Die Energieagentur informiert Unternehmen auch über Photovoltaik-Anlagen. Was sind die wichtigsten Fragen?
Im Mittelpunkt steht häufig die Versorgungssicherheit. Unternehmen interessieren sich zunehmend für Eigenstromerzeugung, für Möglichkeiten zur Überbrückung kurzfristiger Stromausfälle und für den Abbau von Lastspitzen. Hinzu kommen klassische Auslegungsfragen, etwa zur optimalen Größe von PV-Anlagen und Batteriespeichern. Ein weiteres Thema gewinnt ebenfalls an Bedeutung: die Überdachung von Firmenparkplätzen mit PV-Anlagen. Gerade Autohäuser beschäftigen sich verstärkt damit, um Fahrzeuge vor Extremwetterereignissen wie Hagel zu schützen und gleichzeitig Strom zu erzeugen. Die Auswirkungen des Klimawandels werden hier sehr konkret und fließen direkt in Investitionsentscheidungen ein.
Wie können große Batteriespeicher zur Netzstabilität beitragen?
Moderne Batteriespeicher leisten einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Stromnetze, insbesondere im Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien. Wind- und Sonnenenergie unterliegen Schwankungen, die ohne Ausgleichstechnologien schwer beherrschbar wären. Große Speicher können kurzfristige Überschüsse aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben. Auf diese Weise helfen sie, Versorgungsschwankungen auszugleichen und eine konstante Stromversorgung sicherzustellen – sowohl für einzelne Betriebe als auch für das Gesamtnetz.
Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht die Wärmewende, auch im Zusammenhang mit dem Stromnetz?
Die Bedeutung der Wärmewende nimmt deutlich zu, nicht zuletzt durch die verpflichtende kommunale Wärmeplanung. In den vergangenen Jahren haben wir rund 200 Nahwärmenetze begleitet, vor allem in kleineren Kommunen. Dabei geht es um rechtliche Rahmenbedingungen, Förderanträge sowie um Information und Beratung von Wohnungseigentümern und Gewerbetreibenden. Allerdings ist eine flächendeckende Versorgung mit Wärmenetzen nicht überall realisierbar, da oft die notwendige Wärmedichte oder wirtschaftliche Voraussetzungen fehlen. In diesen Gebieten bleiben Einzelversorgungslösungen notwendig. Um das Ziel der Klimaneutralität im Land bis spätestens 2040 zu erreichen, müssen fossile Energieträger konsequent durch erneuerbare ersetzt werden. Das führt zwangsläufig zu einer stärkeren Elektrifizierung, etwa durch Wärmepumpen und Elektromobilität, und damit zu einem steigenden Strombedarf sowie zu einem notwendigen Netzausbau. Entscheidend ist eine sorgfältige Planung: effizient betriebene Wärmepumpen, eine auf den künftigen Bedarf abgestimmte Eigenstromerzeugung und ausreichende Speicherlösungen. Ziel muss es sein, Überschüsse möglichst vor Ort zu nutzen und das Netz zu entlasten. Perspektivisch kann auch das bislang noch kaum genutzte bidirektionale Laden von E-Fahrzeugen einen Beitrag leisten.
Wie könnte man die Energiewende effizienter gestalten?
Die Bewilligungszeiten bei Förderprogrammen sind oft sehr lang, und der bürokratische Aufwand bei der Antragstellung ist hoch. Hier braucht es mehr Geschwindigkeit und deutlich weniger Bürokratie. Ergänzend könnten steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten eine Alternative oder Ergänzung zu klassischen Förderprogrammen sein. Als Energieagentur bieten wir unabhängige Beratungen zu Energieeinsparung, erneuerbaren Energien, nachhaltigem Bauen und Fördermöglichkeiten an. Diese neutralen Anlaufstellen sind wichtig, um Unternehmen und Kommunen Orientierung zu geben und die Energiewende vor Ort pragmatisch umzusetzen.