Jahrespressegespräch

IHK erwartet 2023 wichtige Weichenstellungen für Infrastrukturprojekte

Kammer will mit Strategiepapier Lobbyarbeit für die Region machen
Mit mahnenden Worten wies IHK-Präsident Dr. Bernhard Brons auf die zahlreichen Infrastrukturprojekte hin, die in der Region dringend vorangetrieben werden müssen: Eine optimale Anbindung unseres Wirtschaftsraumes an das deutsche und europäische Verkehrsnetz ist für die Wirtschaft unseres Bezirks aufgrund seiner Randlage traditionell von immenser Bedeutung“, sagte er bei der Vorstellung des IHK-Jahresberichts am 18. Januar im Emder Rummel.
„Als IHK ist es eine unserer Kernaufgaben an, für Verbesserungen der Infrastruktur gegenüber der Politik in Hannover und Berlin einzutreten“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin Deinhard. Dafür habe die IHK im letzten Jahr in enger Abstimmung mit ihren Mitgliedern ein Impulspapier erarbeitet. Unter dem Titel „Wirtschaftskompass 2022-2026“ führe es auch zahlreiche Infrastrukturvorhaben auf, die die Politik zum Erhalt und zur Verbesserung der Wirtschaftskraft in Ostfriesland und Papenburg unbedingt umsetzen müsse.
Brons betonte in diesem Zusammenhang die Planungen zum Bau der neuen Bundesstraße B 210n. Sie soll in drei Abschnitten gebaut werden. Für den ersten Abschnitt – das ist die Ortsumgehung um Aurich - liefen die Planungen seitens der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Die für den zweiten Abschnitt von Aurich bis zur A 31 würden sich in einem Abstand von etwa zwei Jahren anschließen. Nur beim dritten Bauabschnitt von Ihlow in Richtung Südbrookmerland - wichtig für den Norder Raum und die Inseln – täte sich derzeit noch nichts. Das liege daran, dass das Land Niedersachsen dafür noch keinen Planungsauftrag erteilt habe. „Wir als IHK fordern die Niedersächsische Landesregierung deshalb dringend auf, hier in diesem Jahr aktiv zu werden“, so Brons.
Mit Blick auf die „Friesenbrücke“ bei Weener - und damit zusammenhängend auf das Projekt „Wunderline“ als durchgehender Bahnverbindung von Groningen über Leer und Oldenburg bis nach Bremen - liefen alle Planungen für die Brücke darauf hinaus, dass sie Ende 2024 fertiggestellt sein wird. „Das muss dann aber auch klappen – neun Jahre nach ihrer Zerstörung durch ein Schiff“, mahnt Brons.
Deinhard ist zuversichtlich, dass die Verantwortlichen den Zeitplan einhalten. Aber er machte auch deutlich: “Wir werden den Fortgang dieses Jahr ganz genau beobachten und auch aktiv werden, falls der Zeitplan ins Rutschen kommt“.
Die Wunderline soll die Fahrtzeit zwischen Bremen und Groningen mit Haltepunkten unter anderem in Leer, Bunde und Ihrhove um 32 Minuten verkürzen. Die letzte Ausbaustufe für das Projekt ist für 2030 geplant.
Als ebenfalls sehr wichtiges Infrastrukturprojekt beschreibt Brons den Bau einer zweiten Eisenbahnklappbrücke in Emden. „Sie ist notwendig, damit der Hafen sowie die Küste mit ihren Badeorten und Inseln stets erreicht werden können und nicht an dem Wohl und Wehe der vorhandenen einzigen Klappbrücke hängen“, erläutert Brons.
Zwar wurde die Brücke im vergangenen Jahr saniert und auch in diesem Jahr seien noch Arbeiten vorgesehen. Aber bei einem rund einhundert Jahre alten Bau wisse man nie, ob irgendwann nicht plötzlich doch wieder einmal Komplikationen auftauchten.
„Auf unser Drängen hat das Bundesverkehrsministerium eine Machbarkeitsstudie für eine zweite Brücke in Auftrag gegeben. Deren Ergebnisse sind für das erste Quartal avisiert. Wir erwarten sie mit großer Spannung“, ergänzt Deinhard.
Wichtig für den Seehafen Emden und damit für die gesamte Region seien auch die Planungen zur Fahrrinnenanpassung der Außenems. Mit der Einreichung der Antragsunterlagen für das Planfeststellungsverfahren sei eine ganz entscheidende Phase erreicht worden. Noch in diesem Frühjahr sollen die Unterlagen öffentlich ausgelegt werden. Wenn alles gut laufe, solle Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres das Baurecht vorliegen, so dass die eigentlichen Bauarbeiten in 2024 erfolgen könnten. Brons: „Wichtig für dieses Jahr ist, dass die Umweltverbände eingebunden werden, wie die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung es auch vorsieht. Das findet unsere volle Unterstützung. Ihre Belange können so von Anfang an besser in die weiteren Planungen eingebaut werden“.