IHK-Sommerabend 2022: Starke Region – starke Zukunft!

Der traditionelle Neujahrsempfang der IHK Braunschweig hat nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause erstmalig als Sommerempfang stattgefunden. IHK-Präsident Tobias Hoffmann und Hauptgeschäftsführer Dr. Florian Löbermann freuten sich, dass sie die rund 600 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung in der Braunschweiger Volkswagenhalle live und in Farbe begrüßen konnten und nicht ein weiteres Mal auf die persönliche Begegnung verzichten mussten.
Eröffnet wurde der Abend anders als gewohnt mit einem Dialog. Hoffmann und Löbermann spielten sich, vorrübergehend ihrer Krawatten entledigt, die Bälle zu, um getreu dem Claim „Starke Region – starke Zukunft!“ den Transformationsprozess und die Neuerungen bei der IHK Braunschweig vorzustellen und zu erläutern. „Trotz des immer noch allgegenwärtigen Krisenmodus hat sich das Haus weiterentwickelt.
Dabei behalten wir die regionale Präsenz stets im Blick, bilden als IHK die Klammer der Region, um uns zukünftig noch stärker engagieren, um gemeinsam mit allen Partnern und in den sechs Gebietskörperschaften aus den bestehenden Potenzialen eine starke Zukunft für die Region zu ermöglichen“, so Löbermann, der zunächst auf den sich in kürze konstituierenden Wirtschaftsausschuss Salzgitter hinwies, aber auch weitere inzwischen erfolgreich eingeführte Formate wie „Welcome@IHK“, wo Neu- und Bestandsmitgliedern regelmäßig die Grundlagen und Rahmenbedingungen der ehrenamtlichen Arbeit nähergebracht werden, „Alles im Blick“, das sich explizit an Soloselbstständige und Kleinunternehmer wendet und deren Bedürfnissen annimmt oder „IHK vor Ort“, bei dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Industrie- und Handelskammer in die „Maschinenräume der Unternehmen“ blicken sollen.
„Uns geht es darum, dass wir noch besser verstehen wollen, wo den Unternehmern der Schuh drückt, in dem wir die Dinge direkt vor Ort sehen und live erleben“, betonte der Hauptgeschäftsführer.

IHK-Ehrenpräsident Helmut Streiff verabschiedet
Förmlicher wurde es im Anschluss mit der Ehrung und Verabschiedung von Helmut Streiff. Er kam zum Song „Hundert Leben“ von Johannes Oerding auf die Bühne. Präsident Hoffmann nannte noch einmal die (zahlreichen) Meilensteine des ehrenamtlichen Wirkens seines direkten Amtsvorgängers: Gründungsmitglied und Sprecher der Wirtschaftsjunioren Braunschweig, Mitglied des Prüfungsausschusses für Verpackungsmittelmechaniker, langjähriger Vorsitzender des Industrieausschusses, ab 1984 Mitglied der Vollversammlung, 20 Jahre Mitglied im Präsidium der IHK, davon zehn als erster Stellvertreter des Präsidenten und als Präsident und im Jahr 2018 Präsident der IHK Niedersachsen.
Sichtlich gerührt war Streiff als er von Florian Löbermann nach den schönsten und stärksten IHK-Momenten befragt wurde: „Ich glaube, dass die Neujahrsempfänge immer etwas ganz Besonderes waren. Ich erinnere mich gerne an Ilsede und Schöningen zurück. Es gab für mich aber so viele Highlights, dass ich sagen muss: Es hat mir insgesamt wahnsinnigen Spaß gemacht.“ Tobias Hoffmann bedankte sich bei Helmut Streiff für dessen Engagement und die (gemeinsame) tolle Zeit und hob insbesondere Streiffs Talent, Menschen zusammenzubringen hervor.
Im Talk mit Frank Fiedler, Vorstandsmitglied der VW Financial Services AG, dem Sponsor des diesjährigen IHK-Empfangs, skizzierte dieser die zuletzt erzielten Erfolge seines Hauses. Entscheidend sei die gemeinsam mit den Kunden vollzogene Weiterentwicklung am Puls der Zeit, weg vom reinen Finanzdienstleister gewesen. Geschäftsmodelle seien weiterentwickelt worden, als Anpassungen nötig wurden. „Der typische Norddeutsche ist ja erstmal sehr kritisch. Wenn wir aber zurückblicken, hat sich gezeigt, dass wir in den ganzen Krisen der jüngsten Zeit – ob Finanzkrise, Dieselkrise, Corona oder die Halbleiterkrise im Moment – immer Wege zur Weiterentwicklung unseres Geschäfts gefunden zu haben.“ Dass das immer geklappt habe, stimme ihn zuversichtlich.

Die aktuelle Situation – eine „Krise im Quadrat“
Den Herausforderungen der Wirtschaft nahm sich Präsident Tobias Hoffmann dezidiert in seiner Rede an. Nicht nur die Gepflogenheiten zur Begrüßung hätten sich verändert, sondern die Rahmenbedingungen zum Wirtschaften insgesamt. „Vor Corona wussten nur wenige Menschen, was ein Lockdown ist. Flächendeckend geschlossene Geschäfte – wer hätte sich das vorstellen können? Hamsterkäufe waren in Deutschland seit den Weltkriegen unbekannt.“
Die Gemengelage der zurückliegenden Jahre ausführlicher skizzierend, wandte sich Hoffmann an den Ministerpräsidenten Stephan Weil, der in der ersten Reihe saß: „In dieser Zeit hätte ich nicht mit Ihnen tauschen wollen!“ Die Politik, so der IHK-Präsident, verdiene für ihr Handeln Anerkennung durch die Wirtschaft. Die Bundesregierung hätte ebenso wie die Landesregierung und die Kommunen im Bezirk bewiesen, dass Politik und Gesetzgebung unter Stress schnell handelten und sogar gerichtliche Korrekturen riskierten – was insbesondere deshalb gut sei, weil so eben Demokratie funktioniere.
Hiernach gab Hoffmann einen kurzen Überblick über die aktuellen Herausforderungen für die Wirtschaft, über Corona hinaus: unterbrochene Lieferketten, massiv steigende Energie- und Materialpreise und vor allem noch der Russland-Ukraine-Krieg lasteten schwer auf den Unternehmen. „Man kann sozusagen von einer Krise im Quadrat sprechen“, so Hoffmann, der eine jüngst von den Medien aufgegriffene Studie der Universität Halle anführte, die belegt, dass ein Gasembargo unsere Region, insbesondere Wolfsburg und Salzgitter, besonders stark treffen würde. Die Transformation von Öl, Gas und Kohle hin zu erneuerbaren Energien und Wasserstoff sei deshalb wichtiger denn je. Als Wunsch an die Landesregierung formulierte Hoffmann, die bestehenden Einflussmöglichkeiten für eine starke Wirtschaft und einen gesunden Wettbewerb zu nutzen und dadurch den von der Wirtschaft genannten Herausforderungen angemessen entgegenzutreten.
Chancen zur Weiterentwicklungspotenzial sieht der IHK-Präsident nicht zuletzt bei der Digitalisierung und beim Bürokratieabbau. Hier gebe es, wie später auch Stephan Weil attestierte, Nachholbedarf, wenn man als Messlatte das Umsetzungstempo in den Nachbarländer Dänemark und Niederlade betrachte.

Die Region Braunschweig-Wolfsburg – das industrielle Herz Niedersachsens
In seiner rund 30-minütigen Festrede stellte Ministerpräsident Stephan Weil, der die Gäste mit einem nordisch-lässigen „Moin!“ begrüßte – nach einem Rückblick auf Corona und Ausführungen zu den Auswirkungen des Kriegsgeschehens in der Ukraine – die wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Leistungen der Region heraus. Explizit lobte er die Arbeit des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung. „Die Region Braunschweig ist schon heute eine starke Region und sie wird in Zukunft noch stärker und noch bedeutsamer werden. Am Beispiel Salzgitter, dem zukünftigen Standort der Batteriefertigung und einer klimaneutralen Stahlproduktion, sieht man den großen Beitrag, den die Region zur Transformation der Industrie leistet.

Die Region Braunschweig ist schon heute eine starke Region und sie wird in Zukunft noch stärker und noch bedeutsamer werden.
Das sind zukunftsweisende Entwicklungen, die den Menschen in der Region, den Unternehmen und der Umwelt zugutekommen werden“, betonte Weil, der die Region Braunschweig-Wolfsburg als industrielles Herz des Bundeslandes Niedersachsen bezeichnete. „Es ist die Region mit der stärksten Dichte an Forschung und Entwicklung. Und wir haben über viele Jahre erlebt, dass die daraus resultierende wirtschaftliche Stärke unserem Land insgesamt geholfen hat. Nach meiner festen Überzeugung ist das nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft. Wir müssen allerdings in Zeiten der Krise die Weichen für eine bessere Zukunft stellen.“
Nächster IHK-Empfang in Salzgitter
Ob der nächste Empfang der IHK Braunschweig nun klassisch im Januar oder wieder im Sommer stattfindet, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Der Ort wurde beim Sommerabend zum Abschluss des offiziellen Teils aber ermittelt: Nachdem Stephan Weils Dartpfeil-Wurf auf die Regions-Scheibe im Niemandsland von Sachsen-Anhalt landete, trickste Präsident Hoffmann das überdimensionierte Wurfgerät kurzerhand nach Salzgitter.
An Stehtischen ging es für die Gäste anschließend weiter. Bei kleinen Snacks kam man ungezwungen miteinander ins Gespräch – bis in den späten Abend.