Indien: Neue Marktchancen für exportorientierte Unternehmen in der Region

In den vergangenen Jahren wurde die europäische Politik von vielen Unternehmen vor allem mit neuen Regulierungen in Verbindung gebracht. Dabei verfügt die Europäische Union über erhebliche wirtschaftspolitische Gestaltungsspielräume – insbesondere durch den Abschluss von Handelsabkommen, die den Marktzugang für europäische Unternehmen verbessern können. Während das Europäische Parlament zuletzt das Mercosur-Abkommen ausgebremst hat, hatten sich die regionalen Europaabgeordneten Tiemo Wölken (SPD) und Jens Gieseke (CDU) im Sinne der exportorientierten Wirtschaft klar für offene Märkte und neue Handelschancen ausgesprochen. Dieser handelspolitische Gestaltungswille zeigt sich auch beim Abkommen mit Indien, das nach fast zwei Jahrzehnten Verhandlungen im Januar 2026 politisch vereinbart wurde.
Das Abkommen mit Indien hat das Potenzial, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaft der Welt grundlegend zu vertiefen. Indien ist bereits heute die fünftgrößte Volkswirtschaft und ein zentraler Zukunftsmarkt für europäische Unternehmen. Ziel der Vereinbarung ist es, die EU-Exporte nach Indien bis zum Jahr 2032 zu verdoppeln. Ein entscheidender Hebel dafür ist die geplante Reduzierung von Zöllen auf über 96 Prozent der gehandelten Waren.
Damit Unternehmen die Vorteile des Abkommens tatsächlich nutzen können, darf die Nachweisführung beim Warenursprung nicht zu neuen Dokumentationspflichten oder zusätzlichen administrativen Belastungen führen. Nur wenn die Regelungen praxistauglich und effizient ausgestaltet werden, können insbesondere kleine und mittlere Unternehmen vom Abkommen profitieren.
Darüber hinaus streben beide Seiten eine sicherheits- und verteidigungspolitische Partnerschaft an, die die strategische Zusammenarbeit weiter stärken soll. Damit geht das Abkommen über rein wirtschaftliche Aspekte hinaus und unterstreicht die zunehmende geopolitische Bedeutung Indiens als Partner Europas.
Für die exportorientierten Unternehmen unserer Region eröffnet diese Entwicklung erhebliche Chancen. Bereits heute sind rund 180 Unternehmen aus der Region auf dem indischen Markt aktiv. Die Bandbreite reicht von der Nahrungsmittelindustrie über den Maschinenbau bis hin zur Papierindustrie. 31 regionale Unternehmen haben eigene Standorte in Indien, während elf Firmen zumindest mit einer Niederlassung präsent sind. „Indien ist für uns seit Jahrzehnten ein wichtiger Absatzmarkt mit strategischer Zukunftsperspektive. Seit 2018 sind wir als Gesellschafter eines Joint Ventures auch mit einer Produktion fest vor Ort verankert und arbeiten eng mit starken lokalen Partnern zusammen. Diese vertrauensvolle Zusammenarbeit verbinden wir mit einer klaren Wachstumsperspektive. Das EU-Indien-Handelsabkommen kann diese Dynamik deutlich verstärken. Wenn Zölle abgebaut und Verfahren verlässlich vereinfacht werden, bedeutet das für uns bessere Marktchancen in einer der wachstumsstärksten Volkswirtschaften der Welt“, sagt Matthias Breimhorst, Chief Commercial Officer bei der Felix Schoeller Holding GmbH & Co. KG in Osnabrück.
Die positive Entwicklung des indischen Marktes bietet regionalen Unternehmen nicht nur zusätzliche Absatzpotenziale, sondern auch langfristige Wachstums- und Diversifizierungsmöglichkeiten. Angesichts geopolitischer Spannungen und zunehmender Handelsbarrieren in anderen Weltregionen gewinnt die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Indien als stabiler und wachsender Partner weiter an Bedeutung.
Unsere IHK unterstützt die regionalen Unternehmen bei ihren Aktivitäten auf dem Subkontinent gezielt über ihren India Desk. In enger Kooperation mit der Deutsch-Indischen Handelskammer steht die IHK bei Fragen zum indischen Markt zur Verfügung. Das Angebot umfasst Marktinformationen, individuelle Beratung sowie die Vermittlung von Kontakten zu Experten vor Ort.