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GemeinsamGrenzenlosHandeln
„Vor allem der Außenhandel hat uns in den vergangenen Jahren unseren Wohlstand beschert.“ Das erklärte IHK-Präsident Uwe Goebel auf dem IHK-Neujahrsempfang, der unter dem Motto #GemeinsamGrenzenlosHandeln stand. Dass das Erfolgsmodell fortgesetzt werden kann, setzt allerdings offene Grenzen und neue Freihandelsabkommen voraus.
„Wer Wachstum will, der muss Außenhandel wollen“, betonte IHK-Präsident Uwe Goebel beim IHK-Neujahrsempfang im Alando Ballhaus (siehe S. 24). Daher unterstütze die IHK das Auslandsengagement der Betriebe aus der Region unter anderem mit Veranstaltungen, Beratungen und mit Delegationsreisen. Es sei aber vor allem auch politische Rückendeckung wichtig. Denn weltweit nehme der Protektionismus zu, neue Handelshemmnisse würden errichtet, Märkte abgeschottet: „Wer jetzt an Donald Trump und seine Zollpolitik denkt, dem sage ich: richtig, aber nicht vollständig. Denn leider sitzen wir hier im Glashaus. Unsere Europäische Union ist beim Thema Freihandel kein Vorbild. Tatsächlich zählt die EU zu den am stärksten regulierten und geschützten Wirtschaftsräumen der Welt.“
Es braucht Freihandel
Umso wichtiger sei es, die Märkte zu öffnen, um den internationalen Austausch zu befördern. Freihandelsabkommen bieten dafür Chancen, kommen jedoch nur schleppend voran. Ein Beispiel ist Malaysia: Die Verhandlungen über ein Abkommen zwischen der EU und dem südostasiatischen Staat begannen bereits im Jahr 2010, wurden 2012 ausgesetzt und erst im vergangenen Jahr wieder aufgenommen – bislang ohne greifbares Ergebnis. Ähnlich zäh verliefen die Prozesse mit anderen Regionen: Mit dem Mercosur-Abkommen begannen die Verhandlungen im Jahr 2000, der Abschluss kam erst im Januar 2026, mehr als ein Vierteljahrhundert später. Die Verhandlungen mit ASEAN, dem Verband Südostasiatischer Nationen, oder Indien starteten 2007. Hier gab es - kurz vor Redaktionsschluss - erst am 27. Januar 2026 einen Abschluss.
Auf dem Neujahrsempfang diskutierte der IHK-Präsident mit Nds. Ministerpräsident Olaf Lies, Susanne Gellert, President & CEO der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer New York, und Bernard Krone, Aufsichtsratsvorsitzender der Krone Gruppe in Spelle, in einem Speed-Talk u. a. über internationale Märkte und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Deutlich wurde, dass die USA trotz aller Zoll-Turbulenzen ein hoch relevanter Markt für deutsche Unternehmen bleiben. Daneben ist aber auch die Erschließung neuer Märkte wichtig.
Hohe Dynamik in Asien
Das gilt besonders für Märkte in Asien. Dort ist die Dynamik spürbar höher als in vielen etablierten europäischen Absatzmärkten. Genau dieses Bild bestätigte die IHK-Delegationsreise nach Singapur und Malaysia im vergangenen Jahr.
Dieses Fotos entstand auf der IHK-Delegationsreise und zeigt die Petronas Towers in Kuala Lumpur.
Delegationsteilnehmer Bernard Storm, CEO der August Storm GmbH & Co. KG aus Spelle, fasst seine Eindrücke so zusammen: „Mich hat beeindruckt, mit welcher Klarheit und Energie Singapur seine Rolle als Tigerstaat und internationaler Hub ausfüllt – und wie spürbar Malaysia als Tiger auf dem Sprung an Dynamik gewinnt.“ Gerade die Kombination beider Stationen sei wertvoll: Singapur als etablierter Knotenpunkt für Innovation und Handel, Malaysia als Wachstumsmarkt mit hohem Tempo.“ Für ihn als deutschen Mittelständler sei der persönliche Austausch vor Ort ein entscheidender Hebel: „Weil er Einblick gibt und aus Gesprächen nächste Schritte für Kooperationen und Markteintritte greifbar werden.“
Auch Hanna Sandmann, neue Geschäftsführerin der Purplan GmbH in Wallenhorst (s. auch S. 8), nahm positive Eindrücke von der Reise mit: „Die IHK-Delegationsreise nach Malaysia und Singapur war für uns ein entscheidender Türöffner, um relevante Marktteilnehmer kennenzulernen und ein tiefes Verständnis für die wirtschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen vor Ort zu gewinnen“, sagt die Unternehmerin. Die gewonnenen Einblicke und Kontakte hätten maßgeblich dazu beigetragen, dass sich Purplan für den Aufbau eines eigenen Büros in der Region entschieden habe. „Im Anschluss der Delegationsreise habe ich vor Ort noch Bewerbungsgespräche mit vielen motivierten und sehr gut qualifizierten Fachkräften geführt. Daher befinden wir uns aktuell bereits in der Einstellung unseres ersten Mitarbeiters vor Ort“, berichtet Hanna Sandmann.
Südamerika birgt ein hohes Wachstumspotenzial
Auch südamerikanische Märkte bieten hohes Wachstumspotenzial. Schon jetzt sind etwa 120 Unternehmen aus der Region im Export oder Import mit Brasilien aktiv, knapp 70 Unternehmen unterhalten Handelsbeziehungen mit Argentinien. Mit dem gerade abgeschlossenen und ratifizierten EU-Mercosur-Abkommen wurde ein bedeutender Schritt für eine tiefere Kooperation getan. Das Abkommen ist für viele regionale Unternehmen auch aus unserer Region etwa in den Branchen Agrartechnik & Ernährungswirtschaft sowie Maschinenbau vorteilhaft.
Zu den Unternehmen, die von einer Öffnung profitieren werden, gehört auch die Krone-Gruppe. Seit gut zehn Jahren arbeitet Krone dort mit der Unternehmensgruppe Bouwman zusammen, die Krone-Technik importiert, ein Servicenetz aufgebaut hat und seit 2023 sogar ein eigenes Trainingszentrum in Castro betreibt. Der Import von Landmaschinen ist allerdings wegen hoher Einfuhrzölle teuer, daher würde das Abkommen Impulse beim Absatz z. B. in Brasilien bringen.
Gab beim IHK-Neujahrsempfang 2026 Einblick in den Welthandel: Bernard Krone, Aufsichtsratsvorsitzender der Krone-Gruppe.
Ähnliche Impulse wären von einem Freihandelsabkommen mit Indien, der bevölkerungsreichsten Nation der Welt, zu erwarten. Ein für dieses Jahr erhoffter Abschluss würde insbesondere für exportorientierte Betriebe aus unserem IHK-Bezirk mehr Planungssicherheit und einen erleichterten Marktzugang bieten. Bereits heute exportieren knapp 150 Unternehmen aus der Region nach Indien, 44 Unternehmen importieren von dort. Als eine von 18 India Desk Kammern verfügt unsere IHK über einen engen Draht zur Deutsch-Indischen Handelskammer. Damit können regionale Unternehmen gezielt bei Beratung, Markteintritt und der Vermittlung von Geschäftskontakten unterstützt werden.
Afrika rückt in den Fokus
Neben Asien gewinnt auch der afrikanische Kontinent an Bedeutung. Dies zeigte erst kürzlich das „Regionalforum Afrika“ in unserer IHK. In früheren Jahren war die Resonanz zu afrikanischen Märkten gering. Mittlerweile hat sich die Stimmung aber verändert. Die Subsahara-Afrika-Initiative der Deutschen Wirtschaft (SAFRI) spricht sogar von einer Afrika-Wende. Dr. Thando Sililo, Referatsleiter der Subsahara-Afrika-Initiative der DIHK (S. 13), sagt: „Wer heute Afrika ignoriert, riskiert morgen Chancen zu verpassen.“Dies bestätigten die Referenten des Regionalforums. Denn trotz aller Herausforderungen bieten viele afrikanische Länder enorme Potenziale – etwa in den Bereichen Digitalisierung, lokale Wertschöpfung, Rohstoffe und neue Wachstumsmärkte. Allerdings, so Claudia Voß vom Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft, gebe es nicht „den“ afrikanischen Markt, sondern 54 höchst unterschiedliche Länder. Erfolgreich sei daher nur, wer sich intensiv vorbereite und sich den lokalen Besonderheiten anpasse.
"Sich den Bedingungen vor Ort anpassen"
So ist etwa der Landmaschinenhersteller Amazonen-Werke H. Dreyer SE aus Hasbergen in Afrika vertreten. Über Partner wird dort Verfahrenstechnik zur Bodenbearbeitung, Saat, Düngung und zum Pflanzenschutz angeboten. „Die Maschinenausstattungen werden den Bedingungen vor Ort angepasst, um Ernteerträge zu steigern. So kommt sogar bei teils relativ simpler Technik mit Hilfe von Smartphone-Apps Künstliche Intelligenz zum Einsatz, um die Präzision zu steigern“, erläuterte Exportleiter Afrika Wilfried Koldehoff. In vielen Ländern wie etwa Uganda seien die klimatischen Bedingungen und die Böden hervorragend und erlaubten pro Jahr zwei Ernten. Allerdings gebe es spezifische Probleme, die vor Ort gelöst werden müssten. So gelingt es, Erträge zu verdoppeln und die Ernte in einem Projekt mit dem Getreidetechnik-spezialisten Riela durch Körnertrocknung qualitativ zu sichern, um beispielsweise beim Mais Pilzbefall zu vermeiden und somit das Krebsrisiko deutlich zu verringern.
Zu den Unternehmen, die auf dem Forum von ihren Erfahrungen berichteten, gehörten auch die Meyer & Meyer Holding, die Grimme Landmaschinenfabrik GmbH, die fair equity gGmbH sowie die Inensus GmbH. Deren CEO Nico Peterschmidt berichtete etwa über Industrialisierungsansätze. So verarbeitete die Betriebs-Niederlassung in Tansania Fisch aus dem Victoriasee. Dadurch würden die dortige Lieferketten geschlossen und Importe aus China ersetzt. Positivbeispiele wie dieses zeigten, dass der afrikanische Markt schon jetzt zahlreiche Geschäftsmöglichkeiten bietet.
Kontakt
Frank Hesse
Öffentlichkeitsarbeit, Wirtschaftspolitik, International
Stv. Hauptgeschäftsführer, Geschäftsbereichsleiter
Anastasija Daut
Öffentlichkeitsarbeit, Wirtschaftspolitik, International
Projektleiterin International
Filipe Ramalho Martins
Öffentlichkeitsarbeit, Wirtschaftspolitik, International
Projektleiter International