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Stimmung verschlechtert sich

Tourismusbranche blickt besorgt in die Zukunft
Die Tourismusbranche im Bezirk der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg (IHK) blickt besorgt in die Zukunft. “Nach einem guten Sommer für den Tourismus in Niedersachsen trübt sich die Stimmung nun ein. Energiekosten, Arbeitskosten und Personalmangel sowie sinkende Konsumbereitschaft und Nachfrage lassen die Betriebe mit Sorge auf den Winter blicken”, so fasst Kerstin Kontny, Abteilungsleiterin für Tourismus bei der IHK, die Ergebnisse der aktuellen Saisonumfrage Tourismus zusammen.
Der Klimaindex erreicht nur 76,1 Punkte und liegt damit nah an der Stimmungslage im Corona-Herbst 2020. Grund dafür sind die Zukunftsaussichten. Nach einem zufriedenstellenden Sommer – 46,9 Prozent der Unternehmen im Gastgewerbe beurteilen die letzte Saison als gut, 41,7 Prozent als befriedigend und nur 11,3 Prozent als schlecht – sind die Erwartungen an die nächste Saison eher schlecht. Zwei Drittel der Unternehmen erwarten eine ungünstigere Geschäftslage, nur 9 Prozent gehen von einer Verbesserung aus. “Die Geschäftslage im Gastgewerbe war im Sommer in unserer Region grundsätzlich gut – auch wenn viele Urlaubsreisende – jetzt wo sie konnten – das Ausland wieder für sich entdeckt haben. Demgegenüber stehen nun steigende Kosten für die Betriebe – und auch für die privaten Haushalte, die sich zum Teil eher für ein warmes Wohnzimmer und gegen einen Kurztrip in Niedersachsen entscheiden”, so Kontny.
Als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens werden mit 94,5 Prozent daher auch weiterhin die Energie-, Lebensmittel- und Rohstoffpreise angegeben. Die Folgen steigender Energiekosten für die Betriebe sind vor allem finanzieller Art. So reagieren 96,6 Prozent der Betriebe mit Preiserhöhungen. 72,9 Prozent sparen Energie ein. 44,9 Prozent werden weniger Investitionen tätigen. Doch auch Angebot und Nachfrage sind betroffen.  41,7 Prozent der Befragten werden ihr Angebot einschränken, 43,9 Prozent erwarten eine geringere Nachfrage auf Seiten der Gäste.
Den zweiten und dritten Platz der Geschäftsrisiken belegt das Thema Personal: Die Arbeitskosten sehen 66,9 Prozent als Risiko, ebenso wie fehlende Arbeitskräfte. Der Personalmangel hat vor allem Folgen für die vorhandene Belegschaft und die Angebotsseite. 77,4 Prozent gehen von einer Mehrbelastung des vorhandenen Personals aus, 71,1 Prozent gaben an, ihr Wachstumspotenzial nicht ausschöpfen zu können und 70,2 Prozent rechnen mit einer Einschränkung ihres Angebots beziehungsweise der Ablehnung von Aufträgen, da ihnen die notwendigen Personalkapazitäten fehlen. “Das wirkt sich letztlich auch negativ auf die finanzielle Situation der Unternehmen aus, da sie weniger Umsätze generieren können. Gleichzeitig kommen steigende Arbeitskosten hinzu, um vorhandenes Personal zu halten und neues zu gewinnen”, so Kontny.
Die Auswirkungen der Covid-Pandemie auf die Unternehmen haben sich im Vergleich zu den vorherigen Umfragen dagegen verringert. Dennoch ist die Pandemie weiterhin spürbar. So spüren noch immer zwei Drittel der Unternehmen eine geringere Nachfrage. Mehr als jedes zweite Unternehmen gab an, dass Aufträge durch Kunden aufgrund der Pandemie storniert würden. Eine weitere Folge ist die Abwanderung von Mitarbeitenden. Dies gaben 60,3 Prozent der Befragten an.
An der Umfrage beteiligten sich 89 Betriebe aus Hotellerie, Gastronomie und Campingwirtschaft. Befragungszeitraum war vom 17. Oktober 2022 bis 10. November 2022.