Mittendrin statt nur dabei

Kopieren, kehren, Kaffee kochen? Diese Zeiten sind längst vorbei. In ihren Berufsausbildungen sind die Auszubildenden mittendrin im Betriebsgeschehen. Damit sie viele Erfahrungen sammeln können, vertrauen ihnen Unternehmen bereits zu Beginn der beruflichen Karriere kleinere Projekte an. Nach dieser Devise gestaltet auch die Wiederaufbau die Ausbildung und setzt sogar noch einen drauf: Die Baugenossenschaft lässt ihre Auszubildenden den Immobilienbestand eines ganzen Stadtteils managen.
Jedes Jahr besetzt die Wiederaufbau drei Stellen mit jungen Männern und Frauen, die sich zu Immobilienkaufleuten ausbilden lassen. Am Team des Braunschweiger Unternehmens, das rund hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfasst, tragen sie einen großen Anteil. Dass die Baugenossenschaft auch Großes mit ihren Auszubildenden vorhat, zeigt sich an der Verantwortung, die sie ihnen überträgt. Nicht nur, dass sie einzelne Wohnobjekte verwalten und sich dabei um die Anliegen von Mietern kümmern, Wohnungen modernisieren lassen und Instandsetzungsmaßnahmen begleiten. Es obliegt ihrem Geschick, den kompletten Bestand des Braunschweiger Stadtteils Lehndorf zu steuern.

Eigenverantwortlichkeit fördern

Von der Zentrale in der Güldenstraße aus lenkt die Wiederaufbau einen Immobilienbestand von 10 000 Wohnungen, die sich von Braunschweig, Wolfenbüttel, Salzgitter und Goslar in unserer Region bis nach Quedlinburg, Blankenburg und Halberstadt in Sachsen-Anhalt erstrecken. In Lehndorf sind 106 Wohneinheiten in vier Straßen beheimatet. Für die Wiederaufbau sind sie ein perfektes Terrain, um ihre Auszubildenden zu fordern und zu fördern. „Was sich unsere Auszubildenden in ihrer Ausbildung aneignen, können sie hier praktisch anwenden“, sagt Svenja Michel. „Und zwar selbstständig und eigenverantwortlich“, ergänzt Swantje Kühn.
Swantje Kühn ist Ausbildungsleiterin und Bereichsleiterin Personalmanagement, Svenja Michel leitet die Abteilung Wohnungsmanagement Umland. Bei der Wiederaufbau verantworten die beiden die Ausbildung der Immobilienkaufleute, die in insgesamt drei Jahren in verschiedenen Abteilungen alles Wichtige über Vermietung und Haustechnik, über Betriebskosten und Controlling lernen.
„Unsere Auszubildenden entwickeln wesentlich mehr Routine.“
Svenja Michel
In Lehndorf verknüpfen die Auszubildenden ihren Wissensschatz mit wichtigen Erfahrungen. Mieter ziehen aus? Dann ist es ihre Aufgabe, die Wohnungen abzunehmen und die Renovierungen und Schönheitsreparaturen im Blick zu behalten. Nach dem Auszug stehen die Wohnungen leer? Dann vermarkten und vermieten sie sie neu. Es gibt Mieterfragen zu Betriebskostenabrechnungen oder das Quartierfest steht an? Der Wasserhahn tropft oder ein Streit unter Nachbarn muss geschlichtet werden? Die Auszubildenden kümmern sich drum. 
Selbstverständlich steht ein erfahrener Kollege zur Seite, sollte Unterstützung nötig sein. Doch im Prinzip sind die Immobilienkaufleute ihr eigener Herr und ihre eigene Frau. „Jeden Tag gibt es für unsere Auszubildenden genug zu tun“, sagt Swantje Kühn, „sie setzen sich wöchentlich in der Lehndorf-Runde zusammen und besprechen als Team ihre Aufgaben.“ So gewinnen sie viele neue Erkenntnisse, und auch ihre Persönlichkeitsentwicklung verzeichnet einen kräftigen Schub. „Unsere Auszubildenden arbeiten viel souveräner und entwickeln wesentlich mehr Routine als jemand, der weniger Berührungspunkte mit dem Beruf als sie hat“, betont Svenja Michel.

Alle Seiten profitieren

Nicht nur die Immobilienkaufleute profitieren vom tiefen Einblick in die Gesetzmäßigkeiten des Bestandsmanagements, auch ihr Ausbildungsunternehmen zieht einen großen Nutzen daraus. „Die Vorteile für die Wiederaufbau sind identisch mit denen für die Auszubildenden“, betont Vorstandsmitglied Heinz-Joachim Westphal. „Weitestgehend eigenverantwortliches Arbeiten in einem für uns wichtigen Quartier ergibt über die gesamte Ausbildungszeit unmittelbare praktische Erfahrungen.“ Wer die Ausbildung erfolgreich abschließe, so Westphal, sei bestens mit allen wesentlichen Arbeiten rund um die Wohnung vertraut – und für das Team der Wiederaufbau eine echte Bereicherung.
Mit rund 17 900 Mitgliedern zählt die Wiederaufbau zu den größten genossenschaftlich organisierten Wohnungsunternehmen in Deutschland. Sie mit preiswertem Wohnraum zu versorgen, ist ihre wichtigste Aufgabe. Auf der Agenda ganz oben stehen „die Weiterentwicklung unseres Bestandes, stetige Quartiersarbeit sowie die Entwicklung und Realisierung von Neubauprojekten“, so Heinz-Joachim Westphal. Und auch: „Technische Innovationen, interessante Tools zur Verbesserung unserer Kundenkommunikation und Entwicklungsmöglichkeiten für die Mitarbeitenden“. So wie die Entfaltungschancen, die die Wiederaufbau den Immobilienkaufleuten eröffnet.

Große Außenwirkung

Nicht nur nach innen entwickelt das Lehndorf-Projekt große Strahlkraft. Auch die Außenwirkung ist enorm. Da gibt es zum einen die wissbegierigen Unternehmen aus der Branche, die sich gut vorstellen können, es der Wiederaufbau gleichzutun und ein ähnliches Projekt aufzulegen. Swantje Kühn sagt: „Es sind bereits einige Unternehmen auf uns zugekommen. Sie interessieren sich dafür, wie wir ausbilden und welche guten Erfahrungen wir machen.“
Und da gibt es die Resonanz, die die Wiederaufbau bei Schulabgängern hervorruft und die ihre Ausgangsposition im Werben um gute Mitarbeiter verbessert. In den Vorstellungsgesprächen seien die Kandidaten grundsätzlich begeistert, wenn der Rahmen für die Ausbildung abgesteckt werde, unterstreicht Swantje Kühn. „Für sie ist unser Lehndorf-Projekt ein ausschlaggebendes Argument, sich für die Ausbildung bei der Wiederaufbau zu entscheiden.“       
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