Jahrespressegespräch

Infrastruktur zwischen Fortschritt und Stillstand

Fortschritte bei Hafen- und Verkehrsprojekten zeigen, dass Infrastrukturpolitik in Ostfriesland wirken kann. Gleichzeitig bremsen langwierige Verfahren zentrale Vorhaben weiter aus und gefährden die Wettbewerbsfähigkeit der Region.

Infrastruktur ist mehr als ein Nice-to-have

Die Industrie und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg (IHK) hat sich im vergangenen Jahr erneut intensiv für den Ausbau der Straßen-, Schienen- und Wasserwege in ihrem Bezirk eingesetzt. „Eine leistungsfähige Infrastruktur ist kein Nice-to-have, sondern die Grundvoraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung, Wertschöpfung und Beschäftigung im äußersten Nordwesten“, mahnt IHK-Präsident Theo Eilers.

Projekte schreiten voran

Beim Ausbau der Infrastruktur sieht die IHK Licht und Schatten. Positiv bewertet Eilers den Baubeginn des Großschiffsliegeplatzes im Emder Außenhafen. Mit ihm entsteht eine zusätzliche Terminalfläche von mehr als 23.000 Quadratmetern für den Seehafen Emden – das entspricht einer Fläche von etwas mehr als drei Fußballfeldern. Mit dem Bau der Pier als Lückenschluss zwischen Emskai und Emspier gehe eine langjährige Forderung der IHK in Erfüllung. Die Kosten für das Bauwerk werden auf bis zu 70 Millionen Euro beziffert, die Fertigstellung ist für 2027 vorgesehen.
Ebenso begrüßt die IHK die Aufnahme der Planungen zur Sanierung eines 150 Meter langen Abschnitts am Südkai im Emder Hafen. Der Kai soll für den zunehmenden Umschlag von Windenergieanlagen ertüchtigt werden und ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg des Emder Hafens zum „Offshore-Gateway“. Auch dieses Projekt soll 2027 abgeschlossen sein. „Mit dem Ausbau des Südkais stärkt das Land Niedersachsen die Leistungsfähigkeit des Emder Hafens und schafft dringend benötigte Kapazitäten für die Energiewende“, betont Eilers.
Mit Blick auf die überregionale Verkehrsanbindung begrüßt die IHK den Planfeststellungsbeschluss für das erste Teilstück der A 20 von Westerstede bis Jaderberg. Die Autobahn soll künftig bis nach Drochtersen und weiter über Bad Segeberg in Richtung Stettin führen. „Als europäische Magistrale ist die A 20 auch für die Wirtschaft in Ostfriesland von hoher Bedeutung“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin Deinhard.
Zugleich rechnet die IHK in diesem Jahr mit der Wiedereröffnung der seit 2015 unterbrochenen Bahnverbindung von Leer nach Groningen. Der Abschnitt ist Teil der internationalen Achse von Amsterdam über Hamburg bis nach Skandinavien und Osteuropa.

IHK mahnt Politik zu schnellerem Handeln

Kritisch sieht die IHK jedoch die insgesamt viel zu langen Verfahrensdauern bei Infrastrukturprojekten – etwa bei der Fahrrinnenanpassung der Außenems, dem Bau der B 210n um Aurich sowie von Aurich zur A 31 oder der Ledabrücke in Leer. „Die Zeit zum Reden ist vorbei – Politik und Verwaltung müssen Planungs- und Genehmigungsverfahren jetzt spürbar beschleunigen, damit Infrastruktur nicht länger zum Standortnachteil wird“, appelliert Deinhard.