. Warum sind diese Investitionen so wichtig?
Unsere kleinen und großen Gäste verlassen sich darauf, dass sie jedes Jahr eine neue Spiel- oder Sportattraktion erwartet. Diese entwickeln wir mit Partnern in der Region individuell und setzen sie von November bis März um. In diesem Jahr ist die europaweit einzigartige autonome Treckertour neu, bei der Kinder die Fahrzeuge selbst steuern dürfen. 2025 waren es die Indoor-Spielewerft und der Abenteuerspielplatz Feenwald.
_ Das erfordert auch großen Mut, oder?
Unsere Investitionen erfordern strategischen Mut und präzise Planung – besonders, weil wir sie in der kurzen Winterpause umsetzen müssen. Wir entwickeln neue Ideen im Laufe des Jahres. Aber für die Baumaßnahmen haben wir nur in der Winterpause Zeit – das ist enorm sportlich. Denn zu Saisonbeginn muss alles fertig sein. Hier hilft uns die enge Zusammenarbeit mit den Behörden vor Ort. Gemeinsam nach Lösungen zu suchen, empfinde ich als sehr unterstützend und gut. Aus dem Stadtgebiet Köln kenne ich das anders: langwierig und kompliziert. Trotzdem braucht man ein gutes Management und starke Nerven, damit alles zum Saisonstart fertig ist.
_ Spielt die Politik hier eine Rolle? Was wünschen Sie sich?
Vor Ort bin ich mit der Politik zufrieden. Sie hat Verständnis für unsere Bauanträge und unterstützt. Der Blick nach Berlin ist eher ernüchternd: Die Lohnnebenkosten sind zu hoch und zahlreiche Berichtspflichten der Behörden sind echte Zeitfresser. Fördermittel sollten besser abgeschafft und stattdessen Steuern gesenkt werden. Da wäre Deutschland einen großen Schritt weiter und wir als Unternehmer könnten freier agieren.
_ Seit fast sechs Jahren führen Sie mit Ihrer Frau Stephanie und Ihren Eltern Caroline und Friedrich-Wilhelm die Geschicke von Schloss Dankern.
Dieser Übergabeprozess ist vielschichtig, ich nenne gerne zwei Elemente: Meine Lebensphase für den Einstieg passte und drei entscheidende Faktoren stimmten. Dies sind meine berufliche Erfahrung aus anderen Betrieben, die Unterstützung meiner Familie und das Gefühl, als Gesellschafter Verantwortung tragen zu können und zu wollen. Zusammen mit meinen Eltern haben wir uns seit 2018 intensiv auf diesen Einstieg vorbereitet und uns jeden Monat getroffen, um alle Aufgaben zu kennen, klare Verantwortlichkeiten zu definieren und Zeitbedarfe zu priorisieren. Vor Ort und im operativen Geschäft ist es vor allem eine Frage des konsequenten „Übernehmen-Wollens“ und des „Loslassen-Könnens“.
_ Wie gelingt Ihnen das gemeinsam?
Das gelingt uns gut. Auch weil mir klar ist: Wenn ich Entscheidungen treffe und Fehler mache, muss ich dafür auch einstehen. Für Erfolge gilt das natürlich genauso. Für diese Haltung bin ich meinen Eltern sehr dankbar! Von ihnen habe ich auch den respektvollen Umgang, die Wertschätzung und das Vertrauen im Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übernommen. Und das Wichtigste: Man darf sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Als Fazit würde ich sagen: Gut vorbereitet in die Fußstapfen der Eltern zu treten und eine Familientradition fortzusetzen, das motiviert und verpflichtet zugleich.
_ Mit der Nachfolge ist auch die Personalführung von knapp 50 Festangestellten und 500 Saison-, Kurzzeit- und Minijobbern verbunden. Das ist viel Personalverantwortung. Wie gehen Sie damit um?
Natürlich musste ich in das Aufgabenspektrum hineinwachsen. Auch hier haben mir meine Eltern immer geholfen und tun es bis heute. Die Zusammenarbeit mit einem externen Mentor hat mir geholfen, meine Führungsrolle klar zu definieren – für mich unverzichtbar, da ich so neutralen Support bei Strategie, Personal und Organisation erhalte. Gleichzeitig galt für alle zu lernen, dass ich jetzt in der Verantwortung bin und im beruflichen Umfeld nicht das Kind meiner Eltern.
_ Was konnten Sie aus der Arbeit mit dem Mentor und aufgrund Ihrer vorherigen beruflichen Erfahrungen schon umsetzen?
Ich habe eine konkrete Idee, wie ich führen möchte: Wertschätzung für jeden Mitarbeiter steht für mich im Vordergrund. Mein Führungsstil basiert auf Wertschätzung und Dialog. Dazu stehe ich unserem Team mit einer „Open-Door-Politik“ zur Seite und setze auf konkrete Verbesserungen. So haben wir eine Wunschliste eingeführt. Mitarbeitende können ihre Ideen einbringen, wie neues Mobiliar, verbesserte Laufwege oder Beschilderungen. Von den 300 Ideen haben wir 2025 rund 280 umgesetzt. Denn den besten Blick auf die Bedarfe der Kunden haben unsere Mitarbeitenden vor Ort.
_ Das klingt nach einer guten Ausgangslage. Neben den sichtbaren Attraktionen für die Gäste: Was sind die größten Veränderungen, seitdem Sie in Führung sind?
Natürlich habe ich mich um Digitalisierung gekümmert. Durch digitale Buchungs- und Check-In-Systeme reduzieren wir Wartezeiten und entlasten unsere Mitarbeiter, damit diese wiederum mehr Zeit für unsere Gäste haben. Unser Internetauftritt ist neu und wir sind viel mehr in den sozialen Medien unterwegs. Wir haben ein neues Logo entwickelt und auf dem Gelände ist unser Team in roten Oberteilen mit Logo für alle gut erkennbar. Insofern leben wir unsere Corporate Identity sichtbar und in Werten.
_ Ein Blick in die Zukunft des regionalen Tourismus. Was sehen Sie?
Da muss ich differenzieren: Der Trend zum Urlaub vor Ort wird zunehmen. Auch wird sich das Emsland als Fahrraddestination behaupten. Das ist gut. Aber: Große internationale Investoren drängen in den Markt und fluten ihn mit „Urlaub von der Stange“. Für eher kleine Einzel- und Familienunternehmen ist das eine Herausforderung. KI ist ein Gamechanger und wird die Art, Reisen zu planen und zu buchen, radikal verändern. Darauf müssen wir uns vorbereiten – sehr dynamisch und mit maximaler Flexibilität.
_ Was heißt das für Schloss Dankern?
Natürlich werden wir jedes Jahr Schloss Dankern weiterentwickeln und in die Erhaltung unseres Parks investieren. Mit der Anzahl unserer Ferienhäuser sind wir sehr zufrieden, denn es passt zum Gesamtkonzept. Das Gastwohl muss stimmig bleiben und das bedeutet vor allem, dass sich unsere Gäste bei uns wohlfühlen.
Kontakt
Anke Schweda
Standortentwicklung, Innovation und Energie
Geschäftsbereichsleiterin, Mitglied der Geschäftsführung