Jahrespressegespräch

Energiekrise überschattet Energiewende


Im Bezirk der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg (IHK) wurde erstmalig weniger Energie von Erneuerbaren Energieträgern ins Stromnetz eingespeist als im direkten Vorjahresvergleich. 2020 wurde rein rechnerisch noch 245 Prozent des Strombedarfs aus Erneuerbaren Energien gedeckt, 2021 nur noch 220 Prozent. Die Gesamtleistung der Energieerzeugenden Anlagen hat sich in den letzten Jahren verringert, statt zuzunehmen. „Die Prozesse der Energiewende sind zu träge und müssen dringend an Geschwindigkeit zunehmen, sonst werden wir nicht annähernd die Ausbauziele für Erneuerbare Energien von Bund und Land erreichen“, stellte IHK-Präsident Dr. Bernhard Brons bei der Vorstellung des IHK-Jahresberichts am 18. Januar im Rummel in Emden fest.
Die jüngste Erhebung der Zubauzahlen aus dem Markstammdatenregister belegt diese Einschätzung. Die Zahlen sind im IHK-Bezirk, ebenso wie in Niedersachsen, auf einem ähnlichen niedrigen Niveau wie im Jahr 2021. „Wir müssen endlich aus diesem Tal herauskommen. Der angekündigte Ruck in Sachen Energiewende kommt noch nicht an“, so Brons weiter. Damit seien vor allem die immer noch viel zu langen Planungs- und Genehmigungsverfahren gemeint. Hier hätte der Bund bereits versucht Erleichterungen, beispielsweise beim Natur- und Artenschutz zu schaffen, die im trägen, bürokratischen System nicht die erwünschten Wirkungen entfalten würden.
„Der Knoten wird hoffentlich bald platzen“, mahnt Max-Martin Deinhard, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer. Der Blick auf die in Planung befindlichen Einheiten im Markstammdatenregister zeige, dass seit 2019 397 Windenergieanlagen mit einer Kapazität 1,9 GW allein in Niedersachsen in den Startlöchern stecken, aber noch nicht in Betrieb genommen worden sind. „Hier wünsche ich mir mehr Pragmatismus von politischer Seite. Die fast 2 GW an Windenergieleistung hätten uns schon wesentlich resilienter in der Energiekrise werden lassen“, appelliert Deinhard.