die WIRTSCHAFT | Das Magazin
Nr. 6951688
3 min Lesezeit
interview

„Für die Energiewende braucht es mehr Geschwindigkeit und weniger Bürokratie“

Die Energieagentur informiert Unternehmen auch über Photovoltaik-Anlagen. Was sind die wichtigsten Fragen?

Im Mittelpunkt steht häufig die Versorgungssicherheit. Unternehmen interessieren sich zunehmend für Eigenstromerzeugung, für Möglichkeiten zur Überbrückung kurzfristiger Stromausfälle und für den Abbau von Lastspitzen. Hinzu kommen klassische Auslegungsfragen, etwa zur optimalen Größe von PV-Anlagen und Batteriespeichern. Ein weiteres Thema gewinnt ebenfalls an Bedeutung: die Überdachung von Firmenparkplätzen mit PV-Anlagen. Gerade Autohäuser beschäftigen sich verstärkt damit, um Fahrzeuge vor Extremwetterereignissen wie Hagel zu schützen und gleichzeitig Strom zu erzeugen. Die Auswirkungen des Klimawandels werden hier sehr konkret und fließen direkt in Investitionsentscheidungen ein.

Wie können große Batteriespeicher zur Netzstabilität beitragen?

Moderne Batteriespeicher leisten einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Stromnetze, insbesondere im Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien. Wind- und Sonnenenergie unterliegen Schwankungen, die ohne Ausgleichstechnologien schwer beherrschbar wären. Große Speicher können kurzfristige Überschüsse aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben. Auf diese Weise helfen sie, Versorgungsschwankungen auszugleichen und eine konstante Stromversorgung sicherzustellen – sowohl für einzelne Betriebe als auch für das Gesamtnetz.

Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht die Wärmewende, auch im Zusammenhang mit dem Stromnetz?

Die Bedeutung der Wärmewende nimmt deutlich zu, nicht zuletzt durch die verpflichtende kommunale Wärmeplanung. In den vergangenen Jahren haben wir rund 200 Nahwärmenetze begleitet, vor allem in kleineren Kommunen. Dabei geht es um rechtliche Rahmenbedingungen, Förderanträge sowie um Information und Beratung von Wohnungseigentümern und Gewerbetreibenden. Allerdings ist eine flächendeckende Versorgung mit Wärmenetzen nicht überall realisierbar, da oft die notwendige Wärmedichte oder wirtschaftliche Voraussetzungen fehlen. In diesen Gebieten bleiben Einzelversorgungslösungen notwendig. Um das Ziel der Klimaneutralität im Land bis spätestens 2040 zu erreichen, müssen fossile Energieträger konsequent durch erneuerbare ersetzt werden. Das führt zwangsläufig zu einer stärkeren Elektrifizierung, etwa durch Wärmepumpen und Elektromobilität, und damit zu einem steigenden Strombedarf sowie zu einem notwendigen Netzausbau. Entscheidend ist eine sorgfältige Planung: effizient betriebene Wärmepumpen, eine auf den künftigen Bedarf abgestimmte Eigenstromerzeugung und ausreichende Speicherlösungen. Ziel muss es sein, Überschüsse möglichst vor Ort zu nutzen und das Netz zu entlasten. Perspektivisch kann auch das bislang noch kaum genutzte bidirektionale Laden von E-Fahrzeugen einen Beitrag leisten.

Wie könnte man die Energiewende effizienter gestalten?

Die Bewilligungszeiten bei Förderprogrammen sind oft sehr lang, und der bürokratische Aufwand bei der Antragstellung ist hoch. Hier braucht es mehr Geschwindigkeit und deutlich weniger Bürokratie. Ergänzend könnten steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten eine Alternative oder Ergänzung zu klassischen Förderprogrammen sein. Als Energieagentur bieten wir unabhängige Beratungen zu Energieeinsparung, erneuerbaren Energien, nachhaltigem Bauen und Fördermöglichkeiten an. Diese neutralen Anlaufstellen sind wichtig, um Unternehmen und Kommunen Orientierung zu geben und die Energiewende vor Ort pragmatisch umzusetzen.
IHK Ulm
Olgastraße 95-101
89073 Ulm
Tel. 0731 173-0
E-Mail: info@ulm.ihk.de

Energie für Wirtschaft und Wettbewerb

leitartikel
Martin Sommer © Photodesign Armin Buhl

Die Energiewende ist in vollem Gange. Es gilt, die Strompreise bezahlbar und eine Stromversorgung sicher zu gewährleisten. Denn ohne Strom läuft nichts im wirtschaftsstarken Südwesten. Laut dem Energiewende- Barometer 2025 der DIHK zeigen sich die befragten Unternehmen gespalten. Einerseits erwägt jedes fünfte Unternehmen in Baden-Württem berg die Verlagerung der Produktion ins Ausland, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Andererseits haben bereits zwei Drittel aller Unternehmen Maßnahmen ergriffen oder geplant, um eigene erneue rbare Energieerzeugungskapazitäten aufzubauen oder auf alter native Wärmeerzeuger umzusteigen. Bürokratie und mangelnde Planbarkeit verzögern die Transformation. Wir haben Energie versorger, Netz-Systemanbieter sowie Vertreter erneuerbarer Energien befragt. Fazit: Es braucht politische Entschlossenheit und unternehmerischen Mut.

9 min Lesezeit
interview
Thomas Stäbler © Netze BW

Das deutsche Stromnetz gilt als eines der zuverlässigsten der Welt und garantiert die Versorgung sämtlicher Haushalte, Unternehmen und sonstiger Verbraucher mit Elektrizität. Die Netze BW GmbH verantwortet die Versorgungssicherheit für Millionen Menschen und viele Unternehmen in Baden-Württemberg und der Region. Um bei den Anforderungen der Energiewende Stabilität und Bezahlbarkeit zu gewährleisten, muss beobachtet, gewartet, modernisiert und ausgebaut werden. Thomas Stäbler, Leiter Kommunale Beziehungen Baden-Württemberg der Netze BW GmbH, steht im Interview Rede und Antwort.

5 min Lesezeit
fachartikel
Dekorative Grafik © adobe.stock.com

Wenn in einem Industriebetrieb die Maschinen anlaufen, im Büro die IT hochfährt oder zu Hause das Licht angeht, ist Strom selbstverständlich verfügbar – ein zentraler Standortvorteil.

4 min Lesezeit
interview
Dekobild © stock.adobe.com

Die Transformation des Energiesystems stellt Unternehmen und Kommunen gleichermaßen vor neue Herausforderungen. Photovoltaik, Batteriespeicher und Wärmenetze spielen dabei eine zentrale Rolle. Im Interview erläutert Walter Göppel, Geschäftsführer der Energieagentur Oberschwaben in Ravensburg, welche Fragen aktuell besonders häufig gestellt werden, wie Speicher zur Netzstabilität beitragen können und welche Stellschrauben aus seiner Sicht entscheidend sind, um die Energiewende effizienter voranzubringen.

3 min Lesezeit