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"Bei uns gehts weiter!
Sturmfest und erdverwachsen – so sollte die Burg Bentheim bestenfalls sein. Doch jetzt wurden erhebliche Schäden an der Bausubstanz erst fest- und schließlich der Museumsbetrieb eingestellt. Der einzige Lichtblick: Das „Ferdinands Burgcafé & Bistro“ bleibt geöffnet, darf künftig sogar den großen „Prinzessinnengarten“ nutzen.
Das “Ferdinands” bleibt geöffnet
BAD BENTHEIM | Gastronom Daniel van der Kamp zog es schon immer nach oben. Im Mai 2015 eröffnete er in Nordhorn das „Hoch5“. Die kompakte Bar in der 5. Etage des ehemaligen Weberei-Turms bietet bis heute eine der besten Fernsichten weit und breit. Ähnlich schön schaut es sich vom „Ferdinands“ aus in die Region: Gelegen auf dem Areal der Burg Bentheim, blickt man über den Kurort bis in die benachbarten Niederlande. Eröffnet im Herbst 2021, gibt es 70 Plätze innen, 130 auf der Außenterrasse.
Imposant: Die Burg Bentheim wurde aus baulichen Sicherheitsgründen im Januar 2026 geschlossen, der Museumsbetrieb eingestellt. Vorne links im Bild ist das "Ferdiands" zu sehen - unterhalb davon der Prinzessinnengarten.
Die jetzige Entwicklung hatte auch van der Kamp nicht geahnt. „Nach einem Gutachten wurde die Burg direkt geschlossen, aber unser Gebäude durfte normal geöffnet bleiben. Für uns gab und gibt es zum Glück keine Einschränkungen.“ Manche Berichte seien ihm deshalb zu plakativ gewesen: „Wir sind ja nicht betroffen und wollen, dass die Gäste das wissen.“ Der 38-Jährige ist optimistisch, dass das gelingt. Über seine Social-Media-Accounts habe er die Community durchgehend informiert und gutes Feedback erhalten.
"Nicht nur auf Touristen ausgerichtet“
„Als wir den Betrieb übernommen haben, war uns klar, unser Angebot nicht einzig auf touristische Gäste auszurichten. Unsere Idee war von Beginn an diese: Wir schaffen einen Ort, an dem sich alle willkommen fühlen und der genauso Besucherinnen und Besucher aus der Stadt und Region anspricht“. Mit seiner Freundin Annalena Beer – sie leitet den Restaurantbetrieb – entwickelte er ein passendes Konzept: „Wir haben auf die Karte viele Produkte aus der Region aufgenommen.“ Koch ist Marcel Schleiwies, der Chefkoch in Rheine war, und bereits Sushi-Abende im „Hoch 5“ ausrichtete. Das Konzept des „Ferdinands“ sei von Beginn an erfolgreich gewesen, berichtet van der Kamp.
Bisher rund 60 % niederländische Gäste
Wie sich die Saison 2026 gestaltet? „Das ist schwer einzuschätzen und nicht bekannt. Aktuell aber haben wir etwa 20 % weniger Gäste als in den Vorjahren“. Was bekannt ist, sind Statistiken, die der 16 000-Einwohner-Stadt eine hohe Attraktivität bestätigen. Rund 150 000 Menschen besuchten pro Jahr die Burg - und es gibt rund 600 000 Übernachtungen in der Stadt, viele davon im Kontext der Kur- und Klinikeinrichtungen. Besonders viele Tagesgästen kommen aus den Niederlanden: „Das zeigte sich beim Weihnachtsmarkt, der 2025 letztmalig im Innenhof stattfand, sowie im Terrassenbetrieb“, sagt der Gastronom: „Übers Jahr verteilt zählten wir bei uns etwa 60 % Holländer.“ Die Speisekarte habe er nach und nach angepasst: „Wir haben Eistee aufgenommen und berücksichtigt, dass die Nachbarn eher süße als trockene Weine nachfragen.“
Neue Fläche gibt Grund zu Optimismus
Das Abendgeschäft im Restaurant sei, wenngleich geringer, so doch „relativ konstant“. Dennoch gibt es eine gute Perspektive. Erfolgversprechend sei, dass ab jetzt der 4 000 qm große „Prinzessinnengarten“ genutzt werden darf: „Der war früher privat und nicht zugänglich“. Mit einer Ausnahme: 2025 fand ein Jazzfest statt, das hervorragend angenommen wurde. Damals wurden erste Investitionen für Stromleitungen und Versorgung getätigt und van der Kamp managte die Gastronomie. Hieran möchte er anknüpfen, überlegt wie sich ähnliche und neue Formate umsetzen lassen. Ein Pluspunkt: Er kennt die Branche, war nach einigen Semestern in BWL und Management 15 Jahre als DJ tätig und organisierte Events. Beides sei heute hilfreich: „Um Konzepte zu entwickeln, die funktionieren. Und mein abgebrochenes Studium, weil ich offen für Menschen bin, die vielleicht keine geraden Berufswege haben, aber für die Arbeit bei uns in der Gastronomie super geeignet sind.“ Wie alles zusammengehen kann, zeigt sich am 1. Mai: Dann findet im „Prinzessinnengarten“ ein großer Familientag statt: „Anschließend werden wir weiter schauen, was machbar ist. Darauf freuen wir uns!“
Bleiben optimistisch: Annalena Beer und Daniel van der Kamp vor der Burg Bentheim. Ihr Burgcafe & Bistro "Ferdinands" darf künftig auf den großen "Prinzessinnengarten" nutzen.
Auf einen Blick
Die Burg ist seit über 600 Jahren im Besitz der Familie zu Bentheim und Steinfurt. Eigentümer ist Carl Ferdinand Fürst zu Bentheim und Steinfurt. Das Burgensemble wird durch die Verwaltung der Familie, die Fürst zu Bentheimsche Domänenkammer, bewirtschaftet. Im Januar 2026 wurde die Burg aus Sicherheitsgründen geschlossen. Die Sanierung könnte bis zu 40 Mio. Euro kosten. Wie es weitergeht: unklar.
Kontakt
Dr. Beate Bößl
Öffentlichkeitsarbeit, Wirtschaftspolitik, International
Projektleiterin Öffentlichkeitsarbeit