Wer ist eigentlich Britta Kokemper-Söllner?

Na, mit Sicherheit ist die Banson-Geschäftsführerin eine der bislang wohl gewissenhaftesten Protagonistinnen in dieser Rubrik. Die stets gleiche Eingangsfrage jedenfalls leitete sie zur Beantwortung gleich mal an zehn Kollegen und Geschäftspartner weiter. „Herzlich, direkt und wissbegierig“ lauteten in der Folge die drei meistgenannten Zuschreibungen. Kokemper-Söllner blickt aufs Handydisplay, zählt im Geiste nochmal nach, nickt zufrieden und lächelt: „Ich selbst sehe mich vor allem als Vorantreiberin, interessiere mich für viele Themen und möchte das Unternehmertum in der Region und die Region selbst vorwärtsbringen.“

Unternehmertum bringt Fortschritt

Besagtes Unternehmertum und grundsätzlicher gesamtgesellschaftlicher Fortschritt sind für die im Osnabrücker Land aufgewachsene, studierte Wirtschafts­ingenieurin untrennbar miteinander verbunden – schließlich seien es Unternehmerinnen und Unternehmer, die aus Inventionen am Ende echte Innovationen werden lassen. Kokemper-Söllner fördert als Chefin des Business-Angel-Netzwerkes Banson e. V. den unternehmerischen Nachwuchs, das Zusammenkommen von Start-ups und erfahrenen wie risikobewussten Förderern. 2018 wurde sie vom fünfköpfigen ehrenamtlich agierenden Vorstand gefragt, ob sie nicht die Leitung des Netzwerkes übernehmen wolle.
Und wie sie wollte! Rund 800 Start-ups, ein Großteil davon überregional, hat sie seither gescoutet und gecoacht. In ihrer Anfangszeit sei die Ausgründungsrate der hiesigen Hochschulen und der universitären Forschungseinrichtungen eher gering gewesen. „Auch die Gründungsrate von Start-ups allgemein war noch sehr niedrig“, skizziert die einstige Stipendiatin der Braunschweigischen Stiftung. In den vergangenen zwei bis drei Jahren allerdings habe sich das Blatt insbesondere in der Löwenstadt gewendet. „Viele Förderinstrumente kamen hinzu: Excellerator- und Inkubator-Programme, von der Stadt ist viel gekommen, Borek.Digital ist entstanden, vom Land Niedersachsen wurden Fonds aufgelegt und auch die Förderungen für die Start-up-Zentren wurde vorangetrieben.
So ist zum Beispiel auch der Trafo-Hub seither sehr stark gewachsen.“ Überhaupt habe das komplette Gründungsgeschehen in Braunschweig wie auch in Wolfsburg enorm zugelegt.

„Höhle der Löwen“ ohne Kamera

Viermal im Jahr veranstaltet das Banson-Netzwerk sogenannte Matching-Abende. Die besten vier von jeweils zwischen 40 und 50 Bewerber-Start-ups gehen hier vor anwesenden Banson-Mitgliedern (etwa zwei Drittel der insgesamt 60 Unternehmerinnen und Unternehmer gehören zum Investorenkreis) in den Pitch. „Das ist ein bisschen wie ‚Die Höhle der Löwen‘ ohne Kamera“, schmunzelt Kokemper-Söllner, die in noch jüngeren Jahren selbst auch schon gegründet hat. Über das Konsumverhalten an den von ihr und einem Mitstreiter upgecycelten Verkaufsautomaten hat sie damals sogar ihre Diplomarbeit geschrieben.
„Zeitgleich habe ich die internationale Ausgründung eines Produktes aus der Schuko-­Gruppe mit begleitet. Da ging es um die Messung von Feinstäuben. Damals war ich von der Idee bis zur Serienreife mit dabei“, lässt sie keinen Zweifel an der Liebe zur unternehmerischen Arbeit aufkommen. Wenn Kokemper-Söllner nicht mit Mann Justus, ihren Kindern Mauritz und Philippa sowie Vizsla-Hündin Heidi unterwegs ist oder zum Tennisschläger greift, dann ist sie mit Herzblut dabei, das hiesige „Matchmaking“ noch besser und effizienter zu gestalten. Ideen zur Start-up-Förderung hat die Banson­Geschäftsführerin noch einige in petto. Sie dürfen gespannt sein.

pau