Laut aktueller IHK-Konjunkturumfrage haben sich die Exporterwartungen der Industrie merklich eingetrübt. Die Ergebnisse stammen aus der Konjunkturumfrage Herbst 2025, für die sich zwischen 15. September und 2. Oktober 2025 knapp 1.230 Industriebetriebe zu ihren Exporterwartungen geäußert haben. 28 Prozent der befragten Unternehmen rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit sinkenden Ausfuhren. Lediglich 24 Prozent erwarten steigende Exportzahlen. Die internationale Schwächephase trifft den Industriestandort Baden-Württemberg damit mitten ins Herz – denn 81 Prozent der Industriebetriebe im Land sind im Auslandsgeschäft aktiv. „Unsere Unternehmen geben alles – sie investieren, sie exportieren, sie suchen neue Märkte. Aber sie dürfen nicht ausgebremst werden“, mahnt BWIHK-Vizepräsident Claus Paal. Politischer Mut sei jetzt gefragt: weniger Vorschriften, verlässliche Energiepreise, starke Handelsabkommen. „Nur so bleibt Baden-Württemberg Exportland Nummer eins.“
USA: Schlüsselmarkt mit Stolpersteinen
Der US-Markt bleibt ein Sorgenkind: Zwar erwarteten im Herbst 21 Prozent der exportierenden Betriebe eine leichte Verbesserung – im Sommer waren es nur 14 Prozent –, doch die Skepsis überwiegt. 45 Prozent der Unternehmen rechnen mit rückläufigen Ausfuhren in die Vereinigten Staaten. Handelskonflikte, komplizierte Zollregelungen und politische Unsicherheiten belasten das Geschäft. Auch die Handelsbeziehungen mit Nordamerika insgesamt sind rückläufig. „Die USA bleiben ein Schlüsselmarkt – aber einer mit immer mehr Hürden“, so Paal. Die EU müsse nun mit einem klaren Bekenntnis zum freien Handel gegensteuern:
Eurozone: Unsicherheit im Binnenmarkt
In der Eurozone zeigt sich ein ähnliches Bild: 24 Prozent der Betriebe erwarten sinkende Ausfuhren, nur 21 Prozent hoffen auf Wachstum. Die Ursachen liegen auch im Binnenmarkt selbst: schwache Konjunktur in Frankreich und Italien, hohe Inflation, divergierende Energiepreise und nationale Sonderwege in Förderprogrammen. Paal warnt: „Der europäische Binnenmarkt ist unser Fundament – aber er bröckelt.“ Gleichzeitig bleibt er mit 89 Prozent Exportanteil wichtigster Absatzmarkt der heimischen Industrie.
Asien im Blick:
Indien wird zum Hoffnungsträger Während China als Absatzmarkt weiter an Bedeutung verliert, rückt Indien mit großem Potenzial in den Fokus der Unternehmen. Nur 22 Prozent der Unternehmen erwarten noch steigende Exporte nach China – 31 Prozent prognostizieren Rückgänge. In Indien hingegen wird die wirtschaftliche Dynamik mit großer Aufmerksamkeit verfolgt: ein starkes Wachstum von über 6 Prozent, strategische Bedeutung als Absatz und Produktionsmarkt und die Aussicht auf ein EU-Indien-Freihandelsabkommen beleben die Erwartungen. 27 Prozent der Südwest-Unternehmen planen steigende Asien-Exporte, auch wenn die Gesamtstimmung noch verhalten ist. Besonders mittelständische Technologieanbieter setzen bei neuen Projekten auf Indien – und schätzen die Marktchancen, die sich aus der Diversifizierung von Lieferketten ergeben. Mittel- und Südamerika: Leichter Optimismus dank Mercosur-Perspektive Auch in Mittel- und Südamerika zeigt sich vorsichtiger Optimismus.
Der Beginn der Ratifizierung des EU-Mercosur-Abkommens eröffnet Perspektiven, wenngleich politische Vorbehalte einzelner EU-Staaten das Verfahren bremsen. Für viele Unternehmen lohnt sich daher der Blick in neue Märkte – nicht zuletzt, weil das internationale Umfeld zunehmend durch Protektionismus, Regulatorik und geopolitische Risiken geprägt ist. Politik muss Dynamik im Auslandsgeschäft ermöglichen Für die exportstarke Industrie Baden-Württembergs ist klar: Neue Märkte gewinnen nur dann an Bedeutung, wenn politische Rahmenbedingungen Dynamik ermöglichen. Paal formuliert es unmissverständlich: „Das Auslandsgeschäft läuft nicht mehr von selbst.“
WAB